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Literatur & Markt : Klein, handlich und gar nicht teuer - die neuen Kunstbuch-Reihen

  • -Aktualisiert am

Rodin und Claudel - ein Paperback-Nachfolger in Prestels „Pegasus”-Bibliothek Bild: Prestel Verlag München

Mit geschrumpften Formaten zu kleinen Preisen suchen Verlage wie Prestel und Taschen eine Antwort auf die Kunstbuch-Krise.

          Der teure Prachtband zur Kunst habe ausgedient. Das klassische Kunstbuch könne nur noch mit sehr großen Risiken produziert werden, klagte es schon vor längerer Zeit aus den Verlagen. Mit einer weiteren Anstrengung versuchen einige von ihnen das Problem erneut zu lösen. Sie schrumpfen das Format und senken die Preise.

          Mit neuen Paperback-Reihen grasen der Münchner Prestel-Verlag, der Phaidon-Verlag in London und der Kölner Billigbuch-Spezialist Benedikt Taschen diverse Kunstgebiete ab. Design und Erotik, Fotografie und Malerei - Hauptsache, das Sujet ist populär genug. Die Rezeptur, sie scheint überall gleich: handlich, reich illustriert und mit Preisen zwischen 10 und 20 Mark sogar für Studierende erschwinglich. Das einheitliche Outfit soll sich gut im Regal machen und das Serienlogo die Wiedererkennbarkeit ermöglichen.

          Pocketausgaben zu „Pegasus“-Bestsellern

          Auf das geflügelte Musenross setzt Prestel: Die Bände der „Pegasus“-Reihe gab es jahrelang ausschließlich in Hardcover gehüllt. Seit Herbst 2000 nun werden besonders beliebte Ausgaben auch als Paperback produziert und für 19,80 Mark angeboten. Die preisgünstige Variante solle ein Publikum ansprechen, das sich vor allem für den Inhalt interessiert, heißt es bei Prestel. Dagegen würden die schmucken „Pegasus“-Bücher mit festem Einband zu einem Preis von 39,80 Mark eher von Sammlern oder als Geschenkbücher gekauft.

          Die Rechnung des Münchner Verlages geht auf - auch die Taschenbücher der Reihe sind eingeschlagen. Die gute Resonanz erklärt sich durch die Auswahl von bewährten Namen, die in klangvolle Zusammenhänge gebracht werden: „Paul Klee - Malerei und Musik“ oder „Gustav Klimt - Maler der Frauen“. Auch Künstlerpaare kommen gut, sei es „Auguste Rodin und Camille Claudel“ oder „Wassily Kandinsky und Gabriele Münter“. Ein gelungenes Beispiel dieser Art bietet auch die im Frühjahr erschienene Taschenbuchausgabe von „Frida Kahlo und Diego Rivera“.

          Große Fotografen bei „Phaidon 55s“

          Weniger beziehungsreich, eher enzyklopädisch denkt Phaidon seine Taschenbuchreihe, die das seit Jahren angesagte Thema „Fotografie“ besetzt. Jeder der kleinen, fast quadratischen „55“-Bände will mit eben genau 55 Bildbeispielen und einem konzentrierten Textbeitrag in Leben und Werk eines großen Fotografen einführen - von Eugène Atget bis Nan Goldin. Das Programm startet der Londoner Verlag mit neuer Dependance in Berlin am 25. Juni 2001. Dann kommen die ersten 20 Bücher der Reihe auf den Markt, weitere sollen im Laufe der nächsten Monate und Jahre folgen. Bis die Bibliothek komplett ist. Mit nur 14,80 Mark pro Stück ist der Fotofreund dabei.

          Taschen-“Icons“ zu älteren Erfolgstiteln

          Noch billiger kann es Benedikt Taschen. In seinen „Icons“ für nur 9,95 Mark streicht der Kölner Verlag ohne viel Mühe Inhalte älterer Erfolgstitel auf 192 Seiten zusammen und verpackt das ganze in schrille Umschläge. Das Querbeet-Angebot bietet „Stuhldesign“ neben „Karl Blossfeldt“ und einer „Encyclopaedia Anatomica“. Bereits im Januar sind die ersten „Icons“ in die Buchläden gewandert, und bis Dezember 2001 sollen 48 Bände dort stehen. Auch der ein oder andere Renner aus dem von Taschen so ausgiebig gepflegten Erotik-Sortiment ist dabei: „Pin-Ups“, „Male Nudes“ oder auch „Erotica 1801 bis 1900“. Gegen diese Zweitverwertung von Verlagsbestsellern zu Supermarktpreisen wird die Konkurrenz sich nur mit interessanten und neuen Inhalten zur Wehr setzen können.

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