31.08.2003 · Das Buch heißt „Letzte Grüße“, und genau das ist es auch: Als „letzten Gruß an meine Leser“ bezeichnet Walter Kempowski seinen Roman, dem keine weiteren folgen sollen. Mit dem Schreiben aufhören will er aber nicht.
Mit seinem neuen Buch „Letzte Grüße“ will sich der in Nartum bei Bremen lebende Schriftsteller Walter Kempowski von seinem Publikum als Romancier verabschieden. „Das ist ein letzter Gruß an meine Leser“, sagte Kempowski am Samstagabend auf dem 23. Erlanger Poetenfest, wo er zum ersten Mal aus dem in Kürze erscheinenden Werk - es ist sein zehnter Roman - las.
Mit dem Schreiben will der 74jährige, der 1992 einen Schlaganfall erlitten hatte, jedoch nicht aufhören. Bereits an diesem Montag werde er die Arbeit an einem weiteren Band seines Kriegstagebuchs „Echolot“ aufnehmen, kündigte Kempowski an. Sieben Jahre lang habe er an seinem neuen Roman gearbeitet, erzählte Kempowski bei seinem Auftritt im Erlanger Markgrafentheater. „Ich schreibe sehr langsam.“
Tour durch die Wüste
In „Letzte Grüße“ läßt der unermüdliche Chronist deutscher Zeitgeschichte seinen Helden Alexander Sowtschick aus „Hundstage“ wieder auftreten. Der alternde Schriftsteller macht eine Lesereise durch die Vereinigten Staaten, erlebt dabei die Unbequemlichkeiten eines Fluges und unternimmt mit einem holländischen Kollegen eine Tour durch die Wüste. Immer treibt ihn die Angst an, im Leben „das Falsche“ geschrieben zu haben. Von seinem neuen Roman hat er erst 63 Seiten beieinander.
Auch der Vielschreiber Kempowski („Deutsche Chronik“) fühlt sich weiterhin angetrieben. „Man hat eine vom lieben Gott bestimmte Aufgabe, die muß man erfüllen“, sagte er. „Und es wird immer mehr. Es ist grauenhaft, man weiß nicht, was man zuerst erledigen soll.“ Kempowski ließ durchblicken, daß er sich literarisch nochmals mit seiner acht Jahre währenden Haft in Bautzen beschäftigen wolle. 1948 war er von einem sowjetischen Militärtribunal wegen Spionage zu 25 Jahren verurteilt worden, 1956 kam er frei. Er müsse „zurück zu meinen Ursprüngen“, sagte der Autor. „Der Schlußstein fehlt noch.“