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Literatur : Schriftsteller Arthur Miller ist tot

  • Aktualisiert am

Arthur Miller, 1915 - 2005 Bild: AP

Einer der ganz Großen des amerikanischen Theaters ist tot: Arthur Miller, der Werke wie „Tod eines Handlungsreisenden“ schrieb, starb im Alter von 89 Jahren. Aufsehen hatte seine Ehe mit Marilyn Monroe erregt.

          Der Schriftsteller und Dramatiker Arthur Miller, einer der bedeutendsten amerikanischen Theaterautoren der Gegenwart, ist tot. Wie seine Mitarbeiterin Julia Bolus am Freitag bestätigte, starb der weltberühmte Autor am Donnerstag abend in seinem Wohnort Roxbury im amerikanischen Bundesstaat Connecticut im Alter von 89 Jahren.

          Miller hatte seit längerem an Krebs gelitten. Zuletzt war er außerdem an einer Lungenentzündung erkrankt. Miller wurde vor allem durch seine Theaterstücke „Tod eines Handlungsreisenden“ und „Hexenjagd“ weltberühmt.

          Als gerade erst 33jähriger Autor hatte Miller 1949 den Pulitzer-Preis für den „Tod eines Handlungsreisenden“ verliehen bekommen. Zu Weltruhm war er bereits zwei Jahre zuvor mit seinem sozialkritischem Drama „Alle meine Söhne“ gelangt. Seine sozial- und zeitkritischen Dramen wenden sich gegen den „American Way of Life“, bei dem der berufliche Erfolg im Mittelpunkt steht. Immer wieder stellte Miller die ethische Verpflichtung des Einzelnen in den Vordergrund. Seine Dramen wurden mehrfach verfilmt.

          Arthur Miller 1957 mit seiner Frau: Marilyn Monroe

          Anspielungen auf McCarthy

          Im „Tod eines Handlungsreisenden“ schilderte Miller die zerrüttenden Auswirkungen des Überlebenskampfes in der Berufswelt auf eine Mittelschichtfamilie. Der Vertreter Willy Loman zerstört sich mit seinem unerschütterlichen Glauben an den amerikanischen Kapitalismus letztlich selbst und bringt sich am Ende des Stücks um. Das Drama gilt als Klassiker des 20. Jahrhunderts und wird an Schulen und Universitäten in aller Welt studiert.

          1984 spielte Dustin Hoffman am Broadway die Rolle des scheiternden Vertreters Loman, der von seiner Firma nach Jahrzehnten als nicht mehr verwendungsfähig entlassen wird. Nach der ersten Verfilmung 1951 durch Laszlo Benedek setzte 1985 auch Volker Schlöndorff den Stoff für die Leinwand um und gewann Dustin Hoffman als Hauptdarsteller. Miller selbst inszenierte sein gefeiertes Drama 1992 in Stockholm.

          In „Hexenjagd“ dramatisierte er die Hexenprozesse in Neuengland im späten 17. Jahrhundert, unter unmißverständlicher Anspielung auf die Verfolgung vermeintlicher Kommunisten unter dem Senator Joe McCarthy. Der politisch engagierte Miller war in den fünfziger Jahren ins Visier des berüchtigten Ausschusses zur Bekämpfung unamerikanischer Umtriebe geraten.

          Miller stammte aus einer polnisch-jüdischen Emigrantenfamilie und wuchs im New Yorker Stadtteil Harlem auf. Von 1956 bis 1960 war er mit dem Hollywoodstar Marilyn Monroe verheiratet, für die er auch das Drehbuch von „Misfits - nicht gesellschaftsfähig“ schrieb.

          In seinen Werken gehe es um Frage, wohin wir gehören, ob es eine Wurzel des Lebens gibt, erklärte Miller 1988 in einem Interview. „Heute ist die Familie zerfallen, und die Menschen leben auch nicht mehr allzu lange an einem Ort.“ Der „Tod eines Handlungsreisenden“ hat auch heute nichts von seiner Aktualität verloren. Das Werk, das schon 1949 den „Tony“ erhielt, einen der begehrtesten Bühnenpreise, wurde 1999 abermals mit diesem Preis ausgezeichnet, dieses Mal als bestes Revival in einer Broadway-Saison. Derzeit steht das Stück beispielsweise auch in Hannover und Dortmund auf dem Spielplan.

          Das „Gewissen Amerikas“

          Vielen galt Miller wegen seiner Aufrichtigkeit und seiner unbestechlichen Gesellschaftsanalyse als „Gewissen Amerikas“. Zumindest durfte er wohl als Gewissen der Linken angesehen werden, die er ebenfalls scharfsichtig und rückhaltlos kritisierte. „Der Marxismus“, resümierte er bereits 1978 in dem Essay „Die Sünde der Macht“, „hat sich als sentimentale Einschätzung der Natur des Menschen erwiesen, und das entbehrt nicht der Komik, war er doch anfangs gerade die Untersuchung der schmerzhaften Wunden kapitalistischer Hybris.“

          Nichts geringeres als „das Wahrheitsbewußtsein der Menschheit“ habe er mit seinem Schaffen befördern wollen, erklärte Miller einmal. Er wußte genau, wovon er schrieb. Er hatte den Aufstieg zum Wohlstand und den sozialen Zusammenbruch in der eigenen Familie erlebt. Sein Vater hatte als Kleiderfabrikant ein Vermögen erwirtschaftet und in den 1930er Jahren verloren. Miller arbeitete als Lastwagenfahrer, stand am Fließband, war Nachtredakteur einer kleinen Zeitung und sparte für sein Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften an der University of Michigan.

          Nach dem Sündenfall

          Daß es allein das „Wahrheitsbewußtsein“ war, das Miller bewog, seine Ehe mit Marilyn Monroe 1964 unter dem Titel „Nach dem Sündenfall“ auf die Bühne zu bringen, bezweifelten seinerzeit allerdings nicht wenige. 1956 hatten sie geheiratet. 1961 trennten sie sich, ein Jahr später beging die Schauspielerin Selbstmord, nach einer angeblichen Affäre mit dem Präsidenten John F. Kennedy. Miller beschrieb sie einmal als „höchst selbstzerstörerisch“. Während ihrer Ehe habe er seine ganze Energie und Aufmerksamkeit darauf konzentriert, ihr bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen. „Unglücklicherweise hatte ich nicht viel Glück.“

          Miller erhielt für seine Werke neben dem Pulitzer-Preis und dem „Tony“ unter anderem auch den Preis der New Yorker Theaterkritiker, den Prinz-von-Asturien-Preis für Literatur in Spanien und verschiedene Ehrendoktorwürden. Von 1965 bis 1969 war er Präsident des internationalen PEN-Clubs. Miller hinterläßt zwei Kinder aus seiner erster geschiedenen Ehe mit Mary Grace Slattery. Die Ehe mit Marilyn Monroe blieb kinderlos. Mit seiner dritten Frau, der 2002 verstorbenen Magnum-Fotografin Inge Morath, hat er eine Tochter.

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