http://www.faz.net/-gqz-9a1bq

Auktionen im Dorotheum : Gute alte neue Tendenzen

  • -Aktualisiert am

Das Wiener Dorotheum präsentiert in zwei Auktionen Werke aus Moderne und Gegenwart. Die aktuelle Offerte bringt einige Überraschungen. Eine Vorschau auf das Angebot.

          Sie leuchten in Juwelenfarben: Für Smaragdgrün und Pink entschied sich Lucio Fontana bei zwei seiner „Concetto Spaziale“ mit dem markanten Schlitz; sie schmücken die Zeitgenossen-Auktion im Wiener Dorotheum am 16.Mai. Das 46 mal 38 Zentimeter große Spitzenlos wurde, laut Lucio Fontana Foundation, von ihm eigenhändig 1964/65 in fluoreszierendem Fuchsia bemalt; zuletzt 1991 in Italien versteigert, tritt es nun mit 480.000 bis 650.000 Euro an. Auf 400.000 bis 600.000 Euro wird das grüne, etwas größere Exemplar aus dem Todesjahr 1968 geschätzt, das sein Einlieferer in den frühen siebziger Jahren erwarb.

          Im Dorotheum ist der starke Auftritt der italienischen Avantgarde schon fast Routine, doch die aktuelle Offerte birgt auch Überraschungen: so fünf Lose aus der Sammlung des 1993 gestorbenen Künstlers Gianni Colombo, der kinetische Kunst und Op Art sammelte. Zu den Weggefährten Colombos zählte der Venezolaner Jesús Rafael Soto, der wie Colombo Mitglied der Gruppe „Nuove Tendenze“ war. Im Jahr 1974 entstand Sotos raffinierte, 102 mal 172 Zentimeter große Komposition, die gemalte Linien mit Drähten und Nylonsaiten verquickt (240.000/ 320.000).

          Mit „Spazio elastico“ erdachte Colombo selbst ein Rasterbild mit Schnüren und Nägelchen, das sich verändern lässt (45.000/60.000). Auch Adolf Luthers Spiegelobjekte sind der Interaktion mit dem Betrachter verpflichtet; exakt 81 konkave und konvexe Rundspiegel vereinte er 1990 zu einem Bildquadrat (100.000/150.000).

          Am Beginn der Auktion steht jedoch ein Gemälde von Emilio Vedova, dem das Dorotheum 2017 einen Preisrekord setzte: Nun gelangt ein mit Furor gemaltes Ölbild aus Vedovas „Protestzyklus“ von 1953 zum Aufruf (280.000/380.000). Während dort Farbakzente zu finden sind, bleibt sein 1962 entstandenes Hochformat „Per la Spagna“ dem Schwarzweiß verpflichtet (100.000/150.000). Auch Philip Guston folgte in den Fünfzigern dem abstrakten Expressionismus. Sein vielfarbiges, mit Öl auf Papier geschaffenes Bild entstand aber in seiner Übergangsphase zur Figuration (300.000/ 400.000). An japanische Kalligraphie lässt Hans Hartungs Ölbild von 1963 denken, dessen Linien sich wie Mikadostäbchen überlagern (80.000/ 120.000).

          Egon Schiele liefert das Spitzenlos der Klassischen Moderne

          Unter den fast 400 Losen, die das Dorotheum in zwei Tranchen versteigert, sticht Warhols Doppelporträt „Two Diane Keaton“ hervor. Er verewigte die Schauspielerin vor silberfarbenem Hintergrund (200.000/ 300.000). Von der mit Mustern obsedierten Japanerin Yayoi Kusama kommt das hellblau-weiße Acrylbild „Nets21“ von 1997 (100.000/140.000). Die deutsche Künstlerin Katharina Grosse hat ihr 2,5 mal zwei Meter großes Ölbild aus dem Jahr 2000 in ein horizontal und ein vertikal bemaltes Farbfeld geteilt (70.000/90.000). Überhaupt versammelt die Auktion einen stattlichen Reigen deutscher Künstler, dabei ein collagiertes „Floß der Medusa“ von Anselm Kiefer (80.000/140.000) und eine kleine Abstraktion auf Karton Gerhard Richters (80.000/100.000).

          Das Highlight aus der österreichischen Kunsthistorie stellt Maria Lassnigs Porträt „Sammlerpaar“ dar, auf dem sie 1993 viel Einfühlungsvermögen in die Modelle bewies (100.000/ 190.000). Von Lassnigs Partner in frühen Jahren, Arnulf Rainer, schlagen die Lose einen weiten Bogen: Sie setzen mit der surrealistischen Zeichnung „Zur Psychologie des Eroberers“ von 1948 ein (40.000/55.000), bieten übermalte Fotografien der „Face Farces“ von 1969 (12.000/18.000) und gehen weiter zum roten Gemälde „Chaotisches Bild“ aus den siebziger Jahren (30.000/55.000).

          Bereits am 15.Mai werden im Dorotheum Werke der Klassischen Moderne versteigert. Das Spitzenlos liefert Egon Schiele, dessen „Kniender weiblicher Akt“ von 1914 allerdings von fremder Hand koloriert wurde; auf die Rückseite des Blatts hat Schiele einen Akt gezeichnet (350.000/500.000). Von seinem Mentor Gustav Klimt ist ein „Liegender weiblicher Halbakt“ bereits für 38.000 bis 58.000 Euro zu haben.

          Mehr hochkarätige Graphiken stammen von französischen Meistern: Um eine Tuschzeichnung handelt es sich bei dem „Portrait de femme avec un collier“ von Henri Matisse (280.000/500.000); von Edgar Degas gelangt eine Papierarbeit mit Pastell und Kohle, „Stehende Tänzerin, die Hände hinter dem Rücken“, zum Aufruf (200.000/300.000). Bei den Gemälden bietet Fernando Botero mit „L’Odalisque“ von 1998 seine üppige Vorstellung von orientalischer Schönheit dar (140.000/180.000). Von Giorgio Morandi liegt aus dem Jahr 1962 die Villenansicht „Cortile di via Fondazza“ vor (150.000/200.000), während Alfons Walde 1937 auf eine „Alpenweide im März“ führt (12.0000/ 20.0000).

          Weitere Themen

          Es fehlt der Realitätsbezug Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Dogman“ : Es fehlt der Realitätsbezug

          Der neue Film von Matteo Garrone ist kein schöner Film und spielt in einer Gegend, die wir oft nur aus dem Kino kennen: Auf der Rückseite Süditaliens. - Ob es sich trotzdem lohnt ihn zu sehen verrät Andreas Kilb.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.