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Kunstvereine : Fließend belebter Übergang

  • -Aktualisiert am

Dorothea Strauss, Kunstvereinsleiterin in Freiburg Bild: Dorothea Strauss

Kunstvereine breiten sich aus wie Moos. Immer mehr Sammler und Liebhaber engagieren sich in den Labors der zeitgenössischen Kunst. Wir fragen warum.

          Dorothea Strauss hat ihre erste Ausstellungseröffnung als Kunstvereinsleiterin in Freiburg schon hinter sich. Selbst eingerichtet hat sie die Ausstellung nicht, sondern ihr Vorgänger Stephan Berg.

          Anfang Februar wurde eine Schau mit zeitgenössischen Zeichnungen präsentiert. In Ruhe konnte die neue Direktorin, die zuvor den Kunstverein im nahegelegenen St. Gallen geleitet hat, auf ihr neues Publikum zu gehen, es kennenlernen, so als würde man zur Begrüßung in ein Restaurant eingeladen, statt selbst zu kochen.

          Kunstverein als Produktionsstätte

          Mit großer Offenheit geht die 40-Jährige ans Werk. Sie ist nebenher Dozentin an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich, wurde 1960 in Braunlage geboren und hat in Frankfurt a.M. unter anderem Kunstgeschichte studiert. Im Freiburger Kunstverein, der bereits 1827 gegründet wurde, will sie einen Ort schaffen, an dem zugleich produziert und rezipiert wird. Sie wird nicht mit der Brechstange vorgehen. Aber mit ihrem stringenten Konzept wird sich die Wind-Richtung erheblich ändern.

          Neuer Name, neues Gesicht

          Erst einmal will Dorothea Strauss den Namen des Vereins ändern. Nach vier Jahren in einem umgebauten Schwimmbad, wird der Kunstverein seinen Zusatz "im Marienbad" aufgeben. Dem Jugendstil-Haus wird statt dessen ein neues Gesicht verliehen: seine Fassade soll von einem Künstler neu gestaltet werden, den man über einen beschränkten Wettbewerb finden will.

          Im Ganzen soll sich der Kunstverein in Freiburg in eine Produktions- und Ausstellungsstätte verwandeln, in dem unterschiedliche Geschwindigkeiten des „Betriebssystems Kunst“ sichtbar werden. Strauss versteht den Kunstverein als kommunikative „Schnittstelle" - sie lacht über das abgedroschene Wort, findet aber auch kein besseren. Sie will Tempo-Einheiten sichtbar machen und damit die Auseinandersetzung zwischen Publikum und Künstler intensivieren. Das Lesen von Bildern kann aus unterschiedlichen Perspektiven immer wieder neu gelernt werden. Langfristig soll sich der Kunstverein auch als Produktionsort und nicht nur als Präsentationsort etablieren.

          Neue Atmosphäre

          Großen Wert legt Strauss auf die "Atmosphäre". Die theoretisch qualifizierte Auseinandersetzung mit Kunst, will sie durch Diskussionsprogramme ermöglichen. Wichtig ist ihr dabei auch die Vermittlung über das Internet. Bis Mitte April wird der bestehende Web-Auftritt wesentlich erweitert und dann ständig aktualisiert werden. Zudem soll es zweimal im Jahr ein gedrucktes Magazin geben, das als eigene Plattform Themen tiefer fassen kann.

          Für Dorothea Strauss ist das Instrument „Ausstellung" immer noch eine spannende Sache. Sie will aber die Übergänge zwischen Theorie und Praxis fließender machen, als es in anderen Ausstellungshäusern üblich ist. Dabei steht ihr ein Vorstand zur Seite, der wie nirgends sonst den Kunstverein im positiven Sinne zu seiner eigenen Sache gemacht hat.

          Neue Mitglieder

          Bei einem Gesamtbudget von 450.000 Mark, die die Mitglieder sowie Stadt und Land zusammentragen, stehen ihr zwei halbtags arbeitende Assistenten zur Seite sowie ein Techniker. Mit 600 Mitgliedern ist der Verein in der Universitätsstadt Freiburg sehr aktiv, aber viel zu klein. Da Dorothea Strauss den Übergang zwischen kreativer und kontemplativer Arbeit fließend halten will, werden ihr ständig Künstler und Studenten zur Seite stehen. Aus den Modulen Baumaßnamen, Entwicklung der Inhalte und Kooperation mit dem Lehrstuhl für Theorie und Gestaltung in Zürich kann ein spannendes Programm entstehen, für das Dorothea Strauss sich in einer Werbeaktion mit Elan einsetzen wird.

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