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Veröffentlicht: 11.10.2012, 13:04 Uhr

Literatur-Nobelpreis 2012 Walser: Mo Yan „wichtigster Schriftsteller unseres Zeitalters“

Der wichtigste Literaturpreis der Welt geht in diesem Jahr nach China. Einer der bedeutendsten Autoren des Landes, Mo Yan, erhält die Auszeichnung.

© REUTERS Mo Yan benennt Fehler und Exzesse des kommunistischen Regimes, stellt es aber nicht in Frage.

Der chinesische Autor Mo Yan wird in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Ihre Entscheidung gab die Schwedische Akademie soeben in Stockholm bekannt.

Mo Yan ist das Pseudonym des Autors Guǎn Móyè (Jahrgang 1955). Am ehesten ist der Autor für den 1987 veröffentlichten historischen Roman „Die rote Sorghumhirse“ - in der Übersetzung „Das rote Kornfeld“ - bekannt. Im gleichen Jahr verfilmte der Regisseur Zhang Yimou das Buch unter dem Titel „Hong gao liang/Red Sorghum“. Zuletzt erschien in deutscher Übersetzung Mo Yans Roman „Die Sandelholzstrafe“ und „Der Überdruss“ (beide 2009).

Mo Yan reagierte „überglücklich und erschrocken“ auf die Auszeichnung. Das meldeten chinesische Staatsmedien
am Donnerstag. Die Nachricht erreichte ihn in seinem Heimatdorf Gaomi.

In den Berichten über die Vergabe wurde der 57-Jährige als der „erste chinesische Bürger“ bezeichnet, der einen Nobelpreis erhalten habe. Zuvor erhielten allerdings der inhaftierte Bürgerrechtler Liu Xiaobo 2010 den Friedensnobelpreis und der in Frankreich lebende chinesische Schriftsteller Gao Xingjian 2000 den Literaturnobelpreis.

Darüber hinaus wurde 1989 auch der im Exil in Indien lebende Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Martin Walser begrüßte die Preisvergabe. „Es könnte für mich keinen glücklicheren Kandidaten geben, er ist über jeden Zweifel erhaben“, sagte der 85-Jährige. „Ich halte ihn für den wichtigsten Schriftsteller unseres Zeitalters und plaziere ihn gleich neben Faulkner.“ Er schätze Mo Yan sehr, weil er „seine Bücher für so ungeheuer reich und gut und vor allem auch schön halte“, sagte Walser („Ein fliehendes Pferd“) .

Mo Yan habe Geschichtsverläufe wie kriegerische Auseinandersetzungen zwischen China und Japan so genau dargestellt und erzählt, wie er es sich für die deutsche Geschichte nur wünschen könne, sagte Walser. Dabei habe Mo Yan die chinesische Kriegspraxis ebenso grausam dargestellt wie die japanische. „Das ist doch sehr imponierend, dass seine Humanität über nationale Gereiztheiten triumphiert“, sagte Walser.

Kenzaburô Ôe - japanischer Träger des Literaturnobelpreises - äußerte sich in aller Deutlichkeit zur Qualität des Schriftsteller und nahm die Auszeichnung wörtlich vorweg: „Wenn ich einen Nobelpreisträger küren dürfte, dann wäre es Mo Yan“, sagte er.

Im vergangenen Jahr hatte der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer den weltweit wichtigsten Literaturpreis erhalten. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 930.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

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