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Veröffentlicht: 10.09.2012, 04:20 Uhr

Versteigern in China Kleine Typologie des chinesischen Kunstmarkts

Banken, Staat, Armee, Funktionäre und die Millionäre: Sie sind in China Akteure einer Branche mit sehr eigenwilligen Gesetzen. Eine Bestandsaufnahme.

von MARK SIEMONS, Peking

Seitdem „Art Price“ China im vergangenen Jahr zum größten Kunstauktionsmarkt der Welt erklärte, schwankt der Boden. Äußerlich fügt sich der chinesische Markt den gewohnten Institutionen und Mechanismen ein, mit denen im Westen Kunstwerke in Waren verwandelt, ihre Werte und Preise bestimmt werden. Doch zugleich sind dort noch andere Regeln, Kräfte und Akteure wirksam. Wir geben einen ersten unvollständigen Überblick.

Ultra High Net Worth Individuals

Ihr Anteil steigt in China in einem markant schnelleren Rhythmus als im Rest der Welt (allein im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Menschen, die über mehr als hundert Millionen Dollar verfügen, um zwanzig Prozent zu), was dem globalen Spitzenkunstmarkt einen wesentlichen Schub verleiht. Laut dem New Yorker Wirtschaftstheoretiker Benjamin Mandel ist die Investition in hochpreisige Kunst insbesondere dann rational, wenn man an ein weiteres Auseinanderdriften der extrem Reichen und der übrigen Menschheit glaubt; die alternative Ökonomie dieser Bevölkerungsschicht entwickle sich nicht im Gleichklang mit der allgemeinen Wirtschaft, sondern zum Teil gegenläufig.

Seit 2009 treten die chinesischen Ultra High Net Worth Individuals vermehrt als Käufer vor allem traditioneller chinesischer Kunst in Erscheinung. Als Prototyp gilt das Ehepaar Liu Yiqian und Wang Wei, das in den vergangenen zwei Jahren fast zwei Milliarden Yuan für Kunst ausgegeben haben soll, allein 65,5 Millionen Dollar für das 1946 gemalte Tuschebild „Adler auf einer Pinie“ von Qi Baishi; zur Zeit bauen sie für ihre Sammlung in Schanghai ein „Drachenkunstmuseum“. Sie wolle, lässt sich Frau Wang zitieren, den reichen chinesischen Hausfrauen beibringen, wie man mehr Geschmack beim Geldausgeben zeigen könne.

Volksbefreiungsarmee

Betreiberin des wichtigsten chinesischen Auktionshauses, Poly International Auction, das nach Sotheby’s und Christie’s zur Zeit das drittgrößte Auktionshaus der Welt ist, ist die Volksbefreiungsarmee. Was heute die Streitkräfte der Volksrepublik sind, war ursprünglich die 1927 gegründete Rote Armee der Kommunisten im Bürgerkrieg mit der Kuomintang. Seit 1983 betreibt die Volksbefreiungsarmee im Joint Venture mit einer Handelsfirma das Unternehmenskonglomerat China Poly Group Corporation, das außer im Waffenhandel vor allem im Immobiliengeschäft und in der Kultur tätig ist. Öffentlich bekannt wurde sein Rückkauf von bedeutenden chinesischen Kulturgütern, die nach Plünderungen vor allem im 19. Jahrhundert über die ganze Welt verstreut sind, unter anderem drei der bronzenen Tierköpfe aus dem von britischen und französischen Truppen 1860 zerstörten Alten Sommerpalast; sie werden in einem kleinen Museum in der Konzernzentrale gezeigt. 2005 machte das Konglomerat das Auktionshaus auf, dessen Verkäufe im vergangenen Jahr auf mehr als 250 Millionen Dollar geschätzt wurden.

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