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Spuren von Else Lasker-Schüler Bisher unveröffentlicht

 ·  Antiquarische Bücher von Else Lasker-Schüler, Autographen der Schriftstellerin und ihre Zeichnungen sind begehrt. Wer sucht, findet die schönsten Dinge. Eine kleine Marktumschau.

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Ich bitte Sie viele viele Male die Zeichnungen, die von mir gemacht, ich merkte es nie - zu vernichten. Ich liebe nicht conterfeit zu werden“, schrieb Else Lasker-Schüler Anfang der vierziger Jahre an den befreundeten Architekten Leopold Krakauer. Seine Frau Grete hatte die Dichterin mehrfach skizziert. Es sind nur wenige Zeilen am Ende eines neun Seiten langen Briefs, der sich noch bis vor kurzem im Nachlass der Familie befand.

Sie erzählen von einer inzwischen über siebzigjährigen Frau, die die Nazis ins Exil trieben und die nun, kurz vor ihrem Tod, gern die Kontrolle darüber behalten wollte, wie man sie in Erinnerung behält. Die lange Epistel mit dem kurzen Zusatz ist Teil eines bemerkenswerten Lasker-Schüler-Konvoluts, das Hauff&Auvermann in Berlin am 25.Oktober anbieten wird. Die sieben Autographen und vier Miscellanea von anderer Hand sind größtenteils unveröffentlicht. Sie standen auch nicht für die kritische Werkausgabe zur Verfügung, die die Bergische Universität Wuppertal von 1996 bis 2010 veröffentlichte.

Mit einem Selbstporträt als „Jussuf“

Seither ist das Interesse an der in Elberfeld geborenen Dichterin deutlich gestiegen - bei Wissenschaftlern wie bei Sammlern. Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach widmete der Expressionistin eine große Schau mit grundlegendem Katalog. Und 2011 veröffentlichte die Lasker-Schüler-Forscherin Ricarda Dick das Werkverzeichnis der Zeichnungen, das von einer Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt begleitet wurde. Zurzeit dokumentiert das Franz-Marc-Museum in Kochel die Doppelbegabung als Dichterin und Zeichnerin und ihren Kontakt zum „Blauen Reiter“.

Entsprechend sprunghaft gestiegen sind die Preise für Lasker-Schülers Autographen, Erstausgaben und ihre Zeichnungen. Gleich drei Exemplare ihres 1923 im Querschnitt-Verlag von Alfred Flechtheim veröffentlichten Gedichtbandes „Theben“ - mit zehn handsignierten Lithographien - werden zurzeit im „Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher“ (zvab.com) zu Preisen zwischen 8400 und 13.400 Euro angeboten. Das Wiener Antiquariat Burgverlag hat eine Zweitausgabe der „Essays“ von 1920 aus dem Paul Cassirer Verlag mit handschriftlicher Widmung und gezeichnetem Selbstporträt als „Jussuf, der Prinz von Theben“ schon auf der Stuttgarter Antiquariatsmesse gezeigt und bietet sie nun für 2300 Euro bei Ebay an.

Für die signierten „Hebräischen Balladen“ aus demselben Jahr verlangt Bührnheims Literatursalon in Leipzig 1800 Euro - ebenso viel wie Wolfgang Friebes in Graz für die signierte „Wupper“ von 1919 und das Antiquariat Buchseite in Wien für die bei Kurt Wolff verlegten „Gesammelten Gedichte“ von 1921, diesmal wieder mit „Jussuf“-Zeichnung. Das dem Freund gewidmete „Peter-Hille-Buch“, in der signierten Halbleder-Vorzugsausgabe von 1919, kostet bei Schmidt & Günther in Kelkheim 3800 Euro.

„Keine Krikerikikritiken mehr“

Richard Husslein, Planegg, hat einen Brief von 1940 aus dem Exil in Jerusalem für 2100 Euro im Angebot; Kotte Autographs in Rosshaupten offeriert gleich drei Briefe an den Germanistik-Studenten Ludwig Lewin von 1909 und 1910 für Preise zwischen 2250 und 3500 Euro. Bei Reiss & Sohn in Königstein kommen am 30. Oktober ein signiertes Widmungsexemplar des 1937 erschienenen Bandes „Das Hebräerland“ für 1500 Euro und eine Cassirer-Ausgabe der „Hebräischen Balladen“ von 1920 mit gezeichnetem Selbstbildnis als „blauer Jaguar“ für 2500Euro zum Aufruf.

Der oben erwähnte Brief an Leopold und Grete Krakauer ist bei Hauff & Auvermann auf 10.000 Euro taxiert. Gleich viel soll das dreiseitige, engbeschriebene Manuskript eines Briefes an die „Bürgerspieß’ von Jerusalem“ kosten, in dem Lasker-Schüler ironisch bekennt: „Ich dichte keine Oden nach modernen Moden, keine Krikerikikritiken mehr.“ Die übrigen fünf Autographen enthalten Spaß- und Nonsensgedichte, kleine Zeichnungen und den ersten Teil einer Vorbemerkung zu Lasker-Schülers Gedicht über Leopold Krakauer mit Abweichungen zur Druckfassung (je 3600 Euro). An den Wunsch der schon betagten Dichterin, nicht mehr porträtiert zu werden, hielt sich Grete Krakauer übrigens nicht. Als die Dichterin am 22. Januar 1945 im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem starb, zeichnete die Freundin sie auf dem Totenbett und nahm ihr die Totenmaske ab. Siegfried Krakauer gestaltete den Grabstein.

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Von Rose-Maria Gropp

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