Home
http://www.faz.net/-gqz-6zi7v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Legalität als letzter Ausweg Machen wir Frieden mit den Drogen

 ·  Zehntausende Tote hat der Krieg gegen die Kartelle gekostet. Und trotzdem ist er gescheitert. Was, wenn man den Stoff einfach kaufen könnte?

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (230)
© AP Vergrößern Die mexikanische Bundespolizei - ausgerüstet für den Drogenkrieg

* Die Politik *

Vor vierzig Jahren ging los, was Richard Nixon, damals Präsident der Vereinigten Staaten, den „Krieg gegen die Drogen“ nannte - und weil man ein Pfund Heroin nicht erschießen kann, richteten sich die Kampfhandlungen gegen all die Menschen, die mit den Drogen in Berührung kamen: gegen jene, die diese Drogen nahmen, vor allem die Süchtigen in den Slums der großen Städte; gegen alle, die mit den Drogen handelten, gegen die kleinen Dealer und die großen Händler; gegen die Schmuggler, die Kuriere, die Produzenten. Gegen die Leute, die Crystal Meth kochten, gegen die Chemiker, die Rohopium zu Heroin veredelten. Gegen die Mohnpflanzer in Afghanistan und gegen die Cocabauern im südamerikanischen Hochland. Und wenn es schon sinnlos war, auf Drogen zu schießen, so konnte man doch die Mohnfelder und Cocaplantagen aus der Luft zerstören, mit Gift, mit Bomben, mit schwerem militärischem Gerät.

Wenn man Bilanz ziehen wollte, was dieser Krieg, der andauert, wem gebracht habe: Dann könnte man damit, weil die Opfer so viele und die Schäden unermesslich sind, ein paar tausend Seiten füllen. Man kann sich aber auch ein bisschen kürzer fassen: Die Gefängnisse, vor allem in den Vereinigten Staaten sind voll; der Konsum von Drogen hat aber nicht abgenommen. Im Norden Mexikos sind die Kartelle der Drogenhändler mächtiger als die Polizei, das Drogengeld hat die gesamte Verwaltung korrumpiert.

In den Städten Brasiliens regieren Drogengangs ganze Favelas, in Afghanistan treibt der Drogenkrieg die Bauern an die Seite der Taliban, die ihre Waffen mit Drogengeld finanzieren. In Afrika, wo die Schmuggelrouten nach Europa beginnen, läuft die Entwicklung darauf hinaus, dass mit Drogengeldern ganze Staaten übernommen werden. In Guinea-Bissau, dem kleinen Land an der Westküste Afrikas, dem man nachsagt, dass es fast schon in der Hand der Drogenmafia sei, hat in der vorvergangenen Woche das Militär geputscht, weil der Favorit bei der Präsidentschaftswahl den Drogenhandel bekämpfen wollte. Das Militär verdient mit, und jetzt wird erst mal zwei Jahre lang nicht gewählt.

Der kluge Publizist und Kommentator Fareed Zakaria hat in der vergangenen Woche, auf der Website von CNN, dennoch versucht, aus dem ganzen Chaos in Mexiko die guten Nachrichten herauszufiltern. Seit dort Felipe Calderón regiert, seit September 2006, habe es im Drogenkrieg 50.000 Tote gegeben. Das, schreibt Zakaria, sei ein sehr hoher Preis: „Aber es war eben kein leichter Krieg.“ Immerhin sei es, seit Calderón die Armee gegen die Drogenkartelle aufmarschieren lasse, gelungen, mehr als vierzig Bosse zu töten. Und die drogenbedingte Mordrate, die von 2007 auf 2008 um 29 Prozent gestiegen sei, steige inzwischen nur noch um acht Prozent.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
  Weitersagen Kommentieren (549) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Zoll zieht Bilanz Schmuggel mit Tieren und synthetischen Drogen wächst

Fünf Kilo Marihuana im Kofferraum, 1,2 Kilo Kokain in Gürteln und kiloweise Elfenbein - das haben Zollfahnder in diesem Jahr schon gefunden. Ihre Bilanz für 2013: Der Schmuggel mit synthetischen Drogen, geschützten Tieren und Arzneien wächst. Mehr

07.04.2014, 14:57 Uhr | Rhein-Main
Kinder von Prominenten Viel Glanz, wenig Halt

Peaches Geldof führte ein Leben auf dem schmalen Pfad zwischen Abgrund und Aufstieg - wie so viele Sprosse berühmter Eltern. Promi-Kinder haben häufig keine gute Prognose. Mehr

08.04.2014, 21:12 Uhr | Gesellschaft
Cannabis als Medikament Ein Joint macht die Muskeln locker

Ingrid Wunn nutzt Cannabis, um die Folgen einer unheilbaren Krankheit zu lindern. Ihr Arzt findet das gut. Sie selbst setzt sich für eine generelle Freigabe des berauschenden Krauts ein. Mehr

06.04.2014, 10:23 Uhr | Rhein-Main

02.05.2012, 10:51 Uhr

Weitersagen
 

Haben ist Sein

Von Mark Siemons

Ein Frau wurde verlassen und weiß nicht warum: Sie hat doch einen guten Job und zwei abbezahlte Wohnungen. Warum in Peking das Eigentum und die Liebe einander bedingen. Mehr 1