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Gallery Weekend : Wieder Leben im Westen

Berlin wird wieder groß: Die Galerien konzentrieren sich nicht mehr nur in Mitte. Zum Gallery Weekend öffnen neue Räume in der ganzen Stadt.

          Ein leicht reduziertes Feld von 47 Teilnehmern, 2016 waren es noch 54, bildet diesmal den harten Kern des Gallery Weekend in Berlin. Wie schon üblich, sortieren sich außen herum die anderen, immer noch unzählbaren Berliner Galerien. Was aber vor allem ebenfalls Tradition hat, ist die hohe Qualität der Werke, die von den Wochenend-Galeristen bereitgehalten werden. Die Hauptstadt ist da am Höhepunkt ihrer Professionalität in Sachen Kunst. Und auch der Willkommensempfang gab sich ausgesprochen seriös und inspiriert: Im von Frank Gehry gestalteten Pierre Boulez Saal der Barenboim-Said-Akademie gab es für die Gäste das Konzert zweier junger Musiker. Also statt (oder neben) Weißwein in Strömen die beste Einstimmung auf die Beschäftigung mit der Kunst.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Allgemein herrscht die Ansicht, dass es ruhiger geworden ist, der Rummel ist etwas abgeschwollen. Die Amerikaner seien nicht mehr so stark vertreten, heißt es; sie werden offenbar schon seit ein paar Jahren weniger. Aber es könnte ja der Kunst durchaus guttun, wenn statt der Karawanen die Kenner dominieren. Von denen ließen sich viele bei der Eröffnung der Räume von Esther Schipper sehen, in der Potsdamer Straße, über dem Kleiderladen von Andreas Murkudis. Während in den Etagen der Galerie von Blain/Southern Jonas Burgert noch an einem seiner großen Porträts – dort hängt auch sein Extrem-Breitformat „Zeitlaich“ – malte, war ganz oben alles fertig angerichtet in der von Selldorf Architects und der Berliner S1-Architektur umgestalteten, neuen Lokalität. Die ersten Ausstellungen gelten eleganten Skulpturen von Angela Bulloch und einer riesigen eindrucksvollen Videoinstallation von Anri Sala: Ein Klavier spielt die Melodie der Marseillaise und der Internationale mit dem Versuch, sie zur Überschneidung zu bringen.

          Geistreiches Spiel mit Hugo von Hofmannsthal

          Es stimmt weiterhin: Das inzwischen oft kopierte Galeriewochenende Berlins bündelt Energien, ohne dass alles räumlich gequetscht ist, die ganze Stadt bietet Auslauf, über sie sind die Galerien in Clustern verteilt. In Mitte, in seinem Quartier in der Jüdischen Mädchenschule, hat Michael Fuchs eine Hommage für die Schauspielerin Isabelle Huppert eingerichtet. „Behind the Screen“ versammelt Werke von Marco Brambilla – die feine Videoarbeit „Monologue, Isabelle Huppert“ (Auflage5; 18 000 Euro) –, Douglas Gordon, Oda Jaune, Christian Jankowski – witzige Zeichnungen von Künstlern des Montmartre (je 7000 Euro) – und vor allem Roni Horn. Ihr „Portrait of an Image“ von 2005 zeigt Hupperts ungeschminktes Gesicht in hundert verschiedenen Fotografien – und Gefühlszuständen. Ein paar Häuser weiter wird es beinah minimalistisch, wenn Olaf Nicolai mit einer genau 29,79 Meter langen Glasperlenkette (95 000 Euro) den Raum der Galerie Eigen+Art umfasst: das Ganze im geistreichen Spiel mit Hugo von Hofmannsthals „Märchen der 672. Nacht“, dem auch eine spezielle Edition gewidmet ist (Auflage 300; je 90 Euro).

          Auf der Malerei liegt tatsächlich ein Schwerpunkt. Beste Beispiele dafür sind Charline von Heyl bei CapitainPetzel, Günther Förg bei Max Hetzler oder Michel Majerus bei Neugerriemschneider. Natürlich ist dieses alte Medium am ehesten wohnungstauglich, aber auffällig ist zugleich die völlige Abwesenheit jeglicher netzaffiner Produktion. Dafür gibt es wieder sehr gute Skulptur, wie unter dem Motto „Plattenbau“ die großen schönen Aluminiumplastiken von Olaf Metzel bei Wentrup. Oder da ist auch Bernd Lohaus bei Daniel Marzona. Endlich haben „Alte Meister“ ihren Auftritt, wie Jürgen Klauke bei Guido Baudach. Es bleibt an diesem Wochenende also viel zu tun in Berlin – und nicht zu übersehen ist noch eine Bewegung: Sie ließe sich die Rückkehr in den Westen heißen.

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