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Lexikon Das war Rot-Grün: G wie Gerd Show

14.06.2005 ·  Zu Beginn seiner Amtszeit galt Gerhard Schröder als reichlich unergiebig für Kabarettisten. Doch dann erfand Elmar Brandt die „Gerd Show“ - wohl ohne zu ahnen, daß diese längst schon lief. In der Hauptrolle: Der Medienkanzler!

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Ha! Ha! Ha! Also, ich sach mal, meine Lache hat der Elmar Brandt ja nie so wirklich richtig hingekriegt. Aber mit dem Titel „Die Gerd Show“ hat der Kerl schon den Curry auf die Wurst gebracht. Der hat meine Politik verstanden. Denn ich finde: Regieren darf auch Spaß machen!

Fürs Knödeln habe ich ja Joschka, die alte Bedenkenfalte, und der Eisenhans (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: E wie Eisenhans) holt Euch schon die Knete aus den Taschen. Da braucht Ihr Euch um nix zu kümmern. Das is ein Service der Bundesregierung! Also, lieber Elmar Brandt, die Nummer war gut geklaut, aber die wahre „Gerd Show“ bin ich natürlich selbst. Ich sach mal, nix is besser als das Original! Ha! Ha! Ha!

Und sei'n wir doch mal ehrlich: Mit Ede, der Spaßbremse, wär doch alles viel schlimmer gekommen. Bei Häuptling Silberscheitel vom Stamme der Bajuwaren hättet Ihr beides gehabt: keine Jobs und nix zu lachen! Ha! Ha! Ha! Deshalb bin ich ja auch so gespannt, wie lange es Angie, das Zonenmädchen, noch schafft, morgens die Mundwinkel nachzuziehen. Haare färben allein bringt jedenfalls keine Wählerstimmen. Da kenn ich mich aus!

„Es geht auch um positive Stimmung“

Nein, Spaß mal beiseite, es geht doch auch darum, 'ne positive Stimmung zu erzeugen, die unser Land wieder nach vorne bringt. Das, finde ich, ist als Bundeskanzler auch meine Pflicht. Gute Stimmung ist gerade wichtig für die Wirtschaft. Dafür habe ich gesorgt, unter anderem mit der Single „Ho' mir ma' 'ne Flasche Bier“, die der Stefan Raab für mich gesungen hat. Mit so 'ner Bestellung liegt man in der Wirtschaft immer richtig. Und wo gesungen wird, da laß' Dich ruhig nieder. Das is also echte Standortförderung. Ha! Ha! Ha!

Nun ist es ja so, daß ich der Bundeskanzler bin, und kein Sänger. Aber ein Liedchen hätte ich schon ganz gerne selbst geträllert: „Es gibt kein Bier in Bagdad, es gibt kein Bier. Drum geh' ich nich nach Bagdad, drum bleib ich hier!“ Aber das fand Joschka, der alte Stirnrunzler, irgendwie nich angebracht. Der George aus Amiland und mein Freund Tony von der Insel waren eh schon sauer, da hab ich das mal gelassen. Ich sach mal, da muß man auch mal Stil beweisen, als Kanzler. Um so mehr freu' mich, daß es geklappt hat mit dem Steuersong von dem Elmar Brandt. „Ich erhöh' Euch die Steuern ...“. Das war doch ein schöner Sommerhit. Das haben alle verstanden, da konnte wirklich jeder schön laut mitsingen. Ha! Ha! Ha!

„Wir brauchen keinen Programmwechsel“

Deshalb versteh' ich auch nich das Gerede von wegen „Genosse der Bosse“. Fragen Sie doch mal den Peter Hartz (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: H wie Hartz, Peter). Der traut sich kaum noch unter die Leute, und wenn der sich am Telefon meldet, legen alle gleich wieder auf. Die meisten Bosse haben das Land doch eh schon verlassen. Ich sach mal, die sind wir los, da is Ruhe im Karton! Ha! Ha! Ha!

Also, ich finde, das is klar geworden: Unterm Strich brauchen wir keinen Programmwechsel. Regierungserklärungen kommen bei Kerner, Beckmann und „Wetten, daß ...?!“ doch viel positiver rüber. (Nebenbei gesacht: „Sabine Christiansen“ find' ich nich so gut, da geht es mir zuviel um Politik - und das liegt mir nich so! Ha! Ha! Ha!) Aber wenn trotzdem die „Gerd Show“ nich mehr genug Quote macht, dann heuer ich eben für 'n Bier und 'ne Wurst bei „Dittsche“ hinter der Theke an oder mach 'ne neue Show: „Ich bin Kanzler, laßt mich hier raus!“ Da laß' ich Ede, den Halbkanzler, stundenlang leere Sektgläser aufmachen, Angie, die Prinzessin Eisenherz, muß die Türchen an Doris' Hunde-Adventskalender aufmachen und den Rüttgers, den vergessenen Wahlsieger aus NRW, laß' ich singen: „Kein Schwein ruft mich an!“ Ha! Ha! Ha!

Ich sach mal, der Elmar hat schon recht: Ich kann es! Wir sehen uns nach der Wahl!

Euer Gerd,

Intendant der Bundesrepublik Deutschland

In einer werktäglichen Serie blickt FAZ.NET zurück: In unserem „Lexikon: Das war Rot-Grün“ schildern wir anhand von Schlagwörtern von A wie „Atomausstieg“ bis Z wie „Zwanzigzehn“, wie wir das fast schon historisch gewordene rot-grüne Projekt erlebt haben - streng subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Am Mittwoch lesen Sie in unserem Rot-Grün-Lexikon: H wie Hartz, Peter

Quelle: @dho
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