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Veröffentlicht: 22.12.2012, 07:38 Uhr

Toplose im Jahr 2012 Die Alten sind zurück - in Köln

Die Bilanzen der deutschen Auktionshäuser bieten einige Überraschungen. Auffällig ist die Suche nach neuen Sparten, denn einige Traditionsgenres stecken in der Krise.

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Wenn bedeutende Alte Meister in deutschen Auktionshäusern akquiriert werden können und dann auch hier und nicht in London oder New York versteigert werden, sind sie in der Top-Ten-Liste unschlagbar. Das bewies in diesem Jahr Gerrit Dous „Alter Maler in seinem Atelier“ von 1649 (1). Das Bild in Öl auf Holz erwarb in einer der besten Auktionen des Kölner Versteigerungshauses Lempertz ein Bekannter der internationalen Szene: Der Kunsthändler Johnny van Haeften warb um das Gemälde bis zum Zuschlag von drei Millionen Euro, dabei hatte die Schätzung bei nur 1,8 bis 2,2 Millionen Euro gelegen.

Nachschubprobleme lassen den Markt mit Alten Meistern jedoch zunehmend schrumpfen. Im Jahr 2012 konnten bei Lempertz noch einige Bilder weit vergangener Jahrhunderte Aufsehen erzeugen: Hendrick Avercamps „Winterlandschaft“ (3), die in derselben Frühjahrsauktion für 1,5 Millionen Euro vermittelt wurde, Johann Königs „Auferstehung Christi“ von 1622 für 720.000 Euro (6), Salomon van Ruysdaels „Landschaft mit Bauerngehöft“ und „Flusslandschaft mit Fähre“ (7c), beide von 1634, für je 600.000 Euro und Jan Fris’ „Raucherstillleben“ (8) von 1665 für 560.000 Euro. Lempertz hält damit in diesem Jahr ein Monopol auf die teuersten Alten Meister unter den Spitzenzuschlägen.

Ein zweiter Monopolist ist das Stuttgarter Haus Nagel, das sich schon im Resümee 2011 an einem starken Auftritt mit Asiatika erfreuen durfte. Auch jetzt haben die Stuttgarter die Topzuschläge mächtig durcheinandergewirbelt und plazieren vier Möbel aus China ganz vorne: Ein Paar Schränke aus Zitan und Hartholz sorgten im Herbst für einen Zuschlag bei 1,55 Millionen Euro (2) und zwei Schränke aus Huanghuali erzielten 900.000 Euro (5). Die Nagel-Asiatika-Auktionen provozieren mittlerweile Legenden: Vierhundert asiatische Sammler seien angereist, liest man. Doch Nagel bringt noch ein weiteres Kunstwerk ungewöhnlicher Art in die Top Ten ein: Bereits im Februar wurde ein Augsburger Kabinettschrank von 1650/60 (10), Elfenbein furniert und bemalt, für 505.000 Euro versteigert. Solche Meisterwerke des Kunsthandwerks lassen den Gesamtumsatz bei Nagel auf 43 Millionen Euro klettern.

Diese Hoffnungen auf neue Geschäftsbereiche erfüllten sich auch bei der Villa Grisebach in Berlin, die zumindest mit ihrer Herbstauktion von Kunst des 19. Jahrhunderts Erfolg hatte. Doch die Umsätze hier reichten nicht, um Rückgänge in den Hauptauktionen auszugleichen. Das Haus schließt die Saison mit einem vergleichsweise schwachen Ergebnis von 38,6 Millionen Euro ab. Schon bei den Frühjahrsauktionen im Mai hatten die Berliner mit einigen Rückgängen zu kämpfen und setzten nur 13,6 Millionen Euro um.

Das teuerste Bild damals war die Landschaft „Am Starnberger See“ (7b), die Gabriele Münter 1908 auf die Leinwand brachte. Jetzt teilt sich Münter mit Salomon van Ruysdaels Doppelbild und Andy Warhols Farbserigraphie „Friedrich des Großen“ für 600.000 Euro einen Rang (7a). Otto Muellers „Zwei Mädchen“ (3), entstanden um 1924, für 1,18 Millionen Euro sorgten im November zumindest ein wenig für Ausgleich. Weit entfernt ist das Auktionshaus damit von seinem Rekord-Vorjahresergebnis in Höhe von 55,4 Millionen Euro. Die direkte Konkurrenz, das Kölner Auktionshaus Lempertz, schafft es mit 50,5 Millionen Euro Gesamtumsatz in die Nähe des Grisebach-Rekords und übersteigt den eigenen Umsatz von 2011; der lag vor einem Jahr bei 49,2 Millionen Euro.

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Andere Auktionshäuser, die jedoch knapp die Top Ten verpassten, verzeichnen gute Umsätze. Ketterer aus München/Hamburg zum Beispiel weist einen Gesamtumsatz von dreißig Millionen Euro aus und übertrifft damit sein bestes Ergebnis von 2011 noch einmal um eine Million Euro. Den höchsten Preis erzielten dort Campendonks „Zwei Pferde“ für 440.000 Euro. Und auch das Münchner Haus Karl & Faber weist einige herausragende Ergebnisse auf, mit der Kreidezeichnung eines „Liebespaars mit Kapuzinerkresse“ von Otto Dix für 400.000 Euro. Preislich ebenfalls ein Höhepunkt: Bei Van Ham in Köln wurden zwei große Porzellanbilder, die zusammen für 500.000 Euro kosteten, vermittelt.

Robert Ketterer freute sich in seiner Bilanz besonders über die vielen neuen Sammler, deren Erscheinen auf dem Auktionsmarkt sicherlich auch anderen Häusern Mut machen wird. Jeder Dritte sei bei Ketterer 2012 ein neuer Käufer gewesen, im Bereich der Kunst des 15. bis 19. Jahrhunderts sei es sogar jeder Zweite gewesen. Angesichts der digitalen Globalisierung des Versteigerungsmarktes kann man beobachten, dass die Auktionshäuser nach neuen Feldern Ausschau halten. Van Ham zum Beispiel setzt auf Schmuck und verzeichnet damit 2012 eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von sechzig Prozent.

Quelle: F.A.Z.

 

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