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Zeitgenossen in New York Gegenwart im Milliardenrausch

Das New Yorker Rekordfieber auf neuem Höchststand: Die Zeitgenossen-Auktionen bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips de Pury können niemandem mehr so ganz geheuer sein.

Eine Woche der Sensationen und Rekorde. Ein extravagant boomender Kunstmarkt. Ein Gesamtumsatz, der die großen New Yorker Auktionshäuser euphorisch über die Milliardengrenze schweben ließ. Der Reihe nach: Noch bevor auf den Herbstauktionen mit Zeitgenossen das erste Los ausgerufen war, kam bei Christie’s einen ganzen Tag lang Warhol und nur Warhol unter den Hammer. Einlieferin war die „Andy Warhol Foundation for the Visual Arts“, die im September verkündet hatte, fortan nur noch Stipendien zu vergeben und sich darum im Laufe der nächsten Jahre von all ihren Kunstschätzen zu trennen.

Jordan Mejias Folgen:

In Form von Siebdrucken, Collagen und Fotografien standen jetzt fürs Erste insgesamt 354 Lose zur Versteigerung an, was der Stiftung mehr als siebzehn Millionen Dollar einbrachte. Aber das war nur ein Klacks im Vergleich zu den wahrlich atemraubenden Beträgen, die dann in den Abendauktionen über die Anzeigetafeln flimmerten.

Sotheby’s machte den Anfang, und auch da gehörte Warhol zu den Superstars. „Suicide“, ein Einzelsiebdruck, der einen in den Tod springenden Mann zeigt, erzielte mit 14,5 Millionen Dollar (Taxe 6/8 Millionen) einen neuen Auktionsrekord für eine Arbeit Warhols auf Papier, und auch zwei weitere solcher Werke - „The Kiss“ für 8,2 Millionen und „Cagney“ für 5,8 Millionen - ließen die bisherige Rekordmarke von 5,193 Millionen (mit Aufgeld) locker hinter sich.

Überhaupt war es ein Abend der Rekorde. Nie war mehr bezahlt worden für ein Gemälde von Franz Kline - „Shenandoah“ für 8,25 Millionen Dollar -, Arshile Gorky - „Impatience“ für sechs Millionen - und Robert Motherwell - „Elegy to the Spanish Republic #122“ für 3,2 Millionen. Ein telefonisches Gefecht lieferten sich zwei anonyme Bieter um Jackson Pollocks Drip-Painting „Number 4, 1951“, das mit dem Zuschlag bei 36 Millionen Dollar (Taxe 25/35 Millionen) gleichfalls alle vorhergehenden Auktionspreise des Künstlers übertraf.

Kein Wunder also, dass nach der Veranstaltung der Auktionator Tobias Meyer, in der Hand ein Glas Weißwein, blendend gelaunt das Resümee zog: „Besser kann es nicht werden.“ Auch Sotheby’s selbst konnte einen Rekord verzeichnen, denn mit dem Gesamtumsatz von mehr als 375 Millionen Dollar war der Abend konkurrenzlos in der gesamten Geschichte des Hauses.

Aus allen Teilen der Welt seien die Gebote gekommen, so die offizielle Erklärung, und wieder einmal habe es sich bestätigt, dass Qualität sich immer verkaufe - quality sells. Es waren in der Tat marktfrische Werke von auktionserprobten Künstlern, die den sensationellen Erfolg begründeten, gleich von Anfang an, so wie Sotheby’s es raffiniert inszeniert hatte. Nur zum Schluss blieben einige Enttäuschungen und sogar Rückgänge nicht aus: bei Jeff Koons wie Jean-Michel Basquiat und Richard Prince.

Der atmosphärische Unterschied zu den eher verhaltenen Auktionen der vorigen Woche, als der Verkauf von Impressionismus und Moderne überraschend oft ins Stocken geriet, war allerdings enorm. Schon der brechend volle Saal von Sotheby’s schien die wirklich nicht taufrische, aktuelle Marktmeinung zu bekräftigen, dass derzeit relativ viele Leute mit absolut viel Geld nach attraktiven Anlagemöglichkeiten suchen und Kunst dabei eine immer größere Rolle spielt.

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