Vorschau: Frühjahrs-Auktion bei Bassenge
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Frühjahrs-Auktion von Bassenge : Zwischen oben und unten

Die Frühjahrs-Auktion der Galerie Bassenge wartet mit Büchern und Autographen auf. Darunter finden sich Briefe von Robert Musil sowie Erstdrucke von Goethes „Götz von Berlichingen“ und Schillers „Die Räuber“.

          Luxuriös verpackt in einer mit türkisfarbenem Maroquinleder ausgekleideten Kassette, erwarten 89 Briefe des Ehepaars Martha und Robert Musil ein Gebot von 120 000 Euro, abzugeben auf der vom 17. bis zum 19.April dauernden Frühjahrs-Auktion bei Bassenge in Berlin. Empfangen hatte die biographisch inhaltsreichen Schreiben der Wiener Psychologe Gustav Johannes von Allesch, ein enger Freund des mit dem Romanfragment „Der Mann ohne Eigenschaften“ postum zu Weltruhm gelangten Schriftstellers. 45 000 Euro erzielen sollen sechs Briefe des Italieners Giorgio de Chirico, des Herolds der „Pittura metafisica“, an seinen deutschen Kollegen Fritz Gartz, in denen der glühende Nietzscheaner erklärt, er habe nach Lektüre des „Zarathustra“ die „tiefsten Bilder gemalt, die überhaupt existieren“.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Während eines einjährigen Studienaufenthalts in Berlin füllte Jean-Paul Sartre zwei Arbeitsexemplare der Schriften des Philosophen Edmund Husserl mit Anmerkungen; seine Auseinandersetzungen mit dem Vater der Phänomenologie stehen für 30 000 Euro zum Verkauf. Ein ablehnender Bescheid des „Kampfbunds für Deutsche Kultur“, das Aufnahmegesuch des Malers Emil Nolde betreffend, könnte die Gründe des nationalsozialistischen Feldzugs gegen die „entartete“ Kunst erhellen (Taxe 9000 Euro).

          Mit moderaten Preisen lockt die 400 Lose umfassende Sammlung des Kölner Bibliophilen Gerd Thur die anspruchsvollen Liebhaber von Erstdrucken deutscher Literatur des 17. bis 19.Jahrhunderts an: Als Rarität unter siebzig Losen ragt Goethes 1773 im Selbstverlag herausgebrachter „Götz von Berlichingen“ hervor (12 000). Acht Jahre später war Schiller mit den ebenfalls auf eigene Rechnung edierten „Räubern“ zur Stelle (7500). Im Jahr 1826 erschienen bei Cotta sechzig Gedichte des bereits geistig umnachtet im Tübinger Turm dahinvegetierenden Friedrich Hölderlin (4500).

          Eingereiht in die Sektion „Drucke vor 1600“ soll das 1551 unter Verwendung einer älteren Handschrift erstmals publizierte „Rechenbuch“ des Adam Riese 12 000 Euro einspielen. Unter den hochpreisigen Offerten weckt die für 58 000 Euro abrufbare Zeitschrift „La Caricature“ Aufmerksamkeit, deren Mitarbeiter Daumier, Grandville und Huot die postrevolutionären Missstände in Frankreich aufs Korn nahmen. Hochpolitisch orientiert war auch die „Arbeiter-Illustrierte Zeitung“ (AIZ) mit den Fotomontagen von John Heartfield; 43 Hefte sollen 1800 Euro kosten.

          Einblicke in die Hexenküche des Münchner Faschings

          Zwischen 1925 und 1929 erschienen, von Walter Gropius herausgegeben, die vierzehn Bände der Bauhausbücher; eine komplette Folge dieser Hommage an die wichtigsten Meister der Reformschule wird für 4000 Euro angeboten. Den internationalen Jugendstil feiern neunzehn Bände des illustren Periodikums „Pan“ mit den gesuchten Originalgraphiken von Toulouse-Lautrec, Peter Behrens und Henry van de Velde (14000).

          In das Gästebuch der Pariser Buchhandlung „Calligrammes“, eines zentralen Treffpunkts der Avantgarde, haben sich zwischen 1952 und 1976 unter vielen anderen Ernst Bloch, Manès Sperber, Max Ernst, Marino Marini, Paul Celan und Peter Handke eingetragen. Nun soll das Zeugnis der Erinnerung an lesefreudige prominente Zeitgenossen für 6000 Euro den Besitzer wechseln. Als Protagonistin der Schwabinger Bohème vermittelt die „Skandalgräfin“ Franziska zu Reventlow Einblicke in die Hexenküche des Münchner Faschings (400). In einem Brief an seine Schwester beschreibt Richard Wagner seine schwierige Position als Chef der Dresdner Hofkapelle und klagt, wie üblich, über Geldnot (1200).

          Mit einer Federzeichnung skizziert der schwäbische Dichter Eduard Mörike einen ländlichen Kaufmannsladen (6000), und Goethe souffliert einem puttenhaften Genius, der auf einer Plakette zu Ehren des Herzogs Carl August herbeifliegt, am 30.März 1826 die Zeilen: „Zwischen oben, zwischen unten/ Schweb ich hin zu muntrer Schau;/ Ich ergötze mich am Bunten/ Ich erquicke mich am Blau.“ Das Gefälligkeitsgedicht des Olympiers hat seinen Preis – 12000 Euro.

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