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Bibliothek

Literaturpreise Nein, danke

Zwanzigtausend Euro lässt keiner liegen? Javier Marías schon. Für „Die sterblich Verliebten“ bekam er kürzlich den Nationalpreis für Erzählliteratur zugesprochen. Er lehnte ab.

Es ist immer wieder erbaulich, an die Geste des amerikanischen Schriftstellers Thomas Pynchon zu erinnern, der als junger Mann mal einen Literaturpreis erhalten sollte und, weil er partout nicht öffentlich auftreten wollte, zur Verleihung statt seiner selbst einen Clown schickte. Beim nächsten Preis schrieb er dem Gremium, er wolle die Auszeichnung nicht annehmen, aber die Leute waren irgendwie schwer von Begriff, und am Ende schrieb er ihnen: „Es gibt nur eine Art, nein zu sagen, und die heißt: nein.“

Etwas Ähnliches ist jetzt auch dem Spanier Javier Marías widerfahren. Er bekam für seinen Roman „Die sterblich Verliebten“ den angesehenen „Nationalpreis für Erzählliteratur“ zugesprochen und lehnte ihn kurzerhand ab. Sagte, er nehme prinzipiell keine institutionellen Auszeichnungen an, nicht vom Cervantes-Institut, nicht vom Kulturministerium, von keiner Körperschaft, die öffentliche Mittel verwende. Nun sagt er das schon seit vielen Jahren, siebzehn, um genau zu sein, aber manchmal hören Bedeutungsträger einfach nicht zu. Vielleicht denken sie: 20000 Euro, die lässt doch keiner liegen! Und weil man in solchen Fällen leicht missverstanden wird, erklärte Marías es noch einmal. Er sei Schriftsteller und wolle von der öffentlichen Hand nicht dafür bezahlt werden, dass er seine Arbeit tue. Ein Dank an die Jury, es sei eine Ehre, aber: Er wolle lieber nicht. Er habe keine Lust, für jemandes Parteigänger gehalten zu werden. Er würde dasselbe tun, sagte er, säßen in der Regierung die Sozialisten.

Beobachtungen eines Ablehnenden

Ein paar Beobachtungen flocht er auch noch ein. Etwa, dass den Nationalpreis schon so viele schlechte Schriftsteller bekommen hätten, dass ihm, Marías, der Verzicht nicht schwerfalle. Dass sein Vater, der Philosoph Julián Marías, nie den Nationalpreis für Essayistik erhalten habe. Dass Thomas Bernhard sich mit Literaturpreisen auch schwergetan habe, wenngleich ihm das Geld stets willkommen gewesen sei. Dann sagte er doch noch etwas gegen die Rajoy-Regierung, nämlich, dass sie ihn schon ein bisschen an den Franquismus erinnere, sie hege dieselbe Verachtung für Kultur. Von einem Kulturministerium, das den Etat für öffentliche Bibliotheken auf null herunterfahre, wolle er sowieso nichts haben. Was hier gerafft berichtet wird, sagte Javier Marías natürlich länger und literarischer. Übrigens, auf den Dortmunder Nelly-Sachs-Preis, den er 1997 erhielt, ist er stolz. Und er wird ihn behalten, selbst wenn sein Verein Real Madrid gegen Borussia aus der Champions League fliegt.

Quelle: F.A.Z.

 
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