17.07.2005 · Leseratten rund um den Globus haben am Wochenende den neuen „Harry Potter“ verschlungen - und wissen nun auch, wer in der sechsten Folge sterben muß. Rezensenten sind von dem neuen Buch allerdings weniger begeistert.
Millionen Leser rund um den Globus haben am Wochenende das gleiche Buch verschlungen: Den neuen „Harry Potter“. Der sechste und vorletzte Band der Serie, „Harry Potter and the Half- Blood Prince“, wurde am Samstag um Mitternacht britischer Zeit (also 1.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) zum Verkauf freigegeben.
Weltweit sollen am ersten Verkaufstag nach Schätzungen britischer Medien zehn Millionen Exemplare verkauft worden sein. Damit hätte das Buch gleich zum Start Rekorde aufgestellt und jene der fünf Vorgängerbände noch übertroffen. Inhaltlich rief das Buch unterschiedliche Reaktionen hervor: Erste Rezensionen zeigten sich gespalten.
„Langatmig, schwammig und nicht sehr gut redigiert“
Der Internet-Buchhändler Amazon meldete, bis Freitag abend seien aus aller Welt mehr als 1,5 Millionen Bestellungen eingegangen. Allein 150.000 englischsprachige Exemplare gingen nach Deutschland. Von den ersten fünf Bänden der Autorin Joanne K. Rowling wurden weltweit bislang mehr als 270 Millionen Exemplare in 62 Sprachen verkauft.
Die ersten Rezensionen waren allerdings in Großbritannien nicht so positiv wie nach den vorigen Bänden. „Es ist langatmig, schwammig und nicht sehr gut redigiert“, lautete das Urteil der Kulturchefin des „Independent on Sunday“, Suzi Feay. Der „Sunday Express“ titelte: „Sorry JK, aber das verzaubert uns nicht.“ Das Buch hätte noch einmal gründlich überarbeitet und drastisch gekürzt werden müssen, meint die Zeitung: „Alles was auf den ersten 459 Seiten passiert, könnte man auf einem paar Dutzend Seiten zusammenfassen.“
Aber die Kinder sind begeistert
Der BBC-Kritiker Darren Waters zeigte sich enttäuscht: „In vielerlei Hinsicht ist dieses Buch nur die Vorbereitung auf Rowlings letzten Band. Zu große Teile des Buches sind entweder eine Wiederholung von Altbekanntem oder beschränken sich darauf, Handlungsstränge und Figuren in die richtige Ausgangsposition (für den Schlußband) zu bringen.“ Viele Kinder, die das Buch schon gelesen hatten und von der britischen Presse befragt wurden, sagten dagegen, es sei das Beste der ganzen Reihe.
Zwei Jahre mußten die Fans nach dem Erscheinen des fünften Bandes auf die nächste Folge warten. Wie bei den vorigen Ausgaben öffneten in vielen Ländern die Läden am Samstag schon in der Nacht, um den lesehungrigen Potter-Fans die ersten Exemplare der englischen Ausgabe zu verkaufen. Die deutsche Ausgabe soll am 1. Oktober erscheinen.
Böllerschüsse und Konfetti
Allein in Großbritannien waren die Bücher in mehr als 1000 Buchhandlungen von Mitternacht an zu kaufen. Vor vielen Läden hatten sich lange Schlangen aufgeregter Fans gebildet, von denen sich etliche als Hexen und Zauberer verkleidet hatten.
In den Vereinigten Staaten und Kanada feierten Tausende mit Böllerschüssen und Konfetti den lang erwarteten Verkaufsstart. Bei einem Straßenfest im New Yorker Stadtteil Soho brachen 4000 Potter-Anhänger um Mitternacht (Ortszeit) in Jubel aus. Am Times Square standen gut 1000 Fans bis zu 16 Stunden in einer Schlange, die sich über mehrere Straßenzüge zog. Auch in Deutschland stürzten sich ungeduldige „Potter“-Leser auf das Buch.
Professor Snape zeigt sein wahres Gesicht
Die Autorin Rowling (39) stellte ihr neuestes Werk in ihrer Heimatstadt Edinburgh in Schottland vor. Dafür war ein Saal auf der Burg Edinburgh Castle als „Hogwarts“-Schule hergerichtet worden. Die Autorin las dort kurz vor Mitternacht vor 70 „Jungreportern“ aus mehreren Ländern den Anfang des Buches vor.
Das neue Buch gibt Antworten auf Fragen, die kundige „Potteristen“ schon lange beschäftigten. Unter anderem enthüllt Band 6 die dunkle Biographie von Harrys Gegenspieler Lord Voldemort. Professor Snape, der Zaubertrank-Lehrer, mit dem Harry von Anfang an nicht zurechtkam, zeigt sein wahres Gesicht.
Harry Potter bekannter als Gerhard Schröder
In Deutschland ist Harry Potter einer Umfrage zufolge unter Sechs- bis Sechzehnjährigen bekannter als Bundeskanzler Gerhard Schröder. Rowling, die ihren Helden vor 15 Jahren auf einer Zugfahrt nach London erfand, ist durch ihn zur reichsten Frau Großbritanniens geworden. Die „Sunday Times“ schätzt ihr Vermögen auf derzeit 750 Millionen Euro.