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Kunstsammlung gerettet? : Kehrtwende in NRW

Giovanni di Paolos Tafeln sollen nun doch in Nordrhein-Westfalen bleiben. Bild: dpa

Eine abrupte Kursänderung in Nordrhein-Westfalen: Erst wurde ein Verkauf von Kunstwerken aus dem Besitz der einstigen WestLB als alternativlos dargestellt, jetzt will das Land die Sammlung doch retten.

          Unverhofft kommt oft: Seit heute will die rot-grüne Landesregierung die Kunstsammlung der bankrotten einstigen WestLB, die von der Portigon abgewickelt wird, für Nordrhein-Westfalen sichern. Diesen Vorsatz jedenfalls trug Finanzminister Norbert Walter-Borjans heute in die Sitzung des Haushalts- und Finanzausschusses. Was ihn zum radikalen Gesinnungswandel veranlasst, kann vorerst nur er selbst wissen; neue Sensibilität für die öffentliche Meinung wird es kaum sein. Es herrschte die Parole einer dezidierten Verkaufsabsicht dieser Sammlung, praktisch zeitgleich seit ihrem Bekanntwerden, bis heute.

          Einigermaßen pittoreske Ereignisse umranken diesen beinharten Veräußerungskurs, zu denen der nordrhein-westfälische Finanzminister nicht wenig beitrug, bis heute. So muss es in seinem Sinn gewesen sein, dass Kai Wilhelm Franzmeyer, der Chef-Abwickler bei Portigon, markig erklärte, der Verkauf der Kunstsammlung wäre „alternativlos“; „Vorgaben der EU-Kommission“ bildeten dafür die „rechtlichen Leitplanken“. Tatsächlich klang das so, als zwänge die EU-Kommission die Portigon nachgerade zum Verkauf. Obgleich sie, wohlgemerkt, nicht irgendein Unternehmen, sondern tatsächlich indirekter Landesbesitz Nordrhein-Westfalens ist.

          Bitte keine Zwischenhändler-Kniffe

          Auf unausweichlichen Verkauf pochte auch die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit ihren Worten, niemand wolle Werke veräußern, aber die EU-Kommission habe Vorgaben gemacht. Doch jetzt ist – plötzlich und unerwartet – eine politische Lösung in Sicht. Sollte etwa die EU-Kommission als ein Popanz gedient haben, um mit nicht gedeckten Behauptungen aus der Verantwortung für die Sammlung zu kommen, die einst durchaus von der WestLB zum Wohle der Öffentlichkeit angelegt wurde? Das wäre ein fatales Signal. Es wäre noch problematischer als kurz zuvor die Behauptung, die beiden Warhol-Bilder der Westspiel könnten nicht mehr aus der Auktion in New York zurückgezogen werden. Es wäre kein Kavaliersdelikt mehr, also lieber noch offene Fragen klären.

          Vor zwei Wochen hatte die Bundeskulturministerin Monika Grütters ziemlich deutlich darauf hingewiesen, dass ihr Haus durchaus ein Verfahren einleiten könne um zu überprüfen, ob es sich bei den Portigon-Werken um national wertvolles Kulturgut handle. Und vor wenigen Tagen antwortete das nordrhein-westfälische Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport auf die Frage dieser Zeitung, ob von seiner Seite inzwischen ein entsprechendes Verfahren angeschoben worden sei: Ja, „die vor der Einberufung eines Sachverständigenausschusses vorzunehmende kunstfachliche Bewertung der Werke“ sei eingeleitet worden. Noch nicht gesagt ist damit, ob sich diese fachkundige Bewertung auch auf Werke der Sammlung erstreckt, die sich im Ausland befinden. Denn die nationale Kulturgut-Liste kann nur dort greifen, wo sich ihr Gegenstand in Deutschland befindet. Bleibt zu hoffen, dass der kunstmarktnotorische Zwischenhändler-Kniff, Objekte deshalb außer Landes zu bringen, nicht schon beim einen oder anderen Spitzenstück gegriffen hat. Auch darauf wird Finanzminister Walter-Borjans achten müssen, bei seiner Wendung um hundertachtzig Grad.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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          Quelle: F.A.Z.

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