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Lateinfragen Bellum belgicum

25.06.2010 ·  In Belgien ist Latein auf dem Vormarsch. Nicht nur in den Schulen, sondern auch auf der politischen Tribüne, wie der neue starke Mann Bart de Wever unlängst zeigte. Den Kritikern bietet das Gelegenheit zu lateinischen Verwahrungen gegen den Sezessionismus seiner Partei.

Von Dirk Schümer
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Der neue starke Mann in Belgien, Bart De Wever, hat sich bei seinem Wahlsieg endgültig als Feingeist entpuppt. Seinen jubelnden Fans übersetzte er den Parteinamen N-VA ins Lateinische: „Nil volentibus arduum“. Mit so viel Liebe zum Romanentum kann mancher flämische Nationalist vielleicht nicht viel anfangen, wenngleich sein Land bereits bei Caesar aktenkundig ist: „Quarum unam incolunt Belgae.“

Ihr Centurio De Wever dagegen hat sich mit seinem Hinweis, dass den Wollenden nichts mühselig sei, als europäischer Humanist präsentiert. Ein anderes Mal hatte De Wever bereits den Wahlspruch des Antwerpener Druckers Plantin angepriesen: „Constantia et labor“. Durch „Beständigkeit und Arbeit“ wolle er „das Volk erheben“. Und er verwies geringschätzig auf die „Babysprache“ mancher Konkurrenten.

Philologenhoffnung

Als Kernland Europas hat Flandern in Gestalt des europäischen Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy schon einen hochgebildeten Staatsmann hervorgebracht, der in seiner Freizeit Haikus schreibt. Fast überflüssig zu sagen, dass seine Kurzgedichte bereits ins Lateinische übersetzt wurden. Philologenverbände hoffen jetzt, dass mit dem ausgebrochenen Lateinfieber in Flandern der Rückgang der Schüler – im Moment büffeln nur gut vierzigtausend Latein – gebremst werden kann.

In der Tat haben sich diesen Sommer bereits mehr Studenten für das klassische Fach eingeschrieben als zuvor. Ein Löwener Philologe erklärte den Vormarsch der europäischen Lingua franca in der Politik mit den elektronischen Medien: Man könne heute nurmehr auf zwei Arten Aufmerksamkeit erregen: entweder durch nackte Haut oder durch einen klugen Spruch. Glücklicherweise habe sich De Wever nicht für das Erstere entschieden.

Kehraus mit Seneca

Im vorlauten Netz wird dem korpulenten Politiker eine andere lateinische Weisheit ins Vokabelheft geschrieben: „Mens sana in corpore sano“. Einige Lateinlehrer haben den Kampf gegen den Sezessionismus der N-VA jetzt sogar in die Schule getragen: Sie lösen die Abkürzung als „Numquam vincatur Albertus“ auf. Diese Schulweisheit wird sich Belgiens durchaus nicht unbesiegbarer König Albert gern gefallen lassen. Was De Wever dagegen ins Feld führen könnte? Wohl am ehesten Senecas Prophezeiung, dass ungerechte Staaten nicht ewig währen: „Iniquia numquam regna perpetuo manent.“

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Jahrgang 1962, Feuilletonkorrespondent mit Sitz in Wien.

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