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Womit sich der Kunstmarkt unterhält Verteilungskampf

11.04.2007 ·  Die Augen des Galeristen leuchten zwar noch, wenn ein Sammler den Laden betritt, doch ihr Glanz ist etwas matter geworden. Im harten Verteilungskampf um die Ware Kunst findet sich der willige Käufer auf Bewerberlisten wieder.

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Das Leben hält immer wieder staunenswerte Überraschungen bereit - auch Kunstsammler sind davon nicht ausgenommen. Wenn ein bekannter Vertreter dieser Spezies noch vor kurzem in einer jener Galerien auftauchte, die sich den ganz großen Stars der internationalen Szene widmen, leuchteten die Augen des Galeristen, und geradezu herzlich fiel die Begrüßung aus. Das hat sich mittlerweile drastisch geändert. Zuvorkommend behandelt werden die Sammler zwar nach wie vor, aber mit ihrem umworbenen Status als potentielle Käufer ist es in den richtig feinen Kunstetablissements vorbei. Denn dort sind die Rollen ganz neu verteilt worden: Der Galerist ist zum Distributeur einer - von zahlreichen Interessenten heiß begehrten - Ware geworden, und angesichts dieses Verteilungskampfs müssen sich Sammler mittlerweile zu lästigen Bittstellern degradiert fühlen. Und wenn ein finanzkräftiger Sammler heute zu einer Vernissage eilt, um die großformatige Fotoarbeit eines berühmten Künstlers zu erwerben, gratuliert ihm der Galerist mitnichten zu diesem Entschluss, sondern beginnt, lauter Hindernisse und Schwierigkeiten vor ihm aufzutürmen. Des Sammlers Bitte, ihm das Werk zu reservieren, wird höflich, aber bestimmt abgelehnt: Er möge doch Verständnis dafür haben, dass es vor allem darum gehe, was für den Künstler am wichtigsten sei - und der Sammler müsse wissen, dass heute Abend schon mehrere Vertreter von renommierten Museen und Firmensammlungen ihre Visitenkarten abgegeben hätten. Aber man notiere sehr gern sein Begehr und rufe ihn an, immerhin sei er bereits auf Platz vier der Bewerberliste.

Der Gewinn großherziger Schenkung

Nach ein paar Tagen ruft der Galerist dann auch wirklich an: Wenn der Sammler das Kunstwerk kaufen wolle, um es einem bestimmten Museum zu stiften oder als Dauerleihgabe zu überlassen, rücke er umgehend auf Platz eins der Bewerberliste vor. Und dann könne er schon bald mit allen seinen Freunden und Bekannten in jenes Museum fahren und ihnen seine großherzige Schenkung bei einer Führung präsentieren - in New York seien das inzwischen sehr erfolgreiche und prestigefördernde Events. Ein Vorschlag, der jedoch den Sammler nicht überzeugt, auch weil er gehört hat, dass einige bedeutende Schenkungen in einem der großen New Yorker Museen schon nach ein paar Monaten aus den Schausälen ins Depot gewandert waren. Aber noch viel weniger gefällt ihm der Rat des Galeristen, sich auf die Warteliste dieses Künstlers für das Jahr 2009 setzen zu lassen: Er sammle keine Namen und auch kein Werk aus einer zukünftigen Produktion, erklärt er.

Und weil er die Fotoarbeit hier und jetzt und nur für sich und seine Sammlung erwerben wollte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sein Glück bei einer Auktion zu versuchen - und da hat er schließlich Erfolg gehabt.

Quelle: F.A.Z., 12.04.2007, Nr. 85 / Seite X1, kcd
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