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Leuchtwende : In oriente lux

Weihnachtsschmuck 2012: Im Zuge der Krise sparen die deutschen Elektrizität. Nur zahllose Herrnhuter Sterne erhellen weiterhin die Nacht - vor allem die ostdeutsche.

          Dunkelheit, dein Name ist Frankfurt. Oder Bochum, Köln, Wiesbaden. Wo auch immer man zuletzt hinging in diesen Adventstagen, es war weniger Licht. Nicht weniger Menschen, o nein! Sie strömen. Doch der Strom kostet. Und die Städte knausern, und die Ladenbetreiber in den Einkaufsstraßen tun es ihnen gleich. Das Glimmen und Gleißen, das Funkeln und Flackern, das Blinken und Brennen, kurz: der Glanz der vergangenen Weihnacht ist Geschichte. Selbst in der Wohnnachbarschaft haben langjährige Hochparterremieter die uns so vertrauten und verhassten Girlanden und Lichterketten in zehn appetitlichen Farben diesmal nicht aus dem Keller geholt.

          Deutschland spart Elektrizität. Doch, Dunkelmann, kommst du nach Erfurt, sage, du hast es dort leuchten gesehen, wie das Gemüt es begehrt. Der Weg durch die Marktstraße ist schon das reinste Flammenmeer, und wenn sich dann der Domplatz mit dem Weihnachtsmarkt öffnet, über den das namensgebende Gotteshaus und die Severikirche sich erheben, ist die Luxzahl schier unbegrenzt.

          S/M-Festtagsschmuck im Bastelset

          Und dann ein Blick in die Nebenstraßen der thüringischen Hauptstadt. Da strahlt - wie auch in Leipzig und Dresden und Halle - in allen Fenstern das neue Lieblingsaccessoire des Advents: ein Herrnhuter Stern. Mit seinen Stacheln, Nieten und Noppen ist er ein S/M-Festtagsschmuck, der schon beim Zusammenbau der als Bastelset gelieferten Objekte stundenlange süße Qual erzeugt. Früher gab es die Sterne nur in Rot, Gelb und Weiß, mittlerweile aber Farben, die auch die Nachbarn im Hochparterre begeistern müssten.

          Doch wie sollen die an das begehrte Produkt herankommen, wo doch der Lieferweg von Herrnhut im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck über Dresden, Leipzig, Halle, Erfurt führt, wo man uns die Sterne so zuverlässig vom Himmel holt, dass keiner die westliche Nacht erhellt. Das hätte sich der ehemalige VEB Stern, der noch zu DDR-Zeiten die Herrnhuter Tradition vor allem als Exportgut fortführte, nicht träumen lassen. Warum glänzt zweiundzwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung nicht endlich zusammen, was zusammengehört? Blühende Landschaften? Von wegen: Glühende Landschaften wollen wir!

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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