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Symposium und Sachbuch : Wie Hitler sich als Kunstmäzen aufführte

  • -Aktualisiert am

Auf den „Großen Kunstausstellungen“ von 1937 bis 1944 in München wurden die Werke auch verkauft. Die Arbeiten und die Künstler, aber auch Preise und Käufer sind jetzt dokumentiert.

          Zu den besonders üblen Bilddokumenten der nationalsozialistischen Kulturpolitik zählen einige Fotografien von Hitler samt Entourage beim Besuch der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ im Juli 1937. Die Feme-Schau wurde in den Räumen des Archäologischen Instituts ausgerichtet – nicht etwa, wie man immer noch in einem Reflex meinen könnte, im heutigen Haus der Kunst. Dort war tags zuvor, am 18. Juli 1937, die „Große Deutsche Kunstausstellung“ eröffnet worden und damit zugleich auch jener Monumentalbau, der nach einem Entwurf des Architekten Paul Ludwig Troost eigens für die Propaganda-Schau erbaut worden war. Auch bei dieser feierlichen Eröffnung erschien Hitler.

          Das „Haus der Deutschen Kunst“, wie es ursprünglich hieß, war das Prestigeobjekt der Nationalsozialisten auf dem Gebiet der Kultur schlechthin. Es ersetzte den 1931 abgebrannten Glaspalast, in dem populäre, große Künstlerausstellungen stattgefunden hatten. Um die anstehende Generalsanierung des Hauses der Kunst ist zuletzt eine Debatte entbrannt, namentlich, wie berichtet, um den Plan des Büros David Chipperfield, die Bäume vor der Säulenreihe zu entfernen und diese damit wieder voll sichtbar zu machen. Unterdessen befasst sich am kommenden Dienstag ein Symposium unter anderem mit dem Archiv des Hauses, das sich als außerordentlich ergiebig erwiesen hat, um die ideologische, aber auch die ökonomische Bedeutung der Ausstellungen detaillierter verstehen zu können.

          Die Parteispitze als Käuferklientel

          Acht Ausgaben erlebte jene „Große Deutsche Kunstausstellung“ bis 1944 – nach Hitlers Verlangen hätte sogar noch 1945 eine solche stattfinden sollen –, seit 1938 wurden sie akribisch in Kontenbüchern dokumentiert. Diese lagerten, wie auch Korrespondenzen und Marginalien aller Art, jahrzehntelang unbemerkt im Keller, bis sie 2004 entdeckt wurden. Als Leiterin des Archivs hat Sabine Brantl in den vergangenen Jahren das „Haus der Kunst als Wirtschaftsunternehmen“ erforscht und, in Zusammenarbeit mit dem Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte und dem Deutschen Historischen Museum Berlin, nicht nur sämtliche teilnehmenden Künstler und ihre Sujets und Gattungen in einem Online-Auftritt aufgearbeitet: Bekannt und veröffentlicht sind auch Preise und Käufer, soweit sie sich zuordnen ließen.

          Der Zulauf von 7000 Bewerbungen von 1937 bis 1944 lässt sich demnach nicht nur durch die seit Ausbruch des Kriegs ohnehin immer seltener gewordenen Ausstellungsmöglichkeiten für freie Künstler in Deutschland erklären. Eine Teilnahme an der „Großen Kunstausstellung“ versprach Verkäufe. Von 12 550 ausgestellten Skulpturen, Gemälden und Graphiken fanden denn auch rund 7000 Werke ihre Abnehmer, die Erlöse beliefen sich auf insgesamt neunzehn Millionen Reichsmark. Als hauptsächliche Käuferklientel weisen die Kontenbücher die Parteispitze aus: Allein dreizehn Millionen Reichsmark entfallen auf Minister, Gauleiter, Oberbürgermeister; mehr als die Hälfte davon – mit 6,8 Millionen Reichsmark – gehen auf Hitler persönlich zurück, der 1324 Werke erwarb. Der „Führer“ ging als „mäzenatisches“ Beispiel voran und machte als Sammler der regimetreuen Kunst auch parteiintern Politik. Parteibonzen wie Goebbels, Bormann, Göring, Himmler folgten mit Käufen im Gesamtwert von 1,63 Millionen bis 128 000 Reichsmark. Albert Speer, Architekt und seit 1942 Rüstungsminister, erwarb eine marmorne Aktgruppe „Francesca da Rimini“ von Josef Thorak für 200 000 Reichsmark, die zu den teuersten Werken überhaupt zählte.

          „Hitler kaufte von jedem etwas, Stillleben mit Erdbeeren, Landschaften, Aktdarstellungen. Vieles hatte einen betulichen Touch“, sagt Sabine Brantl über die Erwerbungen Hitlers. Nur weniges fand indessen Verwendung wie das 1937 ausgestellte Triptychon „Die Vier Elemente“ von Hitlers Lieblingsmaler Adolf Ziegler, das den Führerbau schmücken sollte. Der Großteil der Käufe in den unteren Preissegmenten landete im Depot.

          Völlig isoliert vom internationalen Handel

          Befremdliche Fotos sind auch von dem oberstem Juror und Zensor überliefert, auf denen Hitler die auf dem Boden ausgebreiteten Bilder mustert. „Hitler hat sich immer alles vorher angesehen“, so Brantl. Als Kunstrichter duldete er neben sich allenfalls seinen Leibfotografen Heinrich Hoffmann, einen ausgewiesenen PR-Manager seiner Zeit, der mit der Verbreitung von Postkarten und Kunstdrucken ein Vermögen verdiente. Noch zu Zeiten akuter Papierknappheit im Jahr 1944 wurde der Katalog der „Großen Kunstausstellung“ in einer Auflage von 100 000 Stück gedruckt.

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