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Wiener Auktionen Spiegel, Zahlen, Berge

 ·  Adolf Luthers tiefer Blick in einen Hohlspiegel und Alfons Waldes weiter Blick über die Alpen. Unsere Vorschau auf die Auktionen im Dorotheum und bei Hassfurther in Wien.

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Mit raffinierten Effekten lockt die kommende Zeitgenossen-Auktion im Wiener Dorotheum am 29 .November; zwei Wandobjekte von Adolf Luther fangen den Blick in Hohlspiegeln, die das wechselhafte Bild auf den Kopf stellen und multiplizieren: „Sehen ist schön“, teilt der Verfechter einer entmaterialisierten Kunst auf der Rückseite seiner quadratischen Plexiglasbox von 1988 mit, die nun für 70.000 bis 90.000 Euro einen neuen Besitzer sucht. Im 260 Lose umfassenden Angebot liegt von Günther Uecker das 1961 entstandene Objekt „Taktile Struktur“ vor, dessen Nagelspitzen rotieren können: Wer das Nägelklappern bei sich zu Hause hören will, muss 140000 bis 180000 Euro bereithalten.

Enrico Castellani schuf 1988 die mit Strukturpunkten durchsetzte, rhomboide Leinwand „Superficie Bianca“, deren Erscheinungsbild von der Beleuchtung abhängt (Taxe 100.000/160.000 Euro). Nur 12,5 mal 20,5 Zentimeter misst Alberto Burris von Rissen und Furchen durchzogene Arbeit „Bianco Cretto“ (110.000/140.000), und von Yves Klein kommt ein typisch-blauer Schwamm zum Aufruf (80.000/90.000). Zwölf antike Nähmaschinen rahmen die 2,7 mal 4,3 Meter große Eisenwand, die Jannis Kounellis mit Feuerspiel erdachte: Aus Kupferrohren sollen von Propangas gespeiste Flammen das Werk erhitzen (130000/200000). Mit Messingschablonen schuf Robert Indiana von 1964 an die Serie „Exploding Numbers“, von der nun das Gemälde „Eight“ auf den Markt kommt; für den an Zahlenmystik interessierten Künstler symbolisiert die rote „8“ vor braunem Grund das reife Leben (100.000/150.000). Auf die „Nr. 6“ griff Mario Schifano 1960 zurück und malte sie mit Emailfarbe auf Papier auf Leinwand (70.000/100.000).

Ein Höhepunkt österreichischer Kunst liegt etwa mit Hundertwassers frühem Spiralengemälde „Globulant“ vor (220.000/280.000), und bereits 1952 entstand die „Konstruktion TRR“, die Arnulf Rainer mit breiten Pinseln malte (120.000/160.000). Am Vorabend des Wiener Aktionismus schuf Alfons Schilling seine großen gestischen Malereien (90.000/130.000). Erwin Wurm lässt einer kopflosen Männerfigur eine „Ärgerbeule“ aus dem Unterleib wachsen (60.000/90.000). Wie Alfons Schilling bereits 1962, ließ Damien Hirst bei seinen „Spin Paintings“ die Leinwand rotieren; eines dieser spritzigen Gemälde soll nun 50.000 bis 60.000 Euro bringen. Märchenhaft mutet Daniel Richters „Winterreise1“ an (35000/45000), und Gartenzwerge musizieren auf der Fotografie „Blanche Neige“ der Franzosen Pierre&Gilles, einem Unikat (20.000/25.000).

Von Daniel Libeskind erleuchtet

Das Spitzenlos der Klassischen Moderne am 28.November stellt der frühe „Nu dans l’atelier“ von Toulouse-Lautrec dar: Das um 1890 geschaffene Profilbild wurde auf 400.000 bis 600.000 Euro geschätzt. Von Schiele lockt diesesmal kein nacktes Fleisch, sondern das 1907 gemalte Ölbild „Haus in Hütteldorf“ (140.000/220.000). Im ausklingenden Klimt-Jahr bietet das Dorotheum noch sechs Zeichnungen auf, darunter ein Frauenporträt im Profil (32.000/ 42.000). In Cézannes Fußstapfen tritt Anton Faistauer mit seinem „Obststillleben mit Kanne“ (90.000/140.000). Das früheste unter zahlreichen Werken de Chiricos stammt von 1931 und zeigt zwei von Ornamenten umrankte Häuser (90.000/120.000).

Erwähnt seien Bernard Buffets hochformatiges Stillleben mit Mohnblumen von 1964 (60.000/80.000) und Mirós symbolhafte Malerei von 1977 (120.000/160.000). In der Sparte Design funkelt am 27. November ein monumentaler Luster vom Architekten Daniel Libeskind, dessen bunte LED-Lichter digital gesteuert werden können: Der Preis für das 2,7 Meter hohe, innen vergoldete Lichtobjekt liegt bei 340000 bis 450000 Euro. Gewagte Formensprache beweist auch Zaha Hadids „Z.Chair“ aus hochglanzpoliertem Edelstahl (190.000/ 230.000). Zu den historischen Raritäten zählt ein geschwungener Schrank von Gio Ponti und Piero Fornasetti, um 1940, der üppig mit Hinterglasmalerei geschmückt ist (95.000/130.000).

Das Auktionshaus Hassfurther konzentriert sich am 27. November auf sein Kerngeschäft - das Angebot führt abermals in die Berge Tirols: Für Alfons Waldes „Einsame Alm mit rotem Schifahrer“ im originalen Rahmen werden 100.000 bis 200.000 Euro erwartet, sein eher untypisches Bauernbild „Einsame Hausung“ kostet 80.000 bis 160.000 Euro. Oskar Mulleys monumentale Bergbilder sind immer noch vergleichsweise günstig, wie ein „Bergbauernhof“ für 20.000 bis 25.000 Euro. Ein Schwerpunkt liegt auf dem weitgereisten Wiener Maler Carl Fahringer (1874 bis 1952), der auf Bali einen „Hahnkampf“ mit lokalem Publikum einfing (80.000/ 140.000); er hatte sich auf Tierdarstellungen spezialisiert (von 5000 Euro an). Der zweite Fokus richtet sich auf Bücher, Graphiken und Autographen des Hauses Habsburg.

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25.11.2012, 06:17 Uhr

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