08.06.2005 · Neben Rußland ist es das liebste Reiseland des Bundeskanzlers. 1,3 Milliarden Chinesen freuen sich, wenn der Kanzler seinen jährlichen Besuch abstattet. Und sind auch über dessen Familienleben bestens informiert.
Neben Rußland liebstes Reiseland des Bundeskanzlers.
Bevölkerung
1,3 Milliarden Chinesen freuen sich, wenn der Kanzler seinen jährlichen Besuch abstattet. Und sind auch über dessen Familienleben bestens informiert: Die Geschichte über die Arbeitslosigkeit von Schröders Halbbruder Lothar Vosseler (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: V wie Vosseler, Lothar) geisterte längs und quer durchs Reich der Mitte.
Wirtschaft
Chinas Wirtschaft wächst um ungeheuerliche 9,5 Prozent; die Arbeitslosigkeit liegt zwischen offiziellen drei Komma irgendwas und staatengemeinschaftlich geschätzten acht Prozent. Abermillionen Chinesen würden sich um die hierzulande verschmähten Ein-Euro-Jobs balgen. Wenn die Deutschen nur so genügsam wären!
Politik
Das Staatsoberhaupt heißt Hu Jintao. Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei heißt Hu Jintao. Und der Vorsitzende der Zentralen Militärkommission, Sie ahnen es, heißt Hu Jintao. „Eine Opposition gibt es nicht“, heißt es auf den Internet-Seiten des Außenministeriums - des deutschen, wohlgemerkt. Wenn es um China geht, reden grüne Koalitionspolitiker deshalb andauernd über Menschenrechte und anderes Gedöns. Der Kanzler bevorzugt, damit nicht belästigt zu werden.
Sicherheitspolitik
Vor allem ein Thema der Amerikaner. Die kritisieren China dauernd für seine aggressive Taiwan-Politik. Für den Kanzler, dessen Partei mit dem Slogan „Friedensmacht Europa“ in den Europawahlkampf zog, ist auch das kein Thema. Fragen Sie am besten direkt in Washington nach.
Bilaterale Beziehungen
Ausgezeichnet, siehe oben. Wenn bloß dieses EU-Waffenembargo nicht wäre. Aber für dessen Aufhebung kämpft der Kanzler ja bekanntlich seit Dezember 2003. Sie wäre natürlich nur rein symbolisch: Deutschland würde gar keine Waffen liefern und den trotzdem gelieferten Waffen ein Gratisexemplar der UN-Menschenrechtscharta beilegen. Das haben die Amerikaner, Briten und Japaner bloß noch nicht verstanden.
Die Grünen und die SPD übrigens auch nicht. Immer wieder knirscht es im Gebälk der Koalition, wenn der Kanzler von seinen China-Reisen zurückkehrt. Als er mal die Hanauer Brennelementefabrik dorthin verschiffen wollte, gab's gewaltigen Ärger: „Wenn Hanau geht, geht Schröder mit“, hieß es damals. Heute wäre ihm das vermutlich gar nicht unrecht. Schließlich sucht der Kanzler händeringend nach einer Vertrauensfrage. Da ist sie!