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Literatur-Duett : Marcel Reich-Ranicki talkt im SWR über "seine" Autoren

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Marcel Reich-Ranicki, Goethepreisträger 2002 Bild: dpa

Marcel Reich-Ranicki hat ein neues Forum für seine Literaturliebe gefunden. Ab nächster Woche talkt er im Spätprogramm des SWR.

          Aus dem populären TV-Literatur-Quartett wird beim Südwestrundfunk (SWR) künftig ein Bücher-Duett. Gemeinsam mit SWR-Chef Peter Voß will sich der bekannteste deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vom 30. Mai an allerdings weit weniger den aktuellen Autoren widmen, die sich aufs dünne Eis des Büchermarktes wagen, sondern den „schwierigen Patienten“.

          Unter dem Motto „Lauter schwierige Patienten“ wollen Reich-Ranicki und Voß über diejenigen sprechen, die sich in der deutschen Literaturgeschichte bereits ihre Lorbeeren verdient haben - und nicht mehr zu den Lebenden zählen. Als erster steht Bertolt Brecht auf dem Programm, später folgen Heinrich Böll, Erich Kästner, Max Frisch, Ingeborg Bachmann und Elias Canetti.

          SWR-Intendant Voß, der bereits selbst seine Erfahrungen als Buch-Autor gemacht hat, will sich in den jeweils 45-minütigen literarischen Gesprächen keineswegs zurückhalten. „Er ist der Gast, ich bin der Gastgeber“, erklärt Voß. Er greife ein, wenn er meine, dem Zuschauer müsse der eine oder andere Aspekt eingehender vermittelt werden.

          „Im Mittelpunkt der Sendungen sollen aber die persönlichen Erlebnisse Reich-Ranickis stehen“, kündigt Voß an. Gefragt sei sein Gast als Literatur- und Menschenkenner in seiner ganzen Subjektivität. „Also kein Disput unter Kritikern, sondern Personenbeschreibungen aus dem Blickwinkel eines Menschen, der die Literatur liebt und die Autoren erlebt hat“.

          So schildert Buchprofi Reich-Ranicki unter anderem sein erstes Treffen mit Brecht im Jahr 1952 - mit damals luxuriösen Apfelsinen und Bananen in Polen. Er erinnert sich an Brechts Verhältnis zu den Frauen und zum Kommunismus und bewertet dessen Werk als Lyriker und Dramatiker. Mit seiner Bewunderung für Brecht (1898-1956) als Schriftsteller hält sich Reich-Ranicki nicht zurück. „Einen bedeutenderen habe ich in meinem Leben nicht kennen gelernt“, erzählt er seinem Gastgeber im Zwiegespräch auf der „Bühlerhöhe“ bei Baden-Baden.

          Wie schon in seiner Biografie „Mein Leben“ beschreibt Reich- Ranicki den Autor Heinrich Böll (1917-1985) als hilfsbereiten „Patienten“, der ihn vor allem dabei unterstützte, ein Visum für die Einreise von Polen nach Deutschland zu bekommen. Der „moralische Schleuser“ sei ein „deutscher Prediger“ gewesen „mit clownesken Zügen“ und ein „Narr mit priesterlicher Würde“.

          Erich Kästners „Lyrische Hausapotheke“ erinnert Reich-Ranicki dagegen an sehr persönliche Erlebnisse im Warschauer Getto. Dort hatte er eine handkopierte und illustrierte Ausgabe zum 21. Geburtstag von seiner späteren Frau Teofila geschenkt bekommen. Gewichtet wird Kästner (1899-1974) im SWR-Duett nicht nur als Vater von „Emil und die Detektive“, sondern auch als Großstadtlyriker und zerfallender Alkoholfreund.

          Max Frisch (1911-1991) dagegen ist der „Klassiker inmitten der Gegenwart“. Ingeborg Bachmann (1926-1973) kommt mit ihren Auftritten im Autorenclan „Gruppe 47“ zu Wort und auch mit ihrem Roman „Malina“, den Reich-Ranicki nicht mehr besprechen wollte, nachdem er Bachmann todkrank und drogenabhängig in einem TV-Interview gesehen hatte.

          Für den kommenden Herbst ist eine zweite Staffel mit persönlichen Erinnerungen des „Literaturpapstes“ geplant. Die erste Folge der Sendereihe „Lauter schwierige Patienten“ läuft am Mittwoch, 30. Mai 2001, um 23.15 Uhr im SWR-Fernsehen.

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