12.05.2001 · Der Autor des Kult-Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist tot. Er starb am Freitag überraschend im Alter von nur 49 Jahren an einem Herzinfarkt.
Von Fridtjof KüchemannNichts war wie zuvor nach der Lektüre dieser Bücher. Jede Trilogie ohne einen vierten Teil wirkte unvollständig. Unvorstellbar war es geworden, ohne Handtuch das Haus zu verlassen. Auf keine Frage musste man die Antwort schuldig bleiben. Immerhin hatte die letzte große Antwort „Deep Thought“, den zweitstärksten Computer aller Zeiten, satte siebeneinhalb Millionen Jahre Rechenzeit gekostet.
„42“ war das Ergebnis, und wer in den späten 80er-Jahren auf welche Frage auch immer diese Antwort gab, konnte an der Reaktion des Fragenden Freund und Feind unterscheiden. Auch an der lieben Gewohnheit eingefleischter Fans, ausführlich aus den Büchern zu zitieren, vorzulesen oder zumindest auf sie anzuspielen, schieden sich die Geister.
Unerwartet
Die Rede ist von „Per Anhalter durch die Galaxis“ und den drei Folgebänden der Trilogie, mit denen ihr Autor Douglas Adams in den 80er-Jahren Kult-Status erreichte. Im Alter von 49 Jahren ist der Schriftsteller an diesem Freitag in Kalifornien unerwartet an einem Herzanfall gestorben.
Die Unwahrscheinlichkeit spielte eine große Rolle in seinem bekanntesten Buch. Auf ihr beruhte nicht allein der Raumschiff-Antrieb, der die Lichtgeschwindigkeit endlich überbieten konnte. Auch die Erzählstränge durchwirkten, ergänzten und unterbrachen sich derart irrwitzig, dass jede Empfehlung des Buches entweder bei einem schlichten „Lies es halt!“ oder bei ausführlichen Erläuterungen enden musste.
Unentbehrlich
„Per Anhalter durch die Galaxis“ ist der Name eines Reiseführers für intergalaktische Tramper, mit dessen Hilfe sich Erdling Arthur Dent durchs Universum schlägt. Die Erde wird am Anfang des ersten Buches von einer vogonischen Bauflotte zerstört. Sie ist einer intergalaktischen Umgehungsstraße im Weg. Dent entkommt in letzter Sekunde mit Hilfe seines Freundes Ford Prefect, der - eigentlich routinierter außerirdischer Anhalter - auf der Erde unerkannt einen längeren Zwischenstopp eingelegt hatte.
Ford Prefect weist den Erdling in die Geheimnisse des Universums ein. Dass er selbst dabei schnell an die Grenzen seines Wissens und seiner Souveränität gelangt, ist einer der Gegenstände des Buches. Auch die Erde ist im Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“, dem Buch im Buch, verzeichnet. Der knappe Eintrag: „Größtenteils harmlos“.
Unübertroffen
Größtenteils großartig waren die Abenteuer der beiden Helden. Und größtenteils erfolgreich. Der „Anhalter“ wurde weltweit 14 Millionen Mal verkauft. Ihm folgten „Das Restaurant am Ende des Universums“ und „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“, ebenfalls internationale Verkaufserfolge, die im englischen Original sogar an deutschen Schulen im Fremdsprachenunterricht gelesen wurden.
Der britische Sender Channel 4 wählte „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf Platz 24 seiner Liste der 100 besten Bücher des Jahrhunderts. Im Dezember 1982 war Adams der erste Autor seit James-Bond-Erfinder Ian Fleming, der mit drei Büchern in der Bestsellerliste der „New York Times“ und der „Publisher's Weekly“ vertreten war. Im vergangenen Jahr entstand in Zusammenarbeit mit dem Sender BBC eine vierteilige Reihe zur Zukunft digitaler Technologien. Sogar mit Disney unterzeichnete Adams einen Vertrag über die Verfilmung der Romane und arbeitete an einem Drehbuch. Im August 1996 sagte er, das Problem des Films seien nicht die Spezialeffekte, sondern die pikareske Art der Geschichte, die sehr schwer in ein Drehbuch zu übertragen seien.
Unzählig
Unzählige Stunden ausgelassenen Lesevergnügens verdanken seine Leser Douglas Adams. Die Welt aber verdankt ihm noch mehr. Neben einem Online-Projekt, das den kargen Eintrag über die Erde im intergalaktischen Reiseführer durch detaillierte Informationen ergänzte, und weiteren Romanen schrieb er ein Buch über vom Aussterben bedrohte Tiere. Und erfand Wörter, auf die - jawohl: - die Welt gewartet hatte. Dank Douglas Adams können wir nun das vordere Rad eines Einkaufswagens benennen, das klemmt und den Wagen immer nach links rollen lässt. Oder den Abstand zwischen der Hand des Fahrers und dem Automaten, wenn man im Parkhaus mit dem Wagen nicht dicht genug vorgefahren ist und den Knopf für die Schranke nicht erreichen kann. Wie das heißt? Sie finden es im „Tieferen Sinn des Labenz“.
Mach's gut, möchten wir Douglas Adams hinterher rufen. Mach's gut, und danke für den Fisch.