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Literatur : Juan Goytisolo gestorben

  • Aktualisiert am

Juan Goytisolo, 1931 bis 2017 Bild: dpa

Mit dem Tod von Juan Goytisolo verliert Spanien einen seiner größten Autoren. Der kritische Intellektuelle galt als Mittler zwischen der westlichen und der arabischen Welt.

          Der mehrfach ausgezeichnete spanische Schriftsteller und Orientexperte Juan Goytisolo ist tot. Der Autor von „Trauer im Paradies“ starb am Sonntag im Alter von 86 Jahren in seinem Haus im marokkanischen Marrakesch, wie die Agentur Carmen Balcells in Barcelona mitteilte.

          Der am 5. Januar 1931 als Sohn einer wohlhabenden Familie in Barcelona geborene Goytisolo galt seit Jahren als Kandidat für den Literaturnobelpreis. 2014 erhielt der kritische Intellektuelle in seiner Heimat den renommierten Cervantes-Preis. „Goytisolo repräsentiert eine der Spitzen der spanischen Literatur, vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagte damals Jury-Präsident José Manuel Caballero Bonald.

          Zwischen Konsum und Terror

          Der Katalane galt als Pendler zwischen der westlichen und der arabischen Welt, als Mittler zwischen den Kulturen und den Religionen. Er wuchs in Barcelona auf, ging aber schon 1956 als energischer Gegner des Regimes von Diktator Francisco Franco ins selbstgewählte Exil nach Paris. In Spanien waren seine Werke von 1963 bis zum Tod Francos im Jahr 1975 verboten.

          In den 1960er Jahren unternahm Goytisolo viele lange Reisen, unter anderem nach Lateinamerika, Nordafrika und in den Nahen Osten. Er unterrichtete danach an verschiedenen amerikanischen Universitäten, bevor er in seinen zweiteiligen Memoiren über seine Kindheit und Jugendzeit und unter anderem auch über seine Homosexualität schrieb.

          Nach dem Tod seiner langjährigen Ehefrau, der französischen Autorin, Übersetzerin und Schauspielerin Monique Lange, im Jahr 1996 ließ sich Goytisolo in Marokko nieder. Dort adoptierte er drei Kinder, die er in seinem Testament zu seinen Universalerben erklärte.

          Zu den bekanntesten Werken Goytisolos zählen neben „Trauer im Paradies“ die Trilogie „Identitätszeichen“, „Rückforderung des Grafen Don Julian“ und „Juan ohne Land“. In seinen Büchern rechnete der Autor mit der Rückständigkeit der spanischen Gesellschaft während der Franco-Diktatur (1939-1975) ab. Er sparte in seinen späteren Werken aber auch nicht mit Kritik am modernen Spanien.

          So auch in seinem letzten, 2008 veröffentlichten Roman „El exiliado de aquí y de allá“ (Der Exilant von hier und da), in dem er Konsumwahn und die Macht der Religion an den Pranger stellte. „Wir leben gefangen zwischen Konsum und Terror“, sagte Goytisolo damals anlässlich der Herausgabe des Buches. Neben Romanen veröffentlichte er Erzählungen sowie Reise- und Essay-Bänden.

          Quelle: dpa

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