28.10.2003 · Heinz Piontek ist tot. Mit seinem nahezu alle literarischen Gattungen umspannenden Werk prägte er die deutsche Nachkriegsliteratur mit. Der in Oberschlesien geborene Piontek starb im Alter von 77 Jahren in Passau.
Der Lyriker und Erzähler Heinz Piontek, der mit seinem umfangreichen und nahezu alle literarischen Gattungen umfassenden Werk die deutsche Nachkriegsliteratur mitgeprägt hat, ist im Alter von 77 Jahren in Rotthalmünster bei Passau gestorben. Er lebte dort zuletzt in einem Pflegeheim. Das teilte die Bayerische Akademie der Schönen Künste am Dienstag mit. Piontek starb bereits am vergangenen Sonntag.
Der „Klassiker der Gegenwart“ war als Lyriker, Romancier, Erzähler, Essayist, Übersetzer und Hörspielautor in vielerlei Ausdrucksformen bewandert und geschätzt. Seine Gedichte wurden in 24 Sprachen übersetzt und fanden Eingang in zahlreichen Schulbüchern und Anthologien des In- und Auslandes. Menschliche Erfahrungen wie Liebe, Einsamkeit und Hoffnung formte der Büchner-Preisträger zu prägnanten Gedichten von „lakonischer Dichte und herber Anmut“, wie es ein Kritiker formulierte.
Kindheit in Oberschlesien
Der von Beginn an mit einem eigenen Ton überraschende Autor wurde durch die Gedichtbände „Die Furt“ (1952) und „Die Rauchfahne“ (1953) über Nacht bekannt. Karl Krolow rühmte vor allem die Genauigkeit von Pionteks Werk. Als ersten Prosaband erschien 1955 „Vor Augen“. 1967 veröffentliche er einen vielbeachteten, mit dem Münchner Literaturpreis ausgezeichneten Generationenroman „Die mittleren Jahre“. 1976 folgte „Dichterleben“ und drei Jahre später - als so genannter dritter Münchner Roman - „Juttas Neffe“.
Sein stark beachteter autobiografischer Roman „Zeit meines Lebens“, in dem er über seine Kindheit und Jugend in Oberschlesien berichtet, kam 1984 heraus. Drei Jahre später erschien mit „Stunde der Überlebenden“ der zweite Erinnerungsroman. Besondere Verdienste erwarb sich Piontek auch als Hörspielautor, Übersetzer, Anthologist sowie als Herausgeber der Buchreihe „Münchner Edition“.
Verdienste als Anthologist
Geboren in der kleinen oberschlesischen Grenzstadt Kreuzburg, wurde Piontek 1943 von der Schulbank weg zum Kriegsdienst verpflichtet. 1945 geriet er in Bayern in amerikanische Gefangenschaft, wurde aber bald entlassen und brachte sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch. Nach dem Abitur und einem kurzen Germanistikstudium war Piontek, der sich auch als Übersetzer der Gedichte von John Keats einen Namen machte, seit 1948 als freier Schriftsteller tätig.
In einem seiner letzten Werke „Goethe unterwegs in Schlesien“ (1993) beschrieb das mit zahlreichen Preisen geehrte PEN-Mitglied erneut seine Heimat Oberschlesien in eindringlich leuchtenden Farben. 1996 erschien die Neufassung des Romans „Dichterleben“ und zwei Jahre später mit „Neue Umlaufbahn“ ein Band neuer Gedichte.
Büchner-Preis 1976
Als Erzähler habe Piontek in vielen Geschichten, Romanen und autobiografisch verschlüsselten Texten sein Leben als Flüchtling, als Reisender, als Christ, Liebender und vor allem als Dichter dargestellt, würdigten Kritiker sein facettenreiches und viel diskutiertes Werk, das bisher nur in Teilen zusammengefaßt wurde. Ein Höhepunkt seiner Karriere war die Auszeichnung mit dem Georg Büchner-Preis im Jahr 1976.