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Vulliamy in Besançon Surrealer Reiz

22.02.2012 ·  Wiedersehen mit einem fast Vergessenen: Das Museum von Besançon zeigt Zeichnungen und Radierungen von Gérard Vulliamy.

Von Angelika Heinick
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Der Name Gérard Vulliamy ist dem Publikum heute wenig geläufig. Der Maler Schweizer Herkunft, der 1909 in Paris geboren ist und dort bis zu seinem Tod 2005 gelebt hat, gehörte in den dreißiger Jahren zu den Mitstreitern des Surrealismus. Mit der Ausstellung „Gérard Vulliamy. Les dessins surréalistes 1930-1947“ zeigt das Musée des Beaux-Arts in Besançon den etwas in Vergessenheit geratenen Maler zum ersten Mal in musealem Rahmen seit den bislang einzigen Schauen 1962 in Darmstadt und 1978 im Musée Picasso in Antibes. Als Vorgeschmack auf die Retrospektive des Lebenswerks Gérard Vulliamys, die in ein paar Jahren in Paris stattfinden soll, beleuchtet die Ausstellung in Besançon die vielfältige, vor allem in der surrealistischen Periode entwickelte Zeichen- und Radierkunst des Malers.

Gérard Vulliamy gehörte nicht zu den Pionieren des Surrealismus. Er war zu jung, um wie Max Ernst, André Masson, Joan Miró, Salvador Dalí oder René Magritte zur Zeit des 1924 ausgerufenen „Surrealistischen Manifests“ von André Breton dabei zu sein. Nach dem Studium der Lehren des Kubismus auf der Académie André Lhote schloss Gérard Vulliamy sich 1932 der mehrere hundert Mitglieder - darunter Kandinsky, Robert Delaunay oder Auguste Herbin - umfassenden Gruppe „Abstraction-Création“ an; schon im folgenden Jahr widmete die Galerie Pierre Loeb dem jungen Maler eine Einzelausstellung. Obwohl er, wie er später anerkannte, Robert Delaunay die Kenntnis der „Bedeutung der Farbe“ verdankte, fühlte er sich rasch von den Phantasmagorien, den fließenden Formen und Figuren und der Erforschung des Unbewussten durch den Surrealismus angezogen.

Auf Hieronymus Boschs Spuren

Die zahlreichen Tusch- oder Bleistiftzeichnungen sind meist Vorstudien zu den seltenen, aber umso sorgfältiger ausgearbeiteten Gemälden wie „L’Hommage à de La Tour ou La mort de Saint-Sébastien“, „Le mystère de la Nativité“ oder sein bekanntestes Ölbild „Le Cheval de Troie“ von 1937. Ähnlich wie Dalí hat Gérard Vulliamy sich altmeisterliche Maltechniken angeeignet; im Labor des Louvre erlernte er die Lasurtechnik der italienischen Renaissancemaler.

Nicht nur Georges de la Tour, dessen Werk in den dreißiger Jahren durch den Kunsthistoriker Charles Sterling wiederentdeckt wurde, fand bei Vulliamy ein Echo, sondern auch Hieronymus Bosch, insbesondere in der detailreichen, unheimlichen Vision des „Trojanischen Pferds“. Die großformatige Holztafel ist das einzige Ölgemälde der Ausstellung in Besançon. Es wurde erstmals 1937 in der Gruppenausstellung „Neue Kunst in der Schweiz“ in der Kunsthalle Basel gezeigt. Im Jahr darauf hatte der Surrealismus mit der „Exposition Internationale du Surréalisme“ in der Galerie des Beaux-Arts in Paris seinen letzten großen Auftritt.

Eine engagierte Tochter

Dort lernte Gérard Vulliamy seinen zukünftigen Schwiegervater, den Dichter Paul Éluard, kennen. Nach dem Krieg besuchte er mit seiner Verlobten Cécile Éluard die psychiatrische Anstalt in Saint-Alban-sur-Limagnole in der Auvergne, ein Zufluchtsort für den Widerstand, wo auch Paul Éluard sich 1943 versteckt hatte. Gérard Vulliamy zeichnete viele Porträts der Patienten; acht dieser eindrucksvollen Bildnisse illustrieren Paul Éluards 1946 erschienene „Souvenirs de la Maison des Fous“.

Gérard Vulliamy genoss zu Lebzeiten ein hohes Ansehen. Denise René beispielsweise widmete ihm 1945 eine Retrospektive. Auf dem Markt ist er jedoch seit vielen Jahren kaum präsent. Zuletzt war er 2003 und 2004 in der Pariser Galerie Arnoux zu sehen. Seine Wiederentdeckung ist nicht zuletzt dem Einsatz seiner Tochter Claire zu verdanken, die mit ihrem Mann Giovanni Sarti in Paris eine renommierte Galerie für Altmeistergemälde führt. Vulliamys Werk hat, zumindest was seine malerisch und zeichnerisch fruchtbarste Periode des Surrealismus angeht, eine größere öffentliche Anerkennung verdient.

Bis 2. April. Die begleitende Monographie „Gérard Vulliamy“ von Lydia Harambourg (Editions RMN Grand Palais, Paris 2011) kostet 50 Euro.

Quelle: F.A.S.
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