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Leipziger Zoo Der Regenwald liegt vor der Haustür

 ·  In Leipzig öffnet Gondwanaland, die neue Tropenhalle des renommierten Zoos. Mit ihr wird ein Konzept der Tierpräsentation verfolgt, das wohl nicht nur die Besucher erfreut. Ein Rundgang durch ein kleines Paradies.

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Mitten im Urwald liegt ein englischer Garten. Zumindest hat es diesen Anschein, wenn man mit dem Boot aus dem dunklen Höhlengang in die Helligkeit der Halle von Gondwanaland hinausgefahren ist und sich plötzlich backbord eine Lücke in der wuchernden Uferbepflanzung öffnet, die einen feingestutzten Zierrasen bis an den Wasserlauf reichen lässt.

Es ist eine Idylle im tropischen Überschwang der Vegetation, doch die Bewohner dieses wohlgepflegten Areals lassen sich nicht blicken. Man möchte angesichts des zarten Grüns gern glauben, dass es kultivierte Rücksichtnahme auf ihr kleines Paradies ist, die sie vom Betreten des Rasens abhält. Aber verfügen Schabrackentapire über die dafür nötige Vernunft?

Zumindest sind Tapire sehr sensibel. Das erfährt man von Jörg Junhold, dem eigentlichen Herrn über die neue Tropenwelt, die sich mitten in Leipzig befindet. Junhold ist der Direktor des hiesigen Zoos, den er seit seinem Amtsantritt 1997 zu einem der fortschrittlichsten und bestbesuchten in Deutschland ausgebaut hat. Der vorletzte (und zugleich größte und mit fast 67 Millionen Euro teuerste) Schritt seines Masterplans auf dem Weg zum „Zoo der Zukunft“ ist am vergangenen Freitag nach vierjähriger Bauzeit getan worden: In Leipzig hat Gondwanaland eröffnet, eine 16.000 Quadratmeter große Tropenhalle, in der vierzig Tierarten leben, die jenen Kontinenten entstammen, deren Landmassen vor zweihundert Millionen Jahren noch zusammengehörten und damals einen Großkontinent bildeten, dem die Wissenschaft den Namen „Gondwana“ gegeben hat. In Gondwanaland finden sich deshalb Spezies aus Asien, Afrika, Südamerika und Australien.

Stau im Opossum-Tunnel

Darunter sind die sensiblen Tapire aus Südostasien, die zwar schon seit Monaten in Leipzig leben, aber ihren neuen Lebensraum in der riesigen Halle erst beziehen konnten, als dort alle Pflanzen gesetzt, alle Wasserflächen gefüllt und alle Wege angelegt waren. Denn in Gondwanaland gibt es keine klassischen Gehege oder gar Käfige mehr. Die Tiere sind schlimmstenfalls durch Glasscheiben von den Besuchern getrennt, ansonsten bilden Gewässer, Abhänge oder Pflanzenbarrieren die einzigen Absperrungen. Da aber die Fertigstellung vieler dieser Anlagen erst im letzten Moment erfolgte, konnten sich die Tapire ans neue Domizil noch nicht gewöhnen: Statt aufs frische, aber ungewohnte Gras zu treten, bleiben sie lieber in ihrer Behausung und damit vorerst unsichtbar. Die drei in der Halle vertretenen Raubkatzen, Ozelot, Serval und Fischkatze, seien ähnlich empfindlich; den Serval habe nicht einmal er bisher im Freien in der Halle gesehen, sagt Jörg Junhold.

Er sieht nicht so aus, als bereite ihm das Sorgen: „Unser Anspruch ist, die Tiere so artgerecht zu halten, wie das in einem Zoo nur möglich ist. Und dazu gehört, dass sie sich zurückziehen können. Die Tiere sind uns wichtiger als die Besucher.“ Und die Besucher scheinen das zu honorieren. Nur vereinzelt regt sich im Gondwanaland am Eröffnungstag Befremden über Flächen ohne sichtbare Bewohner, und umso lauter wird der Triumph verkündet, wenn beim dritten Rundgang durch die Halle doch noch das Zwergflusspferd in sein Wasserbecken steigt, wo man es durch Glasfenster beim Tauchen beobachten kann.

Längst nicht alle Tiere haben Anpassungsschwierigkeiten an die mit minimal 26 Grad und sechzig bis achtzig Prozent Luftfeuchtigkeit betriebene überdachte Tropenlandschaft. Der Superstar des Leipziger Zoos, eine amerikanische Opossumdame mit Silberblick namens Heidi, die durch die hier gedrehte Zoo-Dokusoap-Serie „Elefant, Tiger und Co“ zum Sympathieträger wurde, wandert unbeirrt durch ihr Areal im abgedunkelten Bereich des Eingangstunnels, mit dem sonst nachtaktive Tiere auf Besucherzeitverträglichkeit gebracht werden. Ihre Bewunderer schaffen das einzige logistische Problem des Eröffnungstages, einen Stau im Tunnel.

Zeitreise durch die Evolutionsgeschichte

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