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Leslie Feist in Köln : Sie klingt großartig

  • -Aktualisiert am

Sieht so ein Postergirl der Facebook-Generation aus? Leslie Feist geht bei ihrem Image nicht auf Nummer Sicher Bild: Thomas Brill

Sie konnte immer schon mehr als die anderen Hipster-Mädchen: Im Kölner E-Werk schafft die Kanadierin Leslie Feist mühelos den Sprung zwischen andächtiger Stille und krachendem Rock.

          Wer je auf einem Konzert von Leslie Feist gestanden hat, durfte darüber staunen, wie mühelos es ihr gelingt, den Raum in einen Zustand beinahe andächtiger Ruhe zu versetzen. So auch jetzt, und das will bei dem aufgekratzten und erwartungsvollen Publikum im ausverkauften Kölner E-Werk einiges heißen. Aber Leslie Feist konnte immer schon mehr als die meisten anderen liedschreibenden Hipster-Mädchen. Das war schon auf ihrem Solo-Debüt so, das rührende Taschenlampenballaden neben quirlige, flirrende Hüpflieder stellte. Und selbst „The Reminder“, jenes Album, ohne das keine gehobene Kaffeebude und kein kleiner Klamottenladen der Welt mehr auskommen mochte, zeugte bei aller Leichtigkeit von großer Souveränität.

          Das Album führte die Kanadierin an die Spitzen der Charts, zu Letterman - und in die „Sesamstraße“. Danach machte die Musikerin erst einmal Pause. Im letzten Herbst dann erschien „Metals“, ein Album, wie geschaffen für die Floskel „atmosphärisch dicht“, aufgenommen mit der bewährten Hilfe ihrer alten Freunde Gonzales und Mocky im kalifornischen Big Sur und nicht den Verdacht nährend, dass sie bemüht wäre, auf Nummer Sicher zu gehen und den letzten Schritt zum Superstar zu machen.

          Bei den Metals-Stücke kommt kalifornische Stimmung auf

          Feist beginnt den Abend - natürlich - ganz leise: „Undiscovered First“ ist zunächst mehr ein Hauchen und Tasten als ein Song. Erst im Refrain wird es lauter: Die dreiköpfige Band setzt ein, und die drei Background-Sängerinnen, die aussehen, als wären sie einer alternativen Theatergruppe entlaufen, rasseln mit Schellenkränzen und hauen auf Standtrommeln ein. Es hört sich an, als stünde man auf einem Hippiefestival der späten sechziger Jahre zu weit von der Bühne entfernt und bekäme die Musik nur als zeitversetzte Verwehung mit: Es klingt großartig. „A Commotion“ hat ebenfalls wenig mit einem ausformulierten Song zu tun, beim dritten Lied tanzen die Backgroundsängerinnen eine Art Kirchentagstanz.

          Auch live ändert sich nichts daran: Die neuen Songs wollen viel, oft zu viel, aber sie schaffen eine schöne, leicht verdunkelte Hippie-Stimmung im Stil von Laurel Canyon. Erst nach vier Songs erlaubt die zierliche Musikerin ihrem Publikum einen Ausflug in den Backkatalog. Doch das ehedem nach Großstadtgeflirr klingende „Mushaboom“ wird in neuem Arrangement gespielt und reiht sich mühelos ein in die bekiffte, kalifornische Stimmung der „Metals“-Stücke. Ebenso „My Moon, My Man“, das sie als krachenden Acid-Rock inszeniert.

          Verbindlich gibt sich Feist nur in den Ansagen, etwa wenn sie charmant einen mehrstimmigen Chorgesang dirigiert oder von ihrem letzten verkaterten Köln-Aufenthalt erzählt. Von derlei Nahbarkeiten abgesehen, macht sie an diesem Abend klar, dass sie die Musikerin über den Star stellt und wenig Ambitionen hegt, ein Postergirl für die Mittdreißiger-Facebook-Generation abzugeben. Und auch wenn sie früher letztlich doch die schöneren Songs geschrieben hat, hört man ihr fasziniert dabei zu.

          Quelle: F.A.Z.

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