http://www.faz.net/-gqz-742tz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.11.2012, 06:13 Uhr

Verhaftungen in Spanien Alles legal und sauber?

Der spanischen Polizei ist ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen. Nebenbei enthüllt die Operation spanisch-chinesische Vetternwirtschaft im Kunstbetrieb.

von Clementine Kügler, Madrid

Der chinesische Geschäftsmann Gao Ping wird verdächtigt, der Kopf einer ausgeklügelten Bande für großangelegte Geldwäsche in Spanien zu sein. Zu deren Aktivitäten gehörten Zigarettenschmuggel, Produkt- und Dokumentenfälschung. Verhaftet wurden fast hundert Personen in der sogenannten „Operation Kaiser“ - und natürlich spielt da auch die Kunst ihre Nebenrolle. Der als Drahtzieher verdächtigte Gao Ping hatte in Madrid eine Galerie für zeitgenössische chinesische Kunst eröffnet und eine Stiftung zum kulturellen Austausch zwischen Spanien und China ins Leben gerufen.

In Peking unterhielt er ebenfalls eine Galerie und zeigte dort spanische Fotografen wie Ouka Leele und José Manuel Ballester. Die Madrider Galerie nahe dem Reina-Sofía-Museum wurde nun durchsucht und vorerst geschlossen. Dass auch sie in illegale Machenschaften verwickelt sein könnte, wird freilich von der Leiterin der Stiftung auf der Internetplattform Facebook innigst bestritten. Interessant sind aber ganz andere Details, die in diesem Zusammenhang ans Licht kamen: Die spanische Tageszeitung „El País“ zeichnet ein kompliziertes Geflecht aus Freundschaftsdiensten und Vetternwirtschaft am Institut für Moderne Kunst in Valencia (Ivam) auf.

Im Kreislauf der Gefälligkeiten

Die Hauptrollen spielen zwei Brüder, der eine Anwalt, der andere Kurator und Chefredakteur einer Kunstzeitschrift, eine kleine Familie und ein großer Kreis verschwippter Mitarbeiter. Zur kleinen Familie gehören die langjährige Direktorin des Ivam, Consuelo Ciscar, ehemals Kulturbeauftragte der Region, ihr Mann, der momentan wegen möglicher Veruntreuung von Entwicklungshilfegeldern angeklagt ist, und beider Sohn, ein junger Künstler.

Mehr zum Thema

Der eine Bruder schlägt dem Museum als Kurator eine Ausstellung über chinesische Kunst vor, die dann spitzfindig „55 Tage in Valencia“ heißt, und vertreibt die Ivam-Publikationen zusammen mit seiner Zeitschrift; der andere Bruder vermittelt zwischen Gao Ping und dem Museum den Ankauf von 61 Arbeiten chinesischer Fotografen für diese Ausstellung - Kosten eine halbe Million Euro. Die Zeitschrift verleiht der Direktorin und dem chinesischen Galeristen Preise; als Kurator organisiert der Chefredakteur Ausstellungen des künstlerischen Sohns der preisgekrönten Direktorin.

Da bleibt nur eins zu sagen: Schön, dass sich alle so gut verstehen. Ob denn alles mit rechten Dingen vor sich gegangen sei beim Ankauf der Fotografien von Gao Ping, wurde Ciscar auf einer Pressekonferenz gefragt. „Alles legal und sauber“, sagte sie, „wenn ich Kunst kaufe, weiß ich doch nicht, ob der Galerist Geldwäscher ist. Meinen Fleischer frage ich ja auch nicht, ob er vielleicht ein Mörder ist.“ Alles klar?

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ai Weiwei im spanischen Cuenca Ein Ritter von aufrechter Gestalt

In der Kathedrale von Cuenca wird Cervantes in den Kontext von Ai Weiwei und der spanischen Moderne gestellt: Eine Hommage auf Sonderlinge, Abweichler und Normverletzer. Mehr Von Paul Ingendaay, aus Cuenca

21.08.2016, 08:33 Uhr | Feuilleton
Nach Umsturzversuch Mutmaßliche Putschisten in der Türkei verhaftet

Türkische Spezialkräfte haben mehrere Männer festgenommen. Die Soldaten sollen bei dem gescheiterten Umsturzversuch eingesetzt gewesen sein, um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an seinem Urlaubsort festzusetzen. Dutzende Menschen versammelten sich vor der Polizeistation, in der die Verhafteten nur kurz blieben, und riefen Slogans wie Verräter und Wir wollen die Todesstrafe. Mehr

01.08.2016, 15:19 Uhr | Politik
13. Triennale Kleinplastik Kunst wie Wurst

Harz-Zwiebeln und Bronze-Mangos: Bei der Triennale Kleinplastik in Fellbach kämpfen internationale Künstler gegen die Vergänglichkeit des Essens an. Mehr Von Jan Russezki

18.08.2016, 07:38 Uhr | Feuilleton
Primera Divison Real Madrid droht der Fehlstart

Los geht es in der spanischen Liga: Während der FC Barcelona dem Auftakt entspannt entgegensehen kann, spricht die Statistik gegen einen Erfolg von Erzrivale Real Madrid. Die Vorschau auf den Start der Primera Division. Mehr

19.08.2016, 20:18 Uhr | Sport
Museum Ludwig in Köln Weniger Drunter und Drüber wagen

Eitel darf der Stifter sein: Vor vierzig Jahren begann die Geschichte des Museums Ludwig. Zur Jubiläumsschau zeigt sich auch die gesamte Sammlung in neuer Anordnung. Mehr Von Georg Imdahl

27.08.2016, 22:46 Uhr | Feuilleton

Gefahren kennen keine Altersgrenze

Von Reinhard Müller

Schon Minderjährige können im Namen des IS andere Menschen attackieren. Das zeigt der Fall einer 16 Jahre alten Deutsch-Marokkanerin. Der Verfassungsschutz muss sie beobachten dürfen. Mehr 19 65