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Lexikon Das war Rot-Grün: Q wie Quote

28.06.2005 ·  Minderheiten zu fördern, war den Rot-Grünen schon immer wichtig. Insofern müßten sie sich über eine Regierung Merkel/Westerwelle eigentlich freuen. Der Siegeszug der Quotenregel scheint nicht aufzuhalten.

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Es ist ein Szenario wie aus dem basis-grünen Bilderbuch aus den frühen Jahren der Alternativpartei: Eine in zweiter Ehe verheiratete, kinderlose ostdeutsche Protestantin und ein schwuler, westdeutscher Hundeliebhaber bilden die Doppelspitze einer deutschen Bundesregierung.

Besser hätten es die Minderheitenbeauftragten der Betroffenheitskultur nicht in ihren Manifesten fordern können. Fehlt nur noch ein Schwarzer. Wobei, die Konstellation ja gemäß politischer Farbenlehre schwarz sein wird. Schwarz mit gelben Punkten, wohlgemerkt. Wären es gelbe Streifen, wäre das Gebilde eine Krawatte von Uli Wickert. So ist es vermutlich die neue deutsche Regierung nach Rot-Grün.

Nicht nur alte Herren

Es war eine der vielen gutgemeinten Ideen, mit denen die Grünen bei ihrem Auftauchen in der alten Bundesrepublik die Gesellschaft durcheinanderrüttelten. Nicht nur alte graue Herren - eine Trinkergesellschaft, „die bisweilen ganz ordinär nach Schnaps stinkt“, um mit dem frühen Joschka Fischer zu sprechen - sollten Politik machen dürfen, sondern auch junge bunte Frauen. Unter anderem.

Bunte Listen waren ja auch so ein Absprengsel der grünen Idee. Weil man dem vermieften Wahlvolk aber offenbar nicht so recht traute, wurden sicherheitshalber ein paar Regeln eingeführt, wie die politische Macht hübsch gleichmäßig verteilt, also quotiert, werden sollte. 50 Prozent der Ämter an Frauen, das war nur mal die Grundidee. Hand in Hand mit der Quotenregel wurde die Weichspülersprache der „political correctness“ von Amts wegen eingeführt. Und in letzter Konsequenz wurde zwanzig Jahre später das Anti-Diskriminierungsgesetz dem Ganzen zur Seite gestellt.

Keine Mitte mehr

Problem: Vor lauter Rücksicht auf Randgruppen sah man schnell den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Denn in der ausdifferenzierten, um nicht zu sagen, zersplitterten Gesellschaft gibt es mittlerweile so viele Randgruppen, daß es keine Mitte mehr gibt, ganz zu schweigen von einer neuen Mitte. Und sind denn alle Außergewöhnlichen auch gleich die besseren Fachleute? Oder gar bessere Menschen? Wie singen die „Toten Hosen“ so schön: „Auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein.“

Das hat den Siegeszug der Quotenregeln aber nicht aufhalten können. Auch wenn sie bisweilen in wesenfremde Gebiete weitergewandert ist. Heute läuft keine Fernsehsendung mehr ohne Blick auf die Quote, wobei Einschaltquote gemeint ist. Beim Polit-Talk ist diese erstaunlich hoch, vielleicht weil er in der ersten Liga zu hundert Prozent von Frauen (Christiansen, Illner, Maischberger) geführt wird, wobei die Gästeliste meist stark männlich dominiert wird. Auch das ist Deutschland. Die Männer quatschen, doch die Frauen führen durchs Programm. Nur im Seichten dürfen die Jungs Kapitän spielen (Beckmann, Kerner, Pilawa, Jauch). Und dann gibt es ja noch die Milchquote, aber das führt jetzt zu weit.

Einer der vielen Treppenwitze der grün-bunten Gestaltungsideen ist es, daß ausgerechnet die Anti-Diskriminierungspartei den autoritärsten Chef aller politischen Gruppierungen hat. Und daß dieser Menschen-Fischer aber, zumindest formal, gar nicht ihr Chef ist. Die Frauen der Bewegung haben also die quotierten Posten ergattert, sind aber dennoch nur fürs Gedöns zuständig, wie der halbierte Chef der anderen Regierungspartei sagen würde. Wenn das kein Quotenhit ist.

In einer werktäglichen Serie blickt FAZ.NET zurück: In unserem „Lexikon: Das war Rot-Grün“ schildern wir anhand von Schlagwörtern von A wie „Atomausstieg“ bis Z wie „Zwanzigzehn“, wie wir das fast schon historisch gewordene rot-grüne Projekt erlebt haben - streng subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Am Mittwoch lesen Sie in unserem Rot-Grün-Lexikon: R wie Rein, ich will da

Quelle: @ad
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