http://www.faz.net/-gqz-usgg

Weltrekord für Fang-Figur : Lady aus Gabun

  • Aktualisiert am

Unauffällig war sie zwischen Pfeilen und Macheten im Auktionsangebot von Hermann Historica versteckt. Doch der internationalen Kennerschaft blieb ihre Attraktivität nicht verborgen: Mit 520.000 Euro erzielte eine Fang-Figur aus Gabun einen Weltrekord für afrikanische Skulpturen.

          Selbst vollkommen vom Ereignis überrascht, meldet Hermann Historica in München den Weltrekord für eine Fang-Skulptur. Kurios genug, legte das eigentlich auf Orden, alte Waffen und Militärhistorie spezialisierte Haus damit auch gleich den deutschen Auktionsrekord für eine afrikanische Skulptur hin.

          Zwischen Mengen von Pfeilen, Macheten und Wurfmessern des Kontinents seiner Herkunft versteckt, wartete das rare Stück auf seine Entdecker: Eine kleine weibliche Figur mit Flechtfrisur, breiten eisernen Armreifen und Halsring, in einem Stück geschnitzt mit dem Behälter, auf dem sie steht. Der enthält - eine Seltenheit - noch seine magischen Substanzen, und er ist zu deren Sicherung mit einer Reptilienhaut umspannt und fest umschnürt. Die Taxe sah 800 Euro für das Los vor, dem man noch zwei Schöpflöffel beigepackt hatte.

          Dem Kennerblick blieb's nicht verborgen

          Tatsächlich war der internationalen Kennerschaft dieser im Katalog nur vage mit „Zentralafrika vor 1918“ klassifizierte Ritualgegenstand sogar in seiner fremden Umgebung nicht verborgen geblieben: Nicht mehr als drei in Erhaltung und Qualität vergleichbare Objekte sollen weltweit bekannt sein; da dürften sich die Buschtrommeln in der Afrikana-Szene eifrig gerührt haben. Anfängliches Kleingeplänkel lenkte ein laut in den Saal gerufenes Gebot von 100.000 Euro in realistische Bahnen. Zugeschlagen wurde die Lady aus Gabun aber erst bei 520.000 Euro einem Händler, der einen Privatauftrag aus der Schweiz hatte. Unterbieter blieb der berühmte Pariser Händler Alain de Monbrison.

          Ein anderes Highlight der erfolgreichen sechstägigen Auktionen wurde ein um 1350 geschmiedeter Plattenrock auch deshalb, weil dieser auf der Burg Hirschstein bei Passau gefundene, älteste bekannte bayerische Harnisch im Land bleibt: Das Ingolstädter Armeemuseum erwarb ihn für 66.000 Euro (Taxe 20.000). Als neuerliche Kostprobe schier ungebremster russischer Kaufkraft und -lust sei der Orden vom Weißen Adler erwähnt, ein fein gestickter Bruststern von 1840, der von 3500 auf 34.000 Euro schnellte, oder auch ein Hirschfänger, den „Schaf & Söhne“ 1882 in St. Petersburg datierten: Diese feine Blankwaffe, deren Knauf ein Bärenkopf aus Messing ziert, brachte es statt auf 1500 auf glatte 50.000 Euro.

          Quelle: F.A.Z., 12.05.2007, Nr. 110 / Seite 28

          Weitere Themen

          Über sechs Stunden in der Luft Video-Seite öffnen

          Weltrekord : Über sechs Stunden in der Luft

          Der Niederländer Jarno Cordia hat selbst seine eigenen Erwartungen übertroffen: Sechs Stunden flog er mit seinem Wingsuit in einem Windtunnel in Stockholm. Und er berührte nicht einmal den Boden – das schreit nach einem Weltrekord.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Auf der chinesischen Mauer: Die Spannung zwischen Peking und Washington wächst offenkundig.

          Amerika gegen China : Jetzt also doch der Handelskrieg?

          Der Ton wird rauer zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Donald Trump droht Peking eine gewaltige Geldbuße an. Doch das Verhältnis zwischen den Supermächten ist hochkompliziert – nicht nur wirtschaftlich.
          Eine Diskussionsveranstaltung zu den Berliner Studentenunruhen hinter dem Bockenheimer Studentenhaus in Frankfurt.

          Fünfzig Jahre nach 1968 : Die Zeiten konnten nicht finster genug sein

          Vom Familienrecht bis zur öffentlichen Dauerentrüstung: Wer sich heute über das „versiffte links-rot-grüne 68er-Deutschland“ ereifert, übersieht, wie viel er in der eigenen Lebensführung jenen Protesten verdankt. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.