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Zeichnungen Wenn Dichter zeichnen

12.02.2012 ·  In Paris findet eine charmante Auktion mit einer Sammlung von „Dessins d’écrivains“ statt. Manch ein Schriftsteller zeigt Talent - manch anderer nicht.

Von Iring Fetscher
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© Artcurial Arthur Rimbaud versuchte sich in Tusche an einem „Jeune cocher de Londres“ (Taxe 120.000/150.000 Euro)

Artcurial-Briest-Poulain-F. Tajan versteigert am 14. Februar im Hôtel Marcel Dassault in Paris eine interessante Sammlung von Zeichnungen und Aquarellen meist französischer Schriftsteller und Dichter, die von Pierre und Franca Belfond geschaffen wurde und jetzt leider auseinanderfallen wird. Zeichnende Dichter sind auch aus der deutschen Literatur bekannt, von Goethe über Hesse bis Grass.

Doch nur ein Kupferstich von Günter Grass ist unter den 135 Losen vertreten, ein „Selbstporträt mit Schnecken“ (Taxe 300/400 Euro). Ein anderer Autor, der aus der Fülle der frankophonen herausfällt, ist Henry Miller, dessen zwei aquarellierte Zeichnungen durchaus beeindrucken, zurückhaltend auf 2000 bis 4000 Euro geschätzt.

Das teuerste Blatt kommt von Arthur Rimbaud: Es stellt einen gewichtigen Londoner Kutscher dar, wie eine vermutlich von seinem Freund Verlaine stammende Unterschrift anmerkt. Rimbaud hat nur wenige Zeichnungen hinterlassen, neben einigen militärischen Skizzen. Kutscher - vor allem, wenn sie betrunken waren - haben ihn aber offensichtlich interessiert; die Taxe liegt bei 120.000 bis 150.000 Euro. Doch eindrucksvoller ist Charles Baudelaires Porträt seiner Mätresse. Es könnte ihn, als Jeanne Duval alt und hässlich geworden war, an ihre jugendliche Schönheit erinnert haben (60.000/ 80.000).

In einem Brief an seine Mutter, die nach seinem Tod Jeannes Briefe an ihn vernichtet hat, schreibt Baudelaire über sie: „Ich habe mich mit Quälen amüsiert, und ich bin meinerseits gequält worden.“ Die meisten Blätter stammen von Jean Cocteau, darunter ist ein Album mit 21 kleinen Zeichnungen (60.000/80.000). Interessant sind auch ein Selbstbildnis Cocteaus (2000/2500) und ein Porträt Paul Eluards (3000/4000). Eine kleine, gekonnte Zeichnung von Anatole France stellt drei kämpfende griechische Krieger dar (300/400).

Die Brüder Goncourt, deren Ruhm mehr auf ihren kunst- und kulturhistorischen Texten beruht als auf ihren Romanen, sind mit zwei durchaus eindrucksvollen großen Zeichnungen präsent, die zurückhaltend auf 1500 bis 3000 Euro geschätzt sind. Unter vier Blättern Victor Hugos wird das Bild einer mittelalterlichen Stadt am Fuß einer Burg am höchsten bewertet mit 20.000 bis 30.000 Euro. Sein rätselhaftes Aquarell über Tinte und Bleistift „Les quatre prisonniers“ ist eine Hommage an die zwei Söhne eines Freundes, die Opfer Napoleons III. waren; auf der Rückseite stehen Ausschnitte aus Hugos Gedichtsammlung „Gott“ (15.000/ 20.000). Von Max Jacob stammen drei kolorierte Zeichnungen, darunter eine Ansicht des menschenleeren Jardin du Luxembourg (1500/2000).

Das Porträt von „André Gide in seiner Jugend 1903“ hat Hermann Keyserling mit Tusche gezeichnet, der von Gide als der „schönen Erscheinung eines Mandschu“ spricht. Keyserling war während seines Paris-Aufenthalts eng mit Gide befreundet; Georges Simenon wurde von beiden seines Talents wegen bewundert, und er hat auf dem Blatt mitunterzeichnet (1500/2000). Das originellste Bild im Katalog stammt von Alfred de Musset: Es zeigt eine lange Reihe meist Zylinder tragender Männer, die einen wegfliegenden Teufel an seinem Schwanz festzuhalten versuchen - für geschätzte 10.000 bis 15.000 Euro. Neben einem ironischen Selbstporträt Mussets (15.000/20.000) fällt eine wilde Hexe mit großem Struwwelhaar auf, die an das Stück „Don Paez“ erinnert (8000/10.000).

Der großen Bedeutung von Marcel Proust entspricht die Hochschätzung der vier Zeichnungen, die freilich keine Meisterwerke sind. Am höchsten taxiert ist die Tintenzeichnung eines von zwei Chauffeuren gesteuerten Autos, das „Avec les pneus Michelin . . .“ unterschrieben ist; 1999 diente sie - vergrößert - dem

„Guide Michelin“ zum hundertsten Geburtstag als Werbung (30.000/40.000). Der Kommentar erinnert an Prousts Liebe zu seinem Fahrer Alfred Agostinelli, der ihn zu der Gestalt der Albertine in „A la Recherche du temps perdu“ inspirierte.

Antoine de Saint-Exupéry, der seinen „Kleinen Prinzen“ so großartig illustrierte, erinnert mit seinen beiden Zeichnungen kaum daran: Das etwas groteske Porträt, dem er die Worte „Je suis tellement perplexe“ in den Mund legt, kommentiert der Katalog als eine Mischung aus Selbstbildnis und kleinem Prinzen (10.000/ 15.000). Die Zeichnung gehörte einst Silvia Reinhard, mit der Saint-Exupéry während seines Aufenthalts in New York befreundet war; an sie erinnert der kluge Fuchs im Buch. George Sand ist mit zehn Zeichnungen vertreten, darunter ein höchst romantisches Selbstporträt mit aus Halbdunkel hervortretendem, bleichem Gesicht (5000/6000).

Zwei Affen im Gespräch

Mit 8000 bis 10.000 Euro besonders hoch bewertet wird allerdings ein großer grüner rätselhafter Fleck, der 2007/08 in der Frankfurter Schirn zusammen mit anderen Vorläufern der abstrakten Malerei zu sehen war. Das Bild stammt aus Sands späten Jahren, als sie sich für den Anblick zerbrochenen Porzellans und Klexographien (Tintenflecke) interessierte und Mineralogie studierte.

Unter den fünf hoch taxierten Blättern von Paul Verlaine ist das mit den zwei miteinander redenden Affen und den Andeutungen eines Selbstbildnisses Verlaines, dem sein Freund Edmond Lepelletier ein pavianhaftes Aussehen nachsagte, am spannendsten (15.000/20.000). Durch die meist sehr ausführlichen Kommentare ist der Katalog ungemein informativ. Ein ähnliches Angebot mit deutschen malenden Dichtern wäre ebenso faszinierend.

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