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Technikauktion Kleine Kiste

Der Computer als Antiquität: In Köln wird ein funktionsfähiger „Apple 1“ mit originalem Zubehör versteigert. Er bedeutet die Erfindung unserer Welt von heute.

© Auction Team Breker Vergrößern Der Erfinder auf dem Schirm: Sieben Minuten dauert es, bis das Betriebssystem und die Grafik des „Apple 1“ hochgefahren sind – und Steve Wozniak erscheint (Taxe 120.000/200.000 Euro)

Das Kölner Auktionshaus von Uwe H. Breker hat sich auf alte Technologien spezialisiert. Der Katalog zur aktuellen Versteigerung am 24. November mit „Wissenschaft& Technik, Büro-Antik und Spielzeug“ enthält ein historisches Stück, das sich schon Computer nannte. Es ist ein „Apple1“ von 1976, der erste Rechner der damals noch unbekannten Firma. Breker gibt an, dass es sich um den ersten voll-funktionsfähigen „Apple 1“ handelt, der je in Europa versteigert wurde - und weltweit um den ersten mit Original-Zubehör: Transformer, Sony Monitor und Datanetics ASCII-Tastatur.

Steve Jobs selbst, der im vergangenen Jahr gestorben ist, begann mit zwanzig Jahren gemeinsam mit Steve Wozniak in der Garage seiner Eltern die ersten Exemplare zusammenzusetzen. Schon zehn Jahre später war daraus eine Marke mit 4000Angestellten und einem Börsenwert von zwei Milliarden Dollar geworden. Heute ist es mit 500 Milliarden Euro das höchstnotierte Unternehmen der Welt.

Auf Youtube hat Breker nun ein Video gestellt, in dem der angebotene „Apple 1“ in Betrieb gesetzt wird. Sieben Minuten dauert es, bis die Porträts der beiden Erfinder Steve Jobs und Steve Wozniak auf den Bildschirmen erscheinen. So lange dauert es nämlich bis via Kassettenrekorder das Betriebssystem in der kleinen Kiste hochgefahren ist und anschließend auch das langsam ladene Graphik-Programm. Der Film erinnert an Armstrongs Mondlandung. Es war eben die Zeit der „tastenden“ Erfindung der Welt von heute. Nur zweihundert Exemplare dieses ersten Apple sind gebaut und verkauft worden.

Heute existieren davon noch 43 - und nur sechs sind betriebsfähig. Viel mehr werden auch nicht mehr auftauchen, da die Sammler und Händler wissen, was ein solcher Rechner wert ist: Am 15. Juni 2012 wurde bei Sotheby’s in New York ein funktionsuntüchtiger „Apple1“ für 374500 Dollar mit Aufgeld versteigert (Taxe 120.000/180.000). Das seriöse „Apple1 Registry“ von Mike Willegal wacht derweil permanent über alle Vorgänge der weltweiten Apple-Online-Foren und hält die „Stammliste“ aller bekannten „Apple1“ akribisch fest.

Das Mindestgebot für den Breker-Apple liegt bei 70.000 Euro. Wie groß jedoch die Hoffnungen sind, zeigt, dass selbst am New Yorker Times Square auf einem riesigen News-Display die Auktion beworben wird. Der Apple zeigt, dass technische Antiquitäten aus ihrem Schattendasein hervortreten können und endlich als Meilenstein unserer technischen Kultur wertgeschätzt werden. Das galt bislang nur für historische Automobile.

Übrigens: In der Kölner Auktion wird im Anschluss an den „Apple 1“ der „Altair 8800“ von 1975 angeboten. Dieser war nun wirklich der allererste Home-Computer der Welt, allerdings nur ein Bausatz ohne jede Datenausgabe. Nach dessen Aufscheinen gründeten Bill Gates und Paul Allen spontan „Microsoft“ und programmierten fortan die Software für diesen zuvor nur von Militärs genutzten Kasten. Erstaunlich ist, dass der Ur-PC verdrängt durch den Apple-Markenfetisch wie ein armes hässliches Entlein daherkommt: Die Taxe liegt bei 4500 Euro.

Zur hohen Popularität und zur allgemeinen Aufmerksamkeit für „Apple“-Produkte zählt auch die Ankündigung von zwei Spielfilmen über das Leben von Steve Jobs, die Ende 2012 in die Kinos kommen sollen. Einer der Filme wird von Sony Pictures produziert, mit Ashton Kutcher als Steve Jobs, dem mit 24 Millionen Dollar Gage derzeit höchstdotierten Schauspieler der Welt.

Und was hat die Zeit vor dem Computer zu bieten? Bei den historischen Schreib- und Rechenmaschinen sind wieder ganz außergewöhnliche Exponate zu bestaunen, etwa die mit Perlmutt-Inlays verzierte „Crandall Type Writer“ von 1879 aus der Frühzeit dieser wichtigsten Kommunikationsmaschinen seit Gutenbergs Druckpressen. Das hübsche Ding funktionierte schon mit einem Typenzylinder, wie erst sechzig Jahre später die IBM-Kugelkopfschreibmaschine.

Noch wichtiger - und seltener - ist die 1894 auf den Markt gekommene „Mimeograph“-Schreibmaschine aus der Ideenwerkstatt des genialen Multi-Erfinders Thomas A. Edison. Diese Maschine ermöglichte es, Wachsmatrizen gleichmäßig zu beschriften, und stellte damit den Beginn der bis in die sechziger Jahre für jeden Schullehrer und Büro-Dienstleister unverzichtbaren Umdruck-Vervielfältigungen dar. Nur eine Handvoll Exemplare dieses bürohistorischen Wegbereiters sind heute noch bekannt.

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Breker erwartet für die Mimeograph ein - bescheiden kalkuliertes - Ergebnis von 120.00 Euro. Interessant ist auch der mit „1892“ datierte Prototyp des „Disque Phonograph“ des Schweizer Uhrmachers und Film-Pioniers Casimir Sivan sowie ein Exemplar der sagenumwobenen „Enigma“-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg, die zwar nicht ganz so selten ist, aber als emblematisches Objekt von Weltkrieg, Spionage und Gegenspionage ein heißbegehrtes und entsprechend teures Sammelobjekt darstellt.

Das Video zum Apple1 ist zu sehen auf www.youtube.com/AuctionTeamBreker.

Quelle: F.A.S.

 
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