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„Let It Be“ Die nackten „Beatles“

18.09.2003 ·  Am 17. November erfüllt sich ein Herzenwunsch Paul McCartneys: Das Album „Let It Be... Naked“ erscheint, eine von Streichern und Chören befreite „Let It Be“-Version. Kommt es zur Neuentdeckung eines Meisterwerks?

Von Jörg Thomann
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Am 17. November ist es soweit: Die „Beatles“ veröffentlichen ein neues Album, das eigentlich ein altes ist. „Let It Be“ kommt noch einmal auf den Markt, und zwar nicht in der bekannten, von Phil Spector abgemischten Version, sondern so, wie es sich vor allem Paul McCartney immer gewünscht hat: Einzig die Klänge der „Beatles“ selbst sind zu hören, nicht die Arrangements Phil Spectors, der Streicher und Chöre dazugab sowie Sprachfetzen aus dem letzten Konzert, das die Band auf dem Dach der „Apple“-Studios gab.

„Let It Be... Naked“ wird das Album heißen. Die verbliebenen „Beatles“, McCartney und Ringo Starr, sollen begeistert sein. Kommt die Öffentlichkeit nun endlich in den Genuß eines unbekannten, von Spector verpfuschten Meisterwerks?

Quälende Sitzungen

Ganz so einfach stehen die Dinge nicht. Zum einen sollte man nicht vergessen, daß ohne das Zutun Spectors „Let It Be“ vielleicht nie erschienen wäre. Der berühmte Produzent hatte das unüberschaubare Rohmaterial übernommen, das die Band 1969 während der quälenden, von Kameras überwachten Sitzungen für ein Album und einen Film namens „Get Back“ eingespielt hatte, zu einer Zeit, als die Interessen der Mitglieder längst sehr verschieden und Streitereien an der Tagesordnung waren. Und es war ihm gelungen, ein Album zu präsentieren, das mit bahnbrechenden Platten wie „Revolver“ oder „Sgt. Pepper“ nicht mithalten konnte, doch in seiner Bruchstückhaftigkeit ein aufregendes Dokument der Musikgeschichte darstellte.

Zum anderen besitzen zahlreiche der „Let It Be“-Songs auch ohne Spectors Klangbrei nicht die Qualität, die man von „Beatles“-Werken gewohnt ist. So bleibt gerade McCartneys „The Long And Winding Road“ auch ohne die süßlichen Geigen eine der rührseligsten Balladen, die die „Beatles“ je veröffentlicht haben - wovon man sich schon 1996 auf der „Anthology“ überzeugen konnte, die ebenfalls eine „rohe“ Version des Songs enthielt. Stücke wie „Maggie Mae“ oder „Dig It“ sind keine fertigen Lieder, sondern Fingerübungen am Rande des Klamauks; daß diese beiden Titel auf der „nackten“ Version fehlen werden, muß man nicht bedauern.

Keine Sprüche

Sie werden mehr als ersetzt durch das großartige „Don't Let Me Down“, eine der letzten großen Taten, die John Lennon mit und für die „Beatles“ vollbracht hat. Auf „Let It Be“ dominierte er nicht mehr musikalisch, sondern allein in den Sprüchen zwischen den Songs, die nach all den Jahren auch nicht mehr allzu frisch wirken; auch sie sollen auf „Let It Be... Naked“ nicht mehr zu hören sein.

Dafür aber wundervolle Stücke wie „Two Of Us“, „I Me Mine“ und natürlich „Let It Be“, die zweifellos auch in einer „puren“ Version zu überzeugen vermögen. Also dann: Freuen wir uns.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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