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Zum Tod Karl Hartungs Ein Leben für das Buch

 ·  Gut achtzig Jahre arbeitete er als Antiquar und Auktionator und machte sich um die Bibliophilie verdient. Jetzt ist Karl Hartung im Alter von 98 Jahren gestorben.

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Der Münchner Antiquar und Auktionator Karl Hartung war einer der Großen seines Fachs, dem er mit seinem einflussreichen Wirken einen markanten Stempel aufdrückte. Mehr als achtzig Jahre lang übte er seinen Beruf aus, berühmte Sammlungen und kapitale Druckwerke gingen durch seine Hände, und nichts, was er in dieser Zeit erlebte, schien seinem phänomenalen Gedächtnis zu entfallen. Besuchte man ihn in seinem bis unter die Decke mit Büchern vollgestellten Büro am Karolinenplatz, konnte es geschehen, dass dieser geistreiche und charmante alte Herr, nach Abhandlung aktueller Fragen, sein Gegenüber mit Erzählungen von aufregenden Ereignissen seiner Tätigkeit und der Geschichte seiner Branche in Bann schlug.

Firmengründung im Jahr 1971

Im Jahr 1914 im oberösterreichischen Bad Ischl geboren, wuchs Karl Hartung in München-Schwabing auf und kam als Lehrling in die noch junge Firma Karl&Faber. Gegründet hatten diese sein Mentor Curt von Faber du Faur, der schon bald als Barockforscher nach Yale ging, und der Kunsthistoriker Georg Karl. Als ersten Höhepunkt erlebte Hartung den Verkauf der Fürstlich Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek, die Karl&Faber in den dreißiger Jahren acht Auktionen bescherte.

Nach den Kriegsjahren und Gefangenschaft bauten Georg Karl und Karl Hartung die Firma wieder auf, deren Teilhaber Hartung 1966 wurde. Dem Entschluss, Bücher und Kunst zu trennen, folgte 1971 die Gründung der Firma Hartung & Karl, Auktionshaus für Bücher, Handschriften, Autographen und Grafik, für die Kunst blieb Karl&Faber zuständig. Nach Eintritt des Sohnes und heutigen Geschäftsführers Felix Hartung firmiert man unter Hartung&Hartung, auch die Tochter Kathrin wirkt als Teilhaberin aktiv mit.

Die Bedeutung Karl Hartungs beschränkte sich bei weitem nicht auf die Versteigerung berühmter Sammlungen - darunter die Bücher der Kaiserin „Sisi“, die Fachbibliothek des Kochkünstlers Walterspiel, die Schlossbibliothek Triefenstein oder der Schriftennachlass des Frankfurter Sammlers Carl Hagemann -, vielmehr engagierte er sich auch über viele Jahre im Vorstand des Verbandes Deutscher Antiquare. Er saß im Präsidium des von ihm mitbegründeten Bundesverbandes Deutscher Kunstversteigerer. Es ist nicht zuletzt das Verdienst Karl Hartungs, dass Deutschland seine Vorkriegsbedeutung als eines internationalen Zentrums der Bibliophilie ansatzweise wiedererlangen konnte. Noch in der Maiauktion leitete Karl Hartung wie gewohnt die Versteigerungen mit seinen Kindern. Wenige Wochen nach seinem 98. Geburtstag ist er jetzt in München gestorben.

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