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Wiener Ergebnisse : Hingebungsvolle Helferin

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Felice Ficherelli, „Die heilige Praxedis“, Öl auf Leinwand, 115 mal 90 Zentimeter: Zuschlag 260 000 Euro (Taxe 150 000/200 000) Bild: Dorotheum

Die Wiener Ergebnisse für Alte Meister und 19. Jahrhundert: Während das Dorotheum gute Ergebnisse erzielen kann, fehlen im Kinsky die Spitzenlose.

          Ein ganzer Jahreskreis an herrlichen Kompositfiguren wechselte bei der Altmeisterauktion des Wiener Dorotheums den Besitzer: Vier Ölbilder vom spätbarocken Stilllebenmaler Lo Spadino wurden zugeschlagen mit menschlichen Gestalten, die aus Blumen, Obst und Gemüse arrangiert sind. Spadinos Verkörperungen der Jahreszeiten bestechen, neben der versierten Ausführung, durch ihr gewitztes Moment des Selbstgenusses – wenn etwa der mit Kirschen behangene Frühling an einer Pfingstrose schnuppert oder der Herbst saftige Trauben kostet (F.A.Z. vom 14. Oktober). Ein Bieter sicherte sich das an Arcimboldo und an Niederländern wie Abraham Brueghel geschulte Quartett für 320 000 Euro, was der unteren Taxe von je 80 000 Euro entspricht.

          Der höchste Einzelzuschlag der Auktion, bei der Ausreißer nach oben rar waren, fiel für das Spitzenlos mit der „Heiligen Praxedis“ des toskanischen Malers Felice Ficherelli. Den Käufer der hingebungsvollen Helferin römischer Märtyrer hat das Expertenurteil überzeugt, dass dieses Gemälde die ursprüngliche Vorlage für eine Jan Vermeer zugeschriebene Kopie bildet. Für die im Vorhinein genau untersuchte Urfassung, die sich jahrhundertelang in Familienbesitz befand, läutete die Dorotheumsglocke bei 260 000 Euro (Taxe 150 000/200 000). Unter den sakralen Werken stieß eine enorm harmonisch komponierte „Madonna mit Kind und Johannesknaben“ von Cornelis van Cleve auf Wohlgefallen, zum unteren Schätzwert von 150 000 Euro. Mit Öl auf Kupfer schuf Guercino den kleinformatigen Bozzetto „Der auferstandene Christus erscheint der Jungfrau Maria“: Die unpublizierte Tafel gehört zu einem Altarwerk, das der Künstler in seiner oberitalienischen Heimat Cento ausführte; sie kletterte nun auf beachtliche 110 000 Euro (30 000/40 000).

          Heiteres Treiben beim Karneval

          Simon Vouet verewigte einen stolzen Edelmann mit in Rot und Gold gestreifter Pluderhose, der sich vor einem kargen Hintergrund auf seinen Helm stützt. Der Pariser Hofmaler, der den italienischen Barock in Frankreich mitetablierte, schuf das repräsentative Ganzkörperporträt um 1622; das zeittypische Bildnis erzielte 240 000 Euro (200 000/300 000). Vom Caravaggisten Jusepe de Ribera stammen mehrere Darstellungen antiker Philosophen. Im Dorotheum war ein eindrucksvoller, zudem signierter „Heraklit“ im Angebot, den der Maler 1634 in Neapel in gewohnt ärmlichem Aufzug inszenierte; das Bild blieb mit dem siegreichen Gebot von 180 000 Euro allerdings unter den Erwartungen von 200 000 bis 300 000 Euro. Antonio Badiles Herrenporträt, vielleicht ein Selbstbildnis, brachte die untere Taxe von 80 000 Euro, während die Pendants von Erzherzog Albrecht und seiner Gattin aus der Werkstatt von Rubens sich mit 70 000 Euro (80 000/120 000) begnügen mussten.

          Rinaldo Giudici, „Ankunft des Besuches“, entstanden zwischen 1880-1888, Öl auf Leinwand, 95 mal 140 Zentimeter: Zuschlag 110 000 Euro (Taxe 80 000/120 000) Bilderstrecke
          Rinaldo Giudici, „Ankunft des Besuches“, entstanden zwischen 1880-1888, Öl auf Leinwand, 95 mal 140 Zentimeter: Zuschlag 110 000 Euro (Taxe 80 000/120 000) :

          Unter den Landschaften war Salomon van Ruysdaels „Flussmündung mit Fischern beim Einholen der Netze am Uferwall“ erfolgreich, die am bewölkten Horizont Schiffe vorbeiziehen lässt. Dem flämischen Seestück fehlte allerdings der Schwung, es kam nur auf 180 000 Euro (200 000/300 000). Das heitere Karnevalstreiben im Antwerpen des 17. Jahrhunderts zeigt ein Sebastian Vrancx zugeschriebenes Ölbild. Die Szene, die sämtliche Stände und auch Gaukler aufmarschieren lässt, spielte 130 000 Euro (100 000/150 000) ein.

          Den Erwartungen entsprechend schnitt auch Giuseppe Bernardino Bisons Vedute „Palazzo Ducae und Riva degli Schiavoni“ ab, die ebenfalls 130 000 Euro (100 000/150 000) zum Gesamtumsatz beitrug. Dafür sorgte eine Paradies-Szene aus der flämischen Schule des 17. Jahrhunderts für einen Überraschungserfolg: Der dichtbevölkerte Garten Eden, der mit lediglich 20 000 bis 30 000 Euro bewertet war, sauste auf traumhafte 150 000 Euro. Die Pendants des Künstlers mit dem geheimnisvollen Namen Monsù Desiderio, der „Das brennende Troja“ und „Die Flucht von Aeneas und Anchises aus Troja“ geisterhaft-fantastisch auf dunklen Hintergrund bannte, fanden für gute 65 000 Euro (30 000/40 000) ihren Fan.

          Der wenig bekannte Venezianer Rinaldo Giudici ist der Star im Dorotheum bei den Werken des 19. Jahrhunderts: Seine Gondel-Szene „Ankunft des Besuchs“ setzt gelungen Farbakzente bei einem Damenempfang am Kanal; sie schaffte mit 110 000 Euro (80 000/ 120 000) eine neue Bestmarke für den 1921 gestorbenen Künstler. Einen weiteren Künstlerrekord bescherte eine fast zwei Meter lange Küstenlandschaft ihrem Schöpfer Menci Clement Crncic aus Zagreb, mit dem Zuschlag bei 60 000 Euro (20 000/25 000).

          Zweimal versteigert, Preis halbiert

          Viel Anklang fand das aparte Damenporträt „Diane de la Bouchère“ von Vittorio Matteo Corcos, das nicht zuletzt durch die Texturen seiner Oberfläche punktete und 150 000 Euro (120 000/ 160 000) erzielte. Aus der rumänischen Moderne setzte sich das Gemälde „Die Spinnerin“ von Nicolae Grigorescu mit 140 000 Euro (90 000/110 000) durch. Waldmüllers Genrebild „Die Kranzljungfer“ ist nun schon zweimal im Dorotheum versteigert worden: Waren es im Jahr 2010 noch 360 000 Euro, so musste sich der Einlieferer des frühlingshaften Bilds jetzt mit fast nur dem halben Preis von 200 000 Euro (200 000/250 000) begnügen.

          Die 119. Kunstauktion beim Konkurrenzhaus Im Kinsky ließ hochkarätige Lose vermissen. Aus dem Angebot der Alten Meister wechselte das Tafelbild „Die Kartenspieler“ vom Barockmaler Johann Georg Platzer für 32 000 Euro (30 000/40 000) den Besitzer. Als das höchste Ergebnis bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts gingen die „Ruhenden Hirsche“ der Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth mit dem Hammer bei 160 000 Euro (100 000/200 000) vom Platz. Die idyllische „Schmiede bei Bisamberg“ von Olga Wisinger-Florian, entstanden um 1894, erlöste 58 000 Euro (35 000/70 000), und Franz Defreggers alpenländische Kinderschar „Auf dem Schulweg“ aus dem Jahr 1890 wurde mit 45 000 Euro (25 000/50 000) honoriert.

          Quelle: F.A.Z.

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