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Buchauktionen : Was ist Metaphysik?

  • -Aktualisiert am

In München werden bei Hartung & Hartung und Zisska & Lacher wertvolle Bücher und Autographen versteigert - darunter ein Typoskript Heideggers. Eine Vorschau

          Fünf Tage voller Chancen auf Schätze aus Papier bietet die Münchner Auktionswoche mit Büchern, Handschriften, Autographen und Graphik. Sie beginnt am 8. und 9. Mai bei Hartung & Hartung und findet ihren Fortgang vom 10. bis zum 12. Mai bei Zisska & Lacher.

          Hartung hält unter reich illuminierten Stundenbüchern eine kleinformatige Utrechter Handschrift des späten 15. Jahrhunderts bereit, deren fein gemalte Miniaturen unter anderem Christus als Weltenrichter darstellen, wie er auf einem Regenbogen aus Erdlöchern Auferstehende überschwebt (Taxe 35 000 Euro). Stephan Fridolins von Michael Wohlgemuth und Wilhelm Pleydenwurff mit Holzschnitten illustrierter „Schatzbehalter...“ liegt, 1491 bei Koberger in Nürnberg gedruckt, in erster und einziger Ausgabe der Inkunabelzeit vor (20 000). Dieselben Künstler machten Hartmann Schedels Buch der Chroniken zur reichstbebilderten Inkunabel überhaupt; erwartet werden 50 000 Euro für das altkolorierte Exemplar der ersten deutschen Ausgabe von 1493.

          Hitler, Röhm und Ludendorff

          Die geographische Abteilung wartet auf mit einer hübschen Sammlung größtenteils im 19. Jahrhundert verfasster Werke über Karlsbad, den „berühmten Gesundheitsort“. Venedigs Pracht feiert Antonio Visentinis „Urbis Venetiarum prospectus celebriores...“ in Erstausgabe mit wunderbaren Kupferstich-Veduten nach Canaletto (12 000), und Bayern tritt in Tracht auf mit Felix Joseph Lipowskys schöner, unterhaltsamer und rarer „Sammlung bayerischer National-Costume“, auch sie in erster, um 1830 erschienener Ausgabe (8000). Ein eigenes Kapitel füllen 75 Emblembücher einer privaten Sammlung. Allein das „Emblematum libellus“ von Andrea Alciatus, der als Begründer der Kunstform des Emblems gilt, steht in drei Ausgaben des 16. Jahrhunderts zur Wahl (Taxen 3200 bis 10 000 Euro). Auch dabei ist das berühmte „Der Fruchtbringenden Gesellschaft, Nahmen, Vorhaben...“ des Fürsten Ludwig zu Anhalt-Köthen, erschienen bei Matthäus Merian 1664 (30 000).

          Die Offerte von Zisska & Lacher sorgt für Aufsehen mit einer Einlieferung von Fotos, Autographen und Dokumenten aus der Zeit des Nationalsozialismus und aus dem inneren Zirkel der braunen Macht; Vieles, wenn auch wenig Inhaltsschweres ist geboten: von der Visitenkarte Eva Brauns (600) über eine golden signierte Weihnachtskarte Hitlers (1000) bis zu Briefen zahlreicher NS-Politiker. Ein bislang unbekanntes Gruppenfoto zeigt die Putschisten um Hitler, Röhm und Ludendorff, aufgenommen am Tag der Urteilsverkündung 1924 vom Partei-Fotografen Heinrich Hoffmann (10 000). Ebenfalls unbekannt – und wissenschaftlich wohl ergiebiger – ist das Unikat einer 1944 verfassten und mit vielen Fotos ausgestatteten Festschrift für Adolf Müller, seines Zeichens Verleger und Drucker von „Mein Kampf“ und des „Völkischen Beobachters“ (10 000). Für immerhin etwas Gegengewicht sorgen Widerstandskämpfer: ein Amtsschreiben Stauffenbergs (2000) und Briefe von Harro Schulze-Boysen aus dem Jahr seiner Hinrichtung 1942 (800).

          Doch stecken im annähernd 3000 Nummern führenden Katalog andere Lose, die Aufmerksamkeit verdienen. Da wäre eine komplette Abschrift von Mozarts „Alla Turca“-Sonate, die ein Wiener Kopist wohl nach dem nur in Bruchstücken erhaltenen Autographen anfertigte und laut Mozart-Forscher Wolf-Dieter Seiffert einen „faszinierenden Einblick in die Genese der Sonate“ bietet (25 000). Bisher unbekannt wie diese Noten war auch ein Typoskript der Vortragsfassung von Heideggers Freiburger Antrittsvorlesung „Was ist Metaphysik?“ im Jahr 1929, die sich sogar in den Kernaussagen erheblich vom gedruckten Text unterscheidet (8000).

          Als Einbandmakulatur überlebten zwei karolingische Manuskriptblätter des 8. Jahrhunderts die Zeiten. Sie überliefern Texte des griechischen Arztes Dioskurides, der im ersten nachchristlichen Jahrhundert lebte. Diese Seiten seiner „Materia medica“ handeln von Weinsorten und ihrer medizinischen Wirkung (8000).

          Quelle: F.A.Z.

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