20.06.2005 · Kennt noch jemand Reinhard Klimmt? Oder Kurt Bodewig? Rekordverdächtige fünfundzwanzig Minister kamen unter dem Teamchef Gerhard Schröder zum Einsatz. Eine kleine Erinnerung an die Vergessenen.
Reinhard Klimmt stammt aus Engter bei Osnabrück, wo sein Vater als Dorfschullehrer tätig war, er liest gern Bücher und pflegt ein großartiges Hobby: Laut „Munzinger-Archiv“ hat er die Protokolle sämtlicher sozialdemokratischer Parteitage gesammelt.
Reinhard Klimmt war einmal Ministerpräsident des Saarlandes, und als er dieses Amt nach nur zehn Monaten durch eine Wahlniederlage einbüßte, nahm sein Leben eine für abgewählte SPD-Ministerpräsidenten (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: E wie Eisenhans) typische Wendung: Er wurde Bundesminister im Kabinett von Gerhard Schröder. Als Verkehrsminister folgte er auf Franz Müntefering (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: M wie Münte), der ein knappes Jahr amtiert hatte.
Ein gutes Jahr im Amt
Daß Reinhard Klimmt mal Verkehrsminister war, werden viele gar nicht mehr wissen. Ein Grund dafür ist, daß er es nicht sehr lang war, nämlich auch nur ein gutes Jahr. Er trat zurück, nachdem er einen Strafbefehl über 27.000 DM akzeptiert hatte, weil er als Präsident des Fußballclubs 1. FC Saarbrücken Beihilfe zur Untreue geleistet haben soll. Klimmts Nachfolger war Kurt Bodewig, an den sich erst recht keiner mehr erinnert. (Einen nachhaltigen Eindruck hat eigentlich nur einer der Schröderschen Verkehrsminister hinterlassen: Manfred „Mautdebakel“ Stolpe.)
Mit Schröders Regierungsmannschaft war es so wie in der abgelaufenen Saison bei Borussia Mönchengladbach: Fast jeder durfte mal ran. Fünfundzwanzig Minister, die Kulturstaatsmenschen à la Nida-Rümelin gar nicht miteingerechnet, setzte der Teamchef insgesamt ein, und mancher - siehe Klimmt - wurde kurz nach der Einwechslung schon wieder ausgewechselt. Doch nicht nur sein Name klingt wie aus sehr, sehr ferner Zeit. Wer erinnert sich noch an Karl-Heinz Funke? An Andrea Fischer? Oder an Edelgard Bulmahn? (Wie bitte, letztere ist noch immer im Amt?)
Niemand mehr übrig
Allein schon die permanente Erneuerung der Briefköpfe und Türschilder während Schröders Amtszeit muß den Steuerzahler ein Vermögen gekostet haben. Allerdings war die hohe Fluktuation ein Phänomen allein der ersten Legislaturperiode; aus Schröders zweiter Regierungsmannschaft nach dem Wahlsieg 2002 wurde niemand, und wackelte sein Stuhl auch noch so heftig (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: E wie Eisenhans), ausgetauscht. Wenn man sich das rot-grüne Spitzenpersonal so anschaut, dann ahnt man auch, warum: Es war einfach niemand mehr übrig, der nachrücken könnte.
Die rot-grüne Hoffnung ruht nun darauf, daß es in einem Kabinett Merkel ähnlich zugehen wird. Müßten möglichst viele CDU-Ministerpräsidenten in die Bundesregierung eintreten und erlitten dort nacheinander Schiffbruch, dann könnte Rot-Grün über kurz oder lang die Macht sowohl im Bund als auch in den Ländern zurückerlangen.
Reinhard Klimmt übrigens ist heute noch immer beim Zweitligaclub 1. FC Saarbrücken, und zwar als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Als solcher hat er mit seinem Verein gerade das geschafft, wovon Schröder und seine Truppe wohl nicht mal mehr zu träumen wagen: den Klassenerhalt.