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„Like A Rolling Stone“ als Video : Die vielen Gesichter des Bob Dylan

  • -Aktualisiert am

Szene aus dem neuen Video zu „Like A Rolling Stone“ Bild: Screenshot F.A.Z.

Nach 48 Jahren unterlegt Bob Dylan seinen bekanntesten Song mit Bildern. Das Video zu „Like A Rolling Stone“ macht klar, dass wir alle ein bisschen Bob Dylan sind.

          Ironie der Geschichte: Bob Dylan, der mit seinem Promo-Film zu „Subterranean Homesick Blues“ als ein Pionier des Musikvideos gelten kann, brauchte knapp ein halbes Jahrhundert, um die passenden Bewegtbilder zu seinem wenn schon nicht besten, so doch bekanntesten Song zu finden. Zwei Alben brachte Dylan 1965 heraus, im März „Bringing It All Back Home“ mit dem schon erwähnten „Subterranean Homesick Blues“ (in Europa wurde das Album auch unter diesem Titel vertrieben), und nur wenige Monate später „Highway 61 Revisited“. Das Album eröffnet mit „Like A Rolling Stone“, also jenen 6:09 Minuten Folkrock, über die schon ganze Bücher geschrieben wurden (nennens- und lesenswert ist die „Biographie eines Songs“ von Greil Marcus) und die auf Liste der 500 besten Songs aller Zeiten, zusammengestellt vom Musikmagazin „Rolling Stone“, wie könnte es anders sein, ganz oben stehen.

          Ein Klassiker der Popmusik, zweifellos. Aber auch ein Beispiel, dass es in diesem Geschäft oftmals Hartnäckigkeit bedarf, um ans Ziel zu gelangen. Denn Dylans Plattenfirma weigerte sich aufgrund der Länge zunächst, „Like A Rolling Stone“ überhaupt zu veröffentlichen. Und es gab dazu diesmal eben kein Video, wo ein junger Dylan vor einer schäbigen Häuserfront steht und synchron zur Musik beschriftete Pappschilder in die Kamera hält.

          „Like A Rolling Stone“ auf allen Kanälen

          Jetzt gibt es ein Video zu „Like A Rolling Stone“, aber darin hält Dylan nichts in die Kamera, ja er selbst ist kaum zu sehen. Stattdessen Menschen, die Tennis spielen oder die Börsenkurse kommentieren, und die passend zur Musik die Lippen bewegen. Synchronität also auch hier, und das gleich sechzehnfach. Der Zuschauer kann nämlich zwischen sechzehn Kanälen hin und her zappen, wie im Fernsehen. Wenn man auf den prüfenden Blick des Gitarrenverkäufers keine Lust mehr hat, drückt man nur auf den Knopf und landet schon bei einer Frau, die in einer Kochsendung mit Früchten hantiert und sich zwischen den Strophen genussvoll die Finger leckt.

          Die Idee, dass Bob Dylan hinter fremden Gesichtern verschwindet, sich als Künstlerfigur sozusagen in anderen auflöst, so neu ist sie freilich nicht. Todd Haynes hat daraus 2007 einen eindrucksvollen Film gemacht, der alle mit dem Genre des Biopics verbunden Vorstellungen von Geradlinigkeit und Kohärenz über den Haufen wirft. In „I’m Not There“ wird Bob Dylan in einzelnen Episoden von verschiedenen Schauspielern verkörpert, darunter Christian Bale und Cate Blanchett. Das Video zu „Like A Rolling Stone“ wiederholt dieses Experiment gewissermaßen im Profanen und zeigt, dass nicht nur große Hollywoodstars Dylan ihr Gesicht leihen können, sondern auch Comic-Katzen und Gameshow-Moderatoren - und manchmal sogar Bob Dylan.

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