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Literatur Reich-Ranicki: Der Kritiker von Monte Christo

23.07.2002 ·  Der Kritiker von Monte Christo: Wie der Schriftsteller Mario Vargas Llosa den Spaniern das Phänomen Reich-Ranicki erklärt.

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Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa vergleicht den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki mit dem Grafen von Monte Christo. Wie dieser sei Reich-Ranicki triumphal in ein Land zurückgekehrt, das ihn einst verstoßen hatte, schreibt Vargas Llosa in „El País“ und der „Frankfurter Allgemeinen“.

Anlass für den Artikel, den Vargas Llosa für seine zweiwöchentliche Kolumne in der Zeitung verfasst hat, ist das Erscheinen von Reich-Ranickis Memoiren in Spanien. Vargas Llosa findet das Buch „großartig“ (magnifico). Er bewundert, wie der Kritiker seine Schilderung des Warschauer Ghettos, das er überlebte, bewusst nüchtern halte und sogar mit Selbstironie versehe. Gerade dadurch werde man von diesen Schilderungen tief berührt. Umso mehr Emotion zeige der Kritiker, wenn es um die Literatur geht.

Die olympische Feder

Vargas Llosa, selbst im Nebenberuf Kritiker, zeigt sich etwas überrascht über das Ausmaß an Berufung, das er hinter Reich-Ranickis Arbeit als Kritiker wahrnimmt. Die meisten Kritiker der Literaturgeschichte, von Sainte-Beuve bis Edmond Wilson, seien auf Umwegen Kritiker geworden und hätten immer das literarische Schaffen dem Kritikerdasein vorgezogen. Verwundert gibt er sich auch darüber, dass Reich-Ranicki über die Anfeindungen von Schriftstellern, die in dem neuen Walser-Roman wohl kulminiert seien, mit einigem Selbstmitleid schreibe. Ein Kritiker wie er könne nicht erwarten, dass die Schriftsteller, die von seiner „olympischen Feder“ niedergemacht würden, ihn dafür auch noch liebten und verehrten.

Umso mehr preist der Peruaner, der mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, Reich-Ranickis Grundprinzip, wonach Kritiken gut geschrieben sein und möglichst ohne Fachjargon auskommen sollten. Es wäre viel gewonnen für die Literatur, meint Vargas Llosa sinngemäß, wenn mehr Herausgeber von literarischen Zeitschriften und Literaturbeilagen diese Maxime befolgen würden.

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