17.06.2005 · Literweise vollmundige Ankündigungen, eine Familienpackung gute Absichten und eine Prise Realismus - fertig ist der luftig-lockere Job-Gipfel. Ganz anders das Pendant, der Arbeitslosen-Gipfel: der ist zum Zähneausbeißen.
Auch: Job-Kipferl. Süßes, luftig-lockeres Gebäck, das frischgebackene Arbeitslose kurzfristig beruhigen soll. Vorsicht: Geringes Haltbarkeitsdatum!
Zutaten:
Etwa zu gleichen Teilen Gerhard Schröder, Joseph Fischer, Angela Merkel und Edmund Stoiber. Keinen Guido Westerwelle verwenden, auch wenn der sich als Backpulver aufdrängt. Zum Anwärmen sei eine „Brandrede“ von Horst Köhler empfohlen.
Man nehme literweise möglichst vollmundige Ankündigungen (Union: „Pakt für Deutschland“, Schröder: „Aus Verantwortung für unser Land - Deutschlands Kräfte stärken“, Köhler: „Politische Vorfahrtsregel für Arbeit“), eine Familienpackung gute Absichten (Schröder: „Das Gewürge im Vermittlungsausschuß muß aufhören“) und eine Prise Realismus (Köhler: „Das alles erfordert Zeit - über Legislaturperioden hinweg“).
Zubereitung:
Enorm wichtig ist die Vorbereitung, die die Spannung auf den eigentlichen Backvorgang lenken soll. Vollmundige Ankündigungen, gute Absichten und die Prise Realismus vermischen und wochenlang gehen lassen. Schröder, Fischer, Merkel und Stoiber zugeben. Alles gut medial verrühren, die schwarzen und rot-grünen Komponenten aber stets getrennt halten.
Dann für gut zweieinhalb Stunden in den Backautomat „Kanzleramt“ geben, Merkel/Stoiber und Schröder/Fischer nun in Kontakt bringen. Die wenigen Ergebnisse vorsichtig rausnehmen, die Masse sofort teilen und getrennt servieren (Merkel/Stoiber im Reichstag, Schröder/Fischer im Kanzleramt). Steuersenkungen, Bürokratieabbau und eine Neuauflage der Föderalismusreform versprechen. Erleichtert zeigen. Details zur weiteren Feinabstimmung an Arbeitsgruppen verweisen („Job-Gipfel“ im Kanzleramt).
Verwandte Rezepte:
Zeitlich und inhaltlich mit dem Job-Gipfel verwandt ist ein weiteres Gebäck: der Gipfel der Arbeitslosigkeit. Der bisher größte Gipfel dieser Art wurde in Jahrzehnten zubereitet und schließlich im Februar 2005 vollendet. Wichtigste Zutat: 5,2 Millionen Arbeitslose (Rekordhoch: 5,2 Millionen Arbeitslose im Februar). Politiker der rot-grünen Koalition, allen voran Wolfgang Clement, schließen größere Gipfel für die Zukunft aus, Wirtschaftsforscher nicht.
Der Gipfel der Arbeitslosigkeit ist, anders als der Job-Gipfel, von massiver Konsistenz, nicht leicht zu verdauen und schmeckt ungleich bitterer, manchmal sogar hartzig (siehe auch Rot-Grün-Lexikon: H wie Hartz, Peter). Der größte Unterschied zwischen beiden Gipfeln ist zweifellos die schiere Größe: Während der Job-Gipfel auf der Zunge zergeht und nach wenigen Monaten nur einen kleinen Nachgeschmack von Aktionismus hinterläßt, werden am Arbeitslosen-Gipfel noch Generationen von Regierungen zu knabbern haben.