23.02.2012 · Masken zeugen vom Kampf gegen Dämonen: Zemanek-Münster in Würzburg lädt zur Auktion mit Stammeskunst aus Neuguinea, Afrika und auch aus Japan.
Von Brita SachsDen prächtigen Kittel, in dem der vollbärtige Emil Maetzel auf einem Foto von 1910 sehr „künstlerisch“ aussieht, gibt es noch: Das indigoblaue Gewand mit stilisierender und garantiert symbolträchtiger „Bida“-Stickerei fertigten die Nupe in Nigeria. Beim Stammeskunst“-Spezialisten Zemanek-Münster in Würzburg kommt es am 3. März, geschätzt auf 750 bis 1500 Euro, zum Aufruf, mit weiteren Sammlungsstücken Maetzels (1877 bis 1955). Der Hamburger Künstler stand dem „Brücke“-Expressionismus nah, fand über ihn zur „primitiven“ Kunst Afrikas, Ozeaniens und Asiens.
Um 1920 umfasste seine Kollektion mehr als 150 Stücke, Hamburger Museen stellten sie in den Folgejahren aus. Christie’s in Paris nahm 2010 neunzig Werke unter den Hammer, rund siebzig Stücke ruft jetzt Zemanek-Münster auf. Einiges - etwa eine kunstvoll frisierte Helmmaske der Mende, Sierra Leone (Taxe 5000/7000 Euro) dokumentieren Archivaufnahmen von 1910 und gewährleisten damit ein für Afrikana solides Mindestalter. Anderes bezog Maetzel in seine Malereimotive ein: Sein kraftvolles „Stillleben mit afrikanischem Objekt“ wird samt demselben veräußert, einer Orakelschale der Yoruba in Nigeria mit kniender weiblicher Figur (10.000/ 20.000).
Artefakte aus zwei weiteren Privatsammlungen durchmischen die Offerte: Den Schauspieler Werner Krauß dürften Masken schon berufsbedingt gereizt haben, ein Foto zeigt ihn mit seiner großen Stülpmaske der TobaBatak aus Sumatra (2000/4000), deren Schwarzhaar er lässig nach hinten gestrichen trägt. Aus Japan stammen eine „No“-Maske mit schmalem Bärtchen (800/1500) und eine gehörnte Dämonenmaske „ryu oni“ (600/1200); weitere Stücke kommen aus Neuguinea und Afrika.
Über den vor drei Jahren gestorbenen Basler Arzt Eduard Hess erzählt der Katalog, er habe vieles auf Reisen in Afrika erworben, nachdem sein Interesse durch eine erste Skulptur geweckt war, die ihm seine Frau zum vierzigsten Geburtstag schenkte. Einige Stücke schenkte er dem Museum Rietberg in Zürich, viele sind publiziert. Wertvolle Schnitzarbeiten im Angebot von knapp 130 Losen stammen von Völkern der heutigen Republik Kongo in Zentralafrika: so ein Würdenträgern vorbehaltener Karyatidenhocker der Songe von herausragender Expressivität, der auf 20.000 bis 40.000 Euro geschätzt ist.
Mehrere farbige „kifwebe“-Masken der Songe mit dem charakteristischen Rillenschmuck und kastig vorgestülpten Mündern sind mit Bewertungen von 3000 bis zu 9000 Euro ausgezeichnet. Als sehr selten gelten Masken der Zande: Eine Scheitelmaske in Schlangengestalt soll vom Medizinmann auf dem Oberkopf getragen werden, zur Heilung von Schlangenbissen (1500/3000).