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Videokunst in Frankfurt : Die Befreiung des Löwen aus der Endlosschleife

  • -Aktualisiert am

In der Frankfurter Galerie von Anita Beckers zeigt Johanna Reich, wozu Malerei im Film fähig ist: In ihren Videoinstallationen zerstört sie Illusionen, indem sie neue schafft.

          Lautes Brüllen eines Löwen, dumpfe Schläge, hartes Kratzen, Klirren von Metall und Reißgeräusche - wir sind in der Video-Black-Box der Frankfurter Galerie von Anita Beckers. Johanna Reich, Jahrgang 1977, zeigt hier in ihrer Mehrkanal-Video-Installation „Liberation Day“ (6000 Euro) eine mit dunkelroter Ölfarbe bemalte Fläche, in deren Mitte der bekannte Metro-Goldwyn-Mayer-Löwe brüllt, allerdings in einer Endlosschleife. Das Video ist eine eindeutige Hommage an den amerikanischen Künstler Jack Goldstein und sein Werk aus dem Jahr 1975: Dort brüllt der Löwe zwei Minuten lang. Doch bei Johanna Reich kommt von links eine schwarz gekleidete und mit einer Kapuze vermummte Gestalt auf Stöckelschuhen ins Bild. Es ist die Künstlerin selbst. Sie hält eine Art Fleischer-Messer in der Hand und beginnt damit Risse in die rote Fläche zu reißen, erst von den Seiten, dann mitten durch den Kopf des Löwen. Auf den herabhängenden Papierfetzen und -streifen brüllt der Löwe weiter. Die Gestalt im Sprayer-Guerrilla-Look befreit den Löwen aus seiner Endlosschleife und verschwindet schließlich im schwarzen Loch, das sie in die Leinwand gerissen hat.

          Optische Täuschungen

          In einem Video wiederholt Johanna Reich den befreienden Akt durch Zerstörung: Sie zerreißt ein Marilyn-Monroe-Video (4000 Euro). Dann aber kehrt sie den Gewaltakt um: In „Horizont“ (3500 Euro) sehen wir sie wie gewohnt vermummt und von hinten. Sie malt einen breiten, waagerechten Streifen mit blauer Farbe auf weißen Grund. Das blaue Band, das nach und nach verläuft, ist im Film nicht mehr bloß Farbe: Wir sehen den Horizont zwischen Himmel und sich bewegendem Meer. In „On Fire“ (3000 Euro) beginnen Flammen hinter an die Wand gemalten Farbklecksen zu lodern. Das Feuer breitet sich aus, erfasst den Körper der Künstlerin und verschmilzt mit ihr. Auch in „Black Hole“ (4000 Euro) bringt die Künstlerin sich selbst zum Verschwinden: Die vermummte Gestalt kratzt in einem winterlichen Garten den Schnee kreisförmig vom Boden, wird eins mit der darunterliegenden schwarzen Fläche - und somit unsichtbar. Johanna Reich täuscht in der Schau „Behind the Screen“ den Betrachter, arbeitet mit Bewegung und Stillstand, indem sie Malerei und Film verbindet. Sie zerstört Illusionen, indem sie neue schafft.

          Parallel zur Ausstellung von Johanna Reich zeigt Anita Beckers monochrome Werke des Frankfurter Künstlers Norbert Frensch; Gemälde in verlaufenden Grau- und Schwarztönen, mit mal matter, mal glänzender Oberfläche (Preise um 4000 Euro), aus der Konturen und Flächen metallener Schalen aus schwarzem Grund hervortreten.

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