Home
http://www.faz.net/-gqz-371o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Literatur Moskau: Aktivisten wollen "traditionsfremde" Literatur aus dem Verkehr ziehen

17.01.2002 ·  Die Jugendbewegung "Gemeinsamer Weg" bietet klassische russische Literatur zum Tausch gegen "traditionsfremde" Texte.

Artikel Lesermeinungen (0)

Die vom Kreml geförderte Jugendbewegung „Gemeinsamer Weg“ will die Bücher moderner Autoren als „traditionsfremd“ aus dem Verkehr ziehen. Bei der Aktion sollen Bürger Werke von Viktor Pelewin, Wladimir Sorokin und Viktor Jerofejew in Bücher des Sowjetklassikers Boris Wassiljew umtauschen, teilte die Organisation am Donnerstag in Moskau mit.

Die Bücher der in Moskau wie im Westen gelobten Avantgarde-Autoren entsprächen „nicht der Tradition der russischen Literatur“, sagte Dennis Saizew, Sprecher der Bewegung, auf Anfrage. Offenbar rechnet die Gruppe Autoren wie Michael Bulgakow (1891 - 1940), Autor von "Der Meister und Margarita", oder Daniil Charms (1905 - 1942) ebenfalls nicht zu den Klassikern.

Die zeitgenössischen Schriftsteller seien populär „nicht wegen ihrer Begabung oder ihrer Aktualität, sondern wegen der Reklame und des Interesses von Leuten, die Literatur nur als Unterhaltung ansehen“, hieß es in einer Presseerklärung.

Zwei "Traditionsfremde" für einen Klassiker

Aktivisten des „Gemeinsamen Weges“ wollen an 20 Umtauschstellen in Moskau die modernen Romane entgegennehmen und mit einem Stempel „Zurück an den Autor“ versehen, „damit sie nicht wieder in Umlauf geraten“. Wer zwei Bücher von Pelewin abgebe, erhalte eins von Wassiljew, hieß es.

Die Jugendorganisation „Gemeinsamer Weg“ trat erstmals im November 2000 mit einer großen Kundgebung für Präsident Wladimir Putin an die Öffentlichkeit. Wie Nachfolger der sowjetischen Komsomolzen treten die bis zu 10 000 Mitglieder für Patriotismus und Staatstreue ein. Nach Recherchen der Moskauer Presse leistet der Kreml dem „Gemeinsamen Weg“ organisatorische wie finanzielle Schützenhilfe. Auch große russische Firmen sollen die Organisation sponsern.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr