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Spaniens Kunst-Krise : Protestieren und Durchhalten

  • -Aktualisiert am

In Spanien schüttelt die Krise auch Künstler und Galerien. Hinzu kommt die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Kunst auf 21 Prozent: ein Lagebericht.

          Während Gewerkschaften und Protestbewegungen in Spanien einen heißen Herbst begannen, verlesen die Künstler- und Galeristenverbände Manifeste und suchen konstruktive Wege, um die Wirtschaftskrise zu meistern.

          Die Kürzungen der öffentlichen Gelder bei Staat und Kommunen, von Subventionen für ausländische Kunstmessen und bei den Stipendien für Künstler und Ausstellungen, der Wegfall der Sparkassen und Banken als Sponsoren machen dem spanischen Kunstmarkt schwer zu schaffen - hinzu kommt die schwer zu Buche schlagende Erhöhung der Mehrwertsteuer von acht auf 21 Prozent. Der spanische Nationalpreisträger und angesehene Fotokünstler José Manuel Ballester warnt vor dem Aderlass: „Besser acht Prozent von etwas als 21 Prozent von nichts.“ Viele befürchten, dass aus dem Kunstmarkt ein Schwarzmarkt wird.

          Künstler haben das Nachsehen

          Heinrich Ehrhardt, seit fünfzehn Jahren als Galerist in Madrid tätig, fragt sich, wer noch spanische Künstler in Spanien kauft, wenn sie in anderen europäischen Ländern, wo der Mehrwertsteuersatz geringer ist, günstiger sind. Denn Kunst sei in Spanien schlagartig teurer geworden; die Galerien haben Wettbewerbsnachteile, und die Künstler verdienen weniger. Die Madrider Kunstmesse Arco, auf der die Hälfte aller Galerieverkäufe eines Jahres getätigt werden, wird für ausländische Galerien und internationale Sammler unattraktiv. Zumindest während der Messetage hoffen die Veranstalter deshalb auf eine reduzierte Mehrwertsteuer, wie sie in den Anfängen der Arco üblich war.

          Das spanische Institut für Zeitgenössische Kunst erklärt, dass viele Künstler momentan ihre Preise noch nicht erhöhen, sondern die Differenz selbst auffangen. Die jetzt für 2013 angekündigten Einsparungen im gesamten Kulturbereich betragen noch einmal dreißig Prozent: Seit 2009 wären damit die öffentlichen Mittel für Kultur um siebzig Prozent geschrumpft, rechnet die Tageszeitung „El País“ vor. Nicht nur der Galerienverband von Barcelona fordert die Wiedereinführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes, andernfalls sieht man dort zwanzig Prozent der Galerien von der Schließung bedroht.

          Für den Kunstmarkt lautet die aktuelle Strategie - zusammenhalten. Der Galeristenverband Arte Madrid hat, nach der Sommerpause, die gemeinsamen Eröffnungen seiner 46 Mitglieder koordiniert, als „Apertura“ an einem Wochenende. Dabei wurde weitgehend auf bekannte Namen gesetzt, um das Risiko gering zu halten. Entsprechend groß waren der Andrang und die Nachfrage, auch wieder seitens der spanischen Sammler, die sich im ersten halben Jahr weniger blicken ließen, sagt Heinrich Ehrhardt.

          Die Attraktivität Madrids

          Barcelona hatte für den Beginn der Herbstsaison „Ars Nou“ ins Leben gerufen: Bekannte Galerien stellten unter der Patenschaft etablierter Künstler Jungtalente aus. Damit seien, so der Präsident von Art Barcelona, Carlos Durán, keine kommerziellen Erfolge zu feiern, aber Dynamiken in Gang gesetzt, die sich später einmal rechnen könnten. Ähnliche Ziele verfolgen die Atelierbesichtigungen, die immer professioneller koordiniert werden. In ganz Spanien kommen für Galerien, die schließen, in der Regel neue hinzu, auch in Städten wie Altea, Málaga oder Bilbao.

          Mehr als ein Drittel der rund 400 Galerien, die in Spanien arbeiten, befinden sich allerdings in Madrid und machen, zusammen mit den Kunsthändlern, etwa 150Millionen Euro Umsatz im Jahr. Immer mehr Galerien aus Barcelona eröffnen einen zweiten Standort in der Hauptstadt, die Drehkreuz auch für den iberoamerikanischen Markt ist. Das lebendige Klima, die Kreativität und das Interesse der Leute, so findet die Galeristin Rebeca Blanchard, seien in Madrid inzwischen ausgeprägter als in der einstigen Kunstmetropole Barcelona. Auch sie hat gerade eine Dependance in Madrid eröffnet. Für die Galerie Pérez de Albéniz aus Pamplona wurde ein lang geplanter zweiter Standort jetzt möglich - ausgerechnet durch die gefallenen Immobilienpreise.

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