Andreas Jürgensen ist Däne. Promovierter Kunsthistoriker, Geiger und Drehbuchautor einer TV-Serie ist er auch. Jetzt leitet er den Württembergischen Kunstverein in Stuttgart.
Seit 50 Jahren residieren zwei Institutionen unter der 1919 erbauten großen Kuppel gleich neben dem Stuttgarter Schloss nebeneinander. Der „Württembergische Kunstverein“ und die "Galerie der Stadt". Nach langer Zeit der Provisorien wird sich die Raumsituation jetzt klären. Die „Galerie der Stadt“ zieht aus und Jürgensen setzt sich sehr dafür ein, das ganze Haus im Erdgeschoss allein zu bespielen. Er ist gegen eine erneute Parzellierung des Hauses.
Alleingang
Eine Mischung der Interessen und Zielrichtungen unter einem Dach hält er für kontraproduktiv. Eigentlich herrscht gerade an Platz kein Mangel. Mit 3.000 Quadratmetern dürfte der Württembergische Kunstverein sogar der größte in der Bundesrepublik sein.
Das prächtige Gebäude ist Eigentum der Stadt. Der Kunstverein ist Mieter. Mit über 4.000 Mitgliedern, erhält der Kunstverein 200.000 Mark Zuschuss für die Ausstellungen.
Produktionsstätte
Jürgensen kann seine neue Position mit Bedacht ausbauen. Noch vier oder fünf Ausstellungen seines Vorgängers wird er verwirklichen. Gerade eröffnet wurde eine Schau mit In Ho Baik, einem koreanischen Künstler, der Architektur-Modelle aus Papier vorstellt. Jürgensens erste eigene Ausstellung wird Luc Wolff vorstellen, der einen Erwartungsraum als Dschungel mit lebenden Pflanzen einrichten wird, der nur teilweise betretbar sein wird.
Mit 21 Mitarbeitern ist Jürgensen bestens mit Personal versorgt. Nun will er versuchen, aus dem Württembergischen Kunstverein eine Produktionsstätte neuester Kunst zu machen. Das Interaktive, das Dabeisein, wenn etwas entsteht, kreiert über die Kunstvereine eine neue Ausstellungsstrategie. Nichts ist endgültig, alles dreht sich, alles bleibt offen und unvollendet. Der Künstler als durchschaubares Wesen. Wir dürfen gespannt sein, was da kommt.