Die Topographie der Gerüchte auf dem globalen Kunstmarkt ist etwas ganz besonders Feines. Denn schon allein das Gelände ist voller Fährnisse, sumpfig und glitschig an manchen Stellen, so dass einer, schwups, hinabgesogen werden kann, schlimmstenfalls auf Nimmerwiedersehen. Aktuell kann man das an der einst berühmten New Yorker Galerie Knoedler beobachten, die just schließen musste, ohne weiteren Kommentar, aber jedenfalls hineingeraten in den noch keineswegs ergründeten Strudel eines Skandals um gefälschte Abstrakte Expressionisten.
An anderen Orten ist das Terrain eher vermint, bis einer von der Belegschaft die Bombe platzen lässt: so geschehen, als vor gut einem Jahrzehnt die Auktionshäuser Christie's und Sotheby's wegen geheimer Preisabsprachen dran waren. Weil Christie's Selbstanzeige erstattet (vulgo: gepetzt) hatte, kam das Personal des Hauses straffrei davon.
Von der Rückkehr des Rumors
Die Konkurrenz aber war fällig und musste obendrein 45 Millionen Dollar Strafe bezahlen (beide Erzrivalen übrigens je 256 Millionen Dollar an Käuferentschädigungen). Verglichen mit solchen Folgen, sind die lustigsten Gerüchte vom Kunstmarkt ziemlich harmlos - allerdings ausgesprochen effizient, wenn gelinder Wahnsinn verbreitet werden soll, um dafür Nachahmer zu finden, genauer Überbieter. Es geht um die Meldungen von immer neuen Rekordpreisen, die für Kunstwerke bezahlt worden sein sollen, irgendwo in einer Weltgegend.
Prinzipiell ist China dafür gut: Doch wer prüft dort die Zahlen? Beträchtlicher ist der Unterhaltungswert solcher Kolportagen aus der gewohnten Alten und Neuen Welt. Und ein Spielverderber ist, wer darüber schweigt - hiermit also: Schon seit geraumer Zeit geht die Rede davon, dass für ein Gemälde von Cézanne aus der Serie seiner insgesamt fünf „Kartenspieler“ mehr als 250 Millionen Dollar (wieso eigentlich immer dieses: mehr als?) bezahlt worden sein sollen.
Das ist wahrhaftig kein Geheimwissen mehr. Es steht auch schon lang und breit (immerhin als unbestätigt ausgewiesen) auf der Wikipedia-Seite „Liste der teuersten Gemälde“, die auch sehr spaßig ist. Aber nun ist der Rumor wieder an die Oberfläche gedrungen: Gekauft haben soll den Cézanne im vergangenen Jahr die Herrscherfamilie von Qatar. Vorbesitzer des Bilds war der griechische Reedermilliardär Georges Embiricos. Und jetzt? Wartet man am besten auf die 300-Millionen-Dollar-Grenze. Kommt Zeit, kommt Gerücht.