Ende des 19. Jahrhunderts arbeitete der katalanische Architekt Antoni Gaudí zugleich an der berühmten und bis heute unvollendeten Sagrada Familia und an der Kirche für die Colònia Güell in Santa Coloma de Cervelló, fünfzehn Kilometer außerhalb Barcelonas. Von diesem Projekt wurden nur die Krypta und der Portikus realisiert, sie sind bis heute erhalten und gehören zum Weltkulturerbe.
Vorbild für die Sagrada Familia
Das Modell für die Kirche fertigte Gaudí aus Schnüren, die er mit Sandsäcken beschwerte, um die Belastbarkeit der Säulen und Bögen zu errechnen. Der Bildhauer Vicente Villarrubias machte mehr als zwanzig Heliographien des Modells. Aufgrund seiner Erfahrungen bei der statischen Berechnung der Kirche der Colònia Güell konnte Gaudí bei den Änderungen der Baupläne der Sagrada Familia dort auf Modelle verzichten. Viele Elemente der Kirche finden sich, nachdem sein Auftraggeber, der Graf von Güell, gestorben war und die Erben die Finanzierung einstellten, in der Sagrada Familia wieder.
Zwei Originalzeichnungen, bei denen Gaudí mit Kohle, Aquarell und Gouache in die Heliographien des Modells hineinarbeitete, geben einen Eindruck von der komplexen und phantasievollen inneren und äußeren Gestaltung des geplanten Gotteshauses. Das Auktionshaus Balclis in Barcelona bietet die beiden zwischen 1898 und 1908 entstandenen Arbeiten, eingereicht aus katalanischem Privatbesitz, für 275.000 Euro am 16. Mai an.